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  1. Geschichten, die das Leben schreibt # 1
    irish traveller

    Geschichten, die das Leben schreibt

    Hallo ihr Lieben,

    da bin ich wieder, euer irish traveller! Habt ihr mich vermisst? Hab ich euch gefehlt?

    Heute möchte ich einen neuen Thread starten. Wie die Überschrift schon sagt geht es um eigene Erfahrungen ... in Irland wohlgemerkt. Bevor das Geheule losgeht nur so viel: schwarze Schafe gibet überall. Auch in Deutschland. Irland hat es mir aber besonders angetan, ganz einfach deshalb weil das dort Erlebte teilweise so absurd war, dass ich selbst heute noch nicht so recht darüber zu lachen vermag. Also nehmt euch eine Tüte Bio-Popcorn und Biolimonade aus dem Reformhaus, lehnt euch zurück und genießt die Show. Übrigens: alles was ich hier schreibe ist tatsächlich passiert. Keine Lügen, Ausschmückungen oder sonst was in der Art. Das reale Leben in Irland toppt jede Soap. Nun denn ...

    Support the local business

    Die örtlichen Geschäfte zu unterstützen ist ja an sich eine gute Sache. So dachte ich damals als ich mir einen Wäschetrockner und später eine teure Memory-Foam Matratze kaufte. Der Wäschetrockner war im Angebot und kostete genau 300 Euro. Ich kaufte ihn im örtlichen Elektroladen. Er trocknete nie. Er wurde noch nicht mal warm. Ich rief also im Laden an und die schickten mir einen ihrer Techniker. Ich kannte den Mann persönlich und das machte die Sache komplizierter. Er kam mit einem Laptop und ich dachte schon: Wow, wie beeindruckend! Die Prüfung des Geräts sah dann so aus, dass er es erstmal paar Minuten laufen ließ, dann seine Hand in die Trommel steckte und sagte: Es ist warm, alles in Ordnung! Er trug das in seinem Laptop ein und damit war die Sache erledigt. Wir schwatzten noch ein bisschen wobei ich ihm zu erklären versuchte, dass das Gerät eben nicht in Ordnung war, weil meine Frau stundenlang vergeblich versuchte die Wäsche zu trocknen und es einfach nicht ging. Trotzdem, ich konnte das Gerät nicht zurückgeben oder umtauschen. Der Laden lehnte es strikt ab. Doch sie schickten mir einen weiteren Techniker, den ich diesmal nicht kannte, der aber zumindest versuchte das Ding zu reparieren indem er das Thermostat austauschte. Und siehe da, es funktionierte! Für zwei Wochen. Danach war wieder kühle Luft angesagt. Ich ging in den Laden und drohte mit einer Klage. Doch der Chef ließ sich nicht beeindrucken, bot mir jedoch an einen neuen Techniker zu schicken. Ich lehnte dankend ab und ging geradewegs zum small claims court. Small claims befasst mit kleineren Streitigkeiten, die wenn es gut läuft außergerichtlich geregelt werden. Sie schrieben einen Brief an den Händler, er schrieb zurück und behauptete das Gerät wäre einwandfrei in Ordnung. Ich hätte mir also einen Anwalt besorgen, vor Gericht ziehen und das Ganze auch noch vorfinanzieren müssen in der Hoffnung, den Prozess zu gewinen. Nur dann hätte die Rückerstattung aller meiner Kosten bekommen. Stattdessen überbrückte ich das Thermostat am Trockner und erzählte allen Leuten was für einen ****** mir besagter Laden da verkauft hatte und warnte jeden davor dort einkaufen zu gehen. Es dauerte nicht lange und der erste Techniker (den ich persönlich kannte) stand vor meiner Tür. Er beschwerte sich darüber, dass ich Rufmord begehen würde. So ist das eben in einem Kaff, wo jeder jeden kennt. Der Trockner stand drei Jahre rum bis zu dem Tag als ich einen anderen kaufte, bei einem anderen örtlichen Elektrohändler, der neu eröffnete, bei der Lieferung den alten mitnahm und sich geduldig und kopfschüttelnd meine Story anhörte. Der neue Trockner funktionierte einwandfrei.

    Ungefähr zur gleichen Zeit öffnete ein neues Möbelhaus. Ich brauchte dringend eine neue Matratze und wollte was gescheites. Also kaufte ich ein full memory foam Matratze für 1.000 Euro und bezahlte im Voraus. Sie sollte spätestens in ein paar Tagen geliefert werden. Als sie nach ein paar Wochen immer noch nicht da war, rief ich an und fragte was los wäre. Der Verkäufer versprach eine Lieferung in baldiger Kürze. Ich erwähnte, dass ich im Voraus bezahlt hätte und die Matratze nich billig gewesen wäre. Daraufhin sagte er: "Tja, sie haben eben einen teuren Geschmack." Das ist nämlich so eine Sache in Irland. Beschwert man sich beim Verkäufer über die teuren Preise, kommt als Erwiderung wie aus der Pistole geschossen: You have an expensive lifestyle! Die werden entsprechend geschult und man steht dann auch erst mal da und weiß nicht, was man noch sagen soll. Qualität hat zwar ihren Preis aber in Irland kostet alles das doppelt- und dreifache. Außerdem ist die Qualitätspackung nicht immer das, was sie vorgibt zu sein. Als ich nach einem Jahr den Bezug der Matratze reinigen ließ entdeckte ich, das die full memory foam Matratze gar keine war. Da war eine ung. fünf Zentimeter dicke Schicht memory foam. Der dicke Rest war ganz normaler Schaumstoff. Auch hier hatte man mich über den Tisch gezogen, doch man gewöhnt sich daran. Irgendwann beginnt man sich darüber zu wundern, wenn es mal nicht so ist und die Dinge einwandfrei funktionieren.

    Ich hätte da noch ein paar Storys auf Lager, doch die beiden sind die besten.
    Geändert von irish traveller (14.03.2019 um 15:17 Uhr)

  2. Geschichten, die das Leben schreibt # 2
    irish traveller
    Life is better with a dog. But sometimes it's not, you know ...

    (Episoden aus dem Jahr 2013 innerhalb drei Wochen)

    Hitzewelle. Nach sieben Jahren endlich wieder Sommer! Thank God! Die Leute sind begeistert. Naja, nicht alle aber die meisten. "Es könnte so weitergehen" sagen viele. Ich stelle mir vor, wie das so wäre. Mediteranes Klima in Irland. So wie in Südfrankreich und Spanien. Ein Ire meinte neulich, das würde dem Land einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung bringen. Touristen. Finde ich auch. Was denn sonst? Ist das Wetter so wie jetzt, geht hier im wahrsten Sinne die Sonne auf. Alles blüht, Natur und Menschen. Da könnte ich schon fast sagen, dass es mir gefällt auf dieser Insel. Um so lustiger finde ich dann so Sätze wie: " Das schlechte Wetter in Irland schützt uns vor ... blabla" Aber keine Sorge, es wird nicht so bleiben. Das schöne Wetter ist nur temporär. Bald hat uns die Gülle wieder. Das ist kein pessimistisches Gequatsche, sondern die Realität. Muss man sich immer vor Augen halten.

    An einem wunderschönen Abend vor drei Wochen, kurz bevor es losging mit der heat wave, schauen wir gerade die Sopranos als plötzlich wie aus dem Nichts Lizzie und Lua (zwei unserer Hundis) anfangen sich zu fetzen. Normalerweise lass ich sie es austragen, doch diesmal geh ich dazwischen, da sie fast das TV-Set runterreißen. Ich beuge mich also runter und greife mit meiner linken Hand nach Lizzie. Keine gute Idee. Sie dreht sich blitzschnell rum und beißt mir in den linken Ringfinger! Das Blut fängt an zu spritzen, ich renne schreiend ins Bad und halte meine Hand unter den Wasserhahn. Dabei kann ich die Fingerkuppe fast vollständig abheben!

    Mit dem Taxi fahre ich dann zum Shannon Doc, wo der Finger wieder mit Schnellkleber und Bandagen zusammengeflickt wird. Seitdem bin ich "beurlaubt". Morgen geht's endlich wieder auf die Gass. Der Finger ist fast vollständig verheilt, doch die Fingerkuppe ist taub. Da muss wohl ein Nerv beschädigt worden sein. Hoffe, dass sich auch das mit der Zeit wieder gibt!

    Als ob das noch nicht genug gewesen wäre, passierte vor drei Tagen folgendes: wegen der Hitze haben wir alle unsere Fenster im Haus göffnet. Lua liegt im Fernsehzimmer, oben im ersten Stock auf der Fensterbank und schaut raus. Das ist ihr Lieblingsplatz. Ich sitze unten im Wohnzimmer und Ella meint, sie geht gerade mal rüber zur Sarah. Als sie aus der Haustuer geht, folgen ihr Lizzie und Jamie. Plötzlich tut es einen Schlag, als hätte jemand einen Sack Zement aus dem Fenster geworfen! Und dann das Gejaule. Lua wollte hinterher, sprang dabei aus dem Fenster im ersten Stock und knallte unten auf den Beton vor die Haustür! Ich renne raus und denke mir, das war's! Doch sie steht schon wieder, auf drei Beinen, das rechte Hinterbein ausgestreckt.

    Unsere Nachbarin fährt uns sofort zum Not(tier)arzt. Dort bekommt Lua Schmerzmittel verpasst. Es ist nichts gebrochen und es gibt auch keine inneren Blutungen. Nur die Hinterpfote ist verstaucht. Gestern war ich unten auf dem Feld (dort wo wir jeden Tag Gassi gehen) joggen. Lua rannte die meiste Zeit mit, auf drei Beinen! Zwischendurch ging sie mal schwimmen und musste sich dazu unter einem Zaun durchzwängen. Dieser Hund ist absolut tough! Vor Jahren, als sie noch ein Welpe war, wurde sie von einem BMW überrollt, mit Vorder- und Hinterreifen. Etliche Knochen wurden dabei gebrochen und ich musste sie wochenlang durch die Gegend Tragen. Danach erholte sie sich, als wär nix gewesen!

    Als Auftakt zu all dem gab es schon vor Wochen ein Ereignis, das ich jetzt im Nachhinein als schlechtes Omen werte. An einem Sonntag war ich mit dem Rudel (5 Hunde) unterwegs. Es ging drei Stunden lang über Felder, Wiesen und Wald durch die Countryside. Tiwa, ein Pitbull, ist kein Katzenfreund. Auf dem Rückweg noch im Wald, nimmt sie plötzlich eine Spur auf und rennt hinter eine Mauer. Als sie anfängt zu jaulen, folgen ihr alle anderen Koeter und ich renne hinterher. Ich blicke über die Mauer und sehe ein Bild, das mich noch lange verfolgen wird: Tiwa hat eine Katze erwischt und Mika (der andere Pitbull) macht munter mit. Beide reißen an dem armen Vieh als gäbe es nix anderes auf der Welt! Ich springe schreiend über die Mauer und sie lassen auch sofort los. Doch es ist bereits zu spät: das Rückgrat der Katze ist gebrochen! Sie lebt zwar noch, liegt aber verrenkt und zuckend auf dem Waldboden. Es ist keine Wildkatze, sondern ein wunderschön gepflegtes Haustier, das zur falschen Zeit am falschen Ort war. Ich lasse sie einfach liegen und gehe mit Tränen in den Augen weiter. Später mache ich mir Vorwürfe deswegen, doch ich konnte es einfach nicht über mich bringen sie von ihrem Elend zu erlösen.

    Wochen später, kehre ich an den Ort zurück aber natürlich fehlt von der Katze jede Spur.

  3. Geschichten, die das Leben schreibt # 3
    irish traveller
    The worst case scenario (23. Mai 2012)

    Der Super GAU ist eingetreten. Etwas, wovor ich mich gerade hier in Irland schon immer gefuerchtet habe. Ein Alptraum!

    Meine komplettes Live-Equipment und zwei meiner Gitarren wurden gestohlen.

    Das Ganze hat einen Wert von €12.000. Vom Sentimentalwert ganz zu schweigen. Alles, wofuer ich mir in den letzten Jahren den Arsch aufgerissen und investiert habe ist Geschichte. Es wurde nicht etwa aus unserem Haus geklaut, sondern aus dem Pub, wo ich es habe stehen lassen: der Merchant Bar. Die Bar wurde schon vor Wochen geschlossen und ich versuchte seitdem mein Zeug dort rauszuholen. Erfolglos. Gestern konnte ich mir endlich Zutritt verschaffen. Von der Anlage keine Spur, so als waere sie niemals dort drin gewesen. Die Umstaende, die dazu fuehrten sind mir schon bekannt. Verantwortlich ist der Besitzer. Ich werde morgen zum Anwalt gehen und spaeter genaueres berichten.

  4. Geschichten, die das Leben schreibt # 4
    irish traveller
    The rise and fall of the Merchant Bar (31. Mai 2012)

    Der Mann, der mein Equipment geklaut hat heist John G. Er ist ein erfolgreicher Bauunternehmer, Multimillionaer und wohnt auf einem grossen Anwesen. Ihm gehoeren u.a. das Kino, die Bar, das Casino und die Wohnungen in der Parnell Street. Er ist einer der einflussreichsten Leute in unserer Stadt, wenn nicht sogar in ganz Irland. Man sagt, dass wenn man vor seinem Anwesen steht und sich einmal im Kreis dreht, alles Land ihm gehoert soweit das Auge reicht.

    Jetzt wird sich vielleicht der eine oder andere fragen, was will denn so jemand mit meinem Equipment?

    Doch erstmal der Reihe nach. Viele irische Millionaere sind nicht etwa dadurch reich geworden, weil sie sich wie Samariter verhalten, sondern weil sie ihre eigenen Leute gnadenlos ueber den Tisch ziehen. Gerade im Baugewerbe ist das oft der Fall und John G. ist das Vorzeigemodell.

    Als Mark F. letztes Jahr die Merchant Bar uebernahm, sah zunaechst alles gut aus. Der Makler versprach ihm ein gutes Geschaeft. Schliesslich liegt die Bar zentral in einer Fussgaengerzone, direkt neben dem Kino. Bei einer Monatsmiete von nur €2.000 konnte eigentlich nichts schiefgehen. Doch erstmal musste das Ding renoviert werden. Bevor Mark seinen erstes Pint ausschenkte investierte er €80.000 in die Einrichtung. Er bezahlte €7.000 Monatsmiete im voraus. Das Geschaeft fing gut an. Die Bar war brechend voll ... mit Travellern. Die Jungs soffen als gaebe es kein Morgen und gaben dafuer ein Vermoegen aus.

    "Die kamen rein, knallten das Geld auf den Tresen und orderten Vodka. Nicht ein Glas oder eine Flasche, sondern gleich den ganzen Vorrat. Alles, was da war!" sagte Mark.

    Die Umsaetze waren traumhaft. Eigentlich war alles in Ordnung bis auf die Tatsache, dass es eben Traveller waren. Auf lange Sicht haetten sich dadurch nur Probleme ergeben. Man stelle sich eine Kneipe vor, brechend voll mit taetovierten und durchgeknallten Neandertalern alle mit Buerstenhaarschnitt! Erinnert mich an die Zeit als die Amis noch in Deutschland waren und am Wochenende auf der Lamboystrasse in Hanau der Ausnahmezustand herrschte. Nur dass hier die MP (Millitary Police) leider nicht zur Stelle war und ein Grund warum andere Leute die Merchant Bar mieden wie die Pest. Als Mark sich verwundert darueber erkundigte meinte der Makler, ja, die Bar waere schon laenger ein beliebter Traveller Treff gewesen und er solle doch zusehen, dass er sie los wird. Schliesslich waeren sie schlecht fuer's Geschaeft und das persoenliche Ansehen John G's.

    "Einmal kam ich extra spaeter, weil ich hoffte die waeren dann woanders hingegangen. Draussen weit und breit kein Mensch. Ich hatte gerade das Licht angemacht als ploetzlich wie aus dem nichts dreissig Traveller im Raum standen!" meinte Mark.

    Es stellte sich also die Frage, wie kriegt man die wieder los?

    Die Loesung des Problems kam in Person von Luan, einem Kossovo-Albaner, der als Bouncer (Rausschmeisser) arbeitet. Empty Pockets ist eine Bar in unserer Stadt, die von der Kossovo-Community betrieben wird. Dort findet man ebenfalls jede Menge Traveller. Nach einigen Schlaegereien in der Merchant Bar schaffte es Luan die Traveller rauszukriegen. Er stellte sie einfach vor die Wahl: entweder sie verpissten sich oder sie durften demnaechst auch nicht mehr zu Empty Pockets. Kurze Zeit spaeter war das Problem geloest. Luan arbeitete von nun an als Bouncer im Merchant. Doch das Kind war schon in den Brunnen gefallen. Die Merchant Bar hatte das Stigma und bekam es nicht mehr los.

    Ich liebte diese Bar von Anfang an. Sie hatte eine sehr gute Akustik, war liebevoll eingerichtet und ich fuehlte mich dort pudelwohl. Etwas, das ich nicht von vielen Pubs in denen ich bis dahin gespielt hatte behaupten koennen. Sie hatte das Potential eine richtig gute Musik-Bar zu werden und genau das war unser Ziel.

    Als ich Mark das erste Mal traf, spielte ich schon fast zwei Jahre in keinem Pub mehr. Hatte nicht nur was damit zu tun, dass ich kein Auto mehr besass und die Pubs generell nicht mehr gut liefen. Ich war's einfach leid fuer Besoffene zu spielen. Das sagte ich, doch Mark liess nicht locker und letztendlich ueberredete er mich. Es muss irgendwann Anfang Februar 2012 gewesen sein als ich dort das erste Mal auftrat. Obwohl ueberhaupt nix los war konnte ich zwei, drei Mal die Woche fuer €50 am Abend spielen. Wie gesagt, ich mochte die Bar. Mark war mein groesster Fan. Was ich machte gefiehl ihm. Er half mir beim Auf- und Abbau, holte mich zuhause ab und fuhr mich spaeter wieder heim. Er war einer der angenehmsten Geschaeftspartner, die ich je getroffen habe und als er mir versicherte, dass mein Equipment in der Bar sicher aufgehoben waere, liess ich es einfach voll aufgebaut stehen. Es war ein geiles Gefuehl einfach reinzuspazieren und loszulegen.

    Das einzige Mal, dass ich mein Zeug habe stehen lassen war damals in Cloghane, wo ich ueber dem Pub schlief, am naechsten Morgen abbaute und wieder nach Hause fuhr. Es gibt eine goldene Regel: lass dein Equipment auf keinen Fall in der Bar stehen! Murphys Law besagt, wenn schlechtes passieren kann, passiert sie auch frueher oder spaeter. Die irische Variante davon waere: shite ist hier an der Tagesordnung. Obwohl mir das sehr wohl bewusst war, ging ich das Risiko ein.

    Als Mark erzaehlte, er haette eine jaehrliche Wasserrechnung von ueber €24.000 und eine zweimonatige Stromrechnung von €3.000, die er nicht bezahlen wollte, klingelten bei mir immer noch keine Alarmglocken. Stattdessen machte er John G. ein Kaufangebot: €800.000 fuer die Bar, das Casino, Kino und die Appartements. An Paddys Weekend hatten wir zwei Bands in der Bar: mich und noch eine Combo aus Limerick. Es waren ung. 50 Leute da. Nicht die Welt aber wir hatten das Gefuehl, es geht langsam aufwaerts. Mark kommt aus Tipperary und arbeitet in Dublin. Er war es langsam muede staendig hin und her zu fahren und fragte mich deshalb, ob ich nicht Lust haette die Bar zu uebernehmen. Ich lehnte ab. Stattdessen einigten wir uns darauf innerhalb der Bar ein Cafe aufzumachen. Ella sollte das Cafe fuehren und freute sich schon darauf. Alles sah gut aus. Bis zur ersten Aprilwoche. Dann machte Mark fuer drei Wochen dicht. Seine zwei Jahre alte Tochter lag mit akuter Meningitis im Krankenhaus und waere fast gestorben.

    Als er wiederkam war das Schloss ausgewechselt und er konnte nicht rein. Jetzt denke ich, dass mein Equipment schon da bereits lange verschwunden war. Als Mark John G. anrief, sagte ihm dieser er solle sich verpissen und das Equipment waere schon laengst verkauft. Denn Mark hatte fuer die letzten drei Wochen keine Miete bezahlt! Ohne schriftliche Abmahnung oder Kuendigung wurde Mark aus dem Pub geworfen. Mein Zeug wurde eingesammelt und verkauft. Jetzt hat dort bereits ein neuer Pub aufgemacht. Die Einrichtung ist die gleiche, nur der Name und der aeussere Anstrich wurden geaendert. Das Ding heisst jetzt Bar Code.

    Die Story ist noch nicht zu ende. Doch sie zeigt wie es um die heutige Geschaeftsmoral und Pubs in Irlad bestellt ist. Was die Traveller angeht: haette man sie doch bloss drinbehalten!

    Fortsetzung folgt ...

  5. Geschichten, die das Leben schreibt # 5
    irish traveller
    Lost and found - Die Story ueber mein geklautes Equipment (11.November 2012)

    Es ist 1.30 Uhr Montag Nacht als ploetzlich mein Handy klingelt. Noch im Halbschlaf schaue ich auf's Display und sehe Phils Namen. Kaum sage ich "Hallo?!" als er sich auch schon total euphorisch meldet: "Hast du eine Flasche Sekt zuhause?" "Nein aber einen Liter Milch. Was'n los?" antworte ich. "Ich hab dein Equipment!" meint er. Am naechsten Tag bringt er mir meine Anlage mit allem drum und dran.

    Am 23. Mai habe ich davon berichtet, dass meine Anlage gestohlen wurde. Seitdem habe ich alles versucht sie wieder zu bekommen bzw. eine finazielle Entschaedigung zu erhalten. In den letzten sechs Monaten gab es Hoehen und Tiefen, Hoffnungen basierend auf Versprechungen, alle moeglichen Theorien und Spekulationen darueber ueber das wie, wann, wo und vor allem wer. Obwohl von Anfang an klar war, wer mein Zeug geklaut hatte, gab es keine stichhaltigen Beweise. Ich hatte schlaflose Naechte, Stimmungsschwankungen, war oft total deprimiert, verzweifelt, sauer. Irgendwann gab ich die Hoffnung auf, meine teure Anlage jemals wieder zu sehen. Ich fand mich damit ab und wollte nur noch die Entschaedigung: €12.000. Haetten wir dieses Geld bekommen, waeren wir sofort nach Deutschland zurueck. Wir schmiedeten schon Plaene. Doch dann kam alles anders. Eines kann ich jetzt mit Sicherheit sagen: Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt!

    John G.
    Der reiche Bauunternehmer und Inhaber der Merchant Bar, hatte sich meine Anlage unter den Nagel gerissen, weil sie zufaellig da rumstand als er gerade im Begriff war Mark F. die Bar weg zu nehmen. Niemand hatte damit gerechnet, am allerwenigsten ich. Die Bar fing langsam an gut zu laufen und Mark ueberlegte ein Cafe zu integrieren. John G. beobachete schon seit Monaten und wartete nur den richtigen Zeitpunkt ab zuzuschlagen. Hinterher hiess es, Mark haette keine Miete und Umlagen bezahlt. Nur: Wenn die Kosten fuer Wasserrechnung €24.000 (halbes Jahr) und die Stromrechnung €3.000 (zwei Monate) betragen, haette so mancher nicht gezahlt.
    Als die Bar drei Wochen lang geschlossen wurde, weil Mark sich um seine kranke Tochter kuemmern musste, kam fuer John G. der richtige Zeitpunkt. Er wechselte das Schloss aus und innerhalb weniger Wochen war jemand anders drin. Mein Equipment war bis dahin schon lange verschwunden.

    Mark F.
    Mark war am Boden zerstoert. Vor allem auch weil mein Zeug weg war. Er machte mir sofort ein Angebot finanzieller Entschaedigung. Ich verlangte €12.000 und er versprach das Geld innerhalb drei Wochen aufzutreiben. Doch daraus wurde natuerlich nix. Nicht weil er heisse Luft produzierte, sondern weil es ihm einfach nicht gelingen konnte in Zeiten der Rezession soviel Geld aufzutreiben. Er legte mir genau dar wie er das Geld besorgen wollte, doch wie gesagt ... Dabei verlor er selbst ein kleines Vermoegen. Was ich nie verstehen konnte war, dass Mark niemals in Erwaegung zog John G. vor Gericht zu bringen. Erst viel spaeter wurde mir klar warum. So funktionert das nicht in Irland.

    Die Polizei

    Natuerlich ging ich sofort zur Garda. Zufaellig traf ich dort Michael G., ein hohes Tier und ehemaliger Nachbar. Ich erzaehlte ihm was passierte und er rief auch sofort persoenlich bei John G. an. Die Handynummer hatte ich ja und nachdem ich selbst schon zwei mal versucht hatte mit ihm zu reden und abgewimmelt wurde, war jetzt der Chief Inspector an der Reihe. Doch auch er hatte wenig Erfolg. John G. meinte nur "Da war kein Equipment." Ich sagte daraufhin, dass er mein Zeug geklaut hatte weil Mark seine Rechnungen nicht bezahlte, doch Michael G. wiegelte ab: ich wuerde die Sache nur unnoetig komplizieren und sollte mich an Mark F. halten. Also erstattete ich Anzeige ... gegen John G. Dafuer stand ich ueber eine Stunde lang in der kleinen Halle der Garda-Station am Schalter, waehrend eine nette aber gelangweilte Polizistin per Hand drei DIN A4-Seiten vollschrieb. Ich gab auch die Handynummern von JohnG. und Mark F. zu Protokoll.

    Auf dem Weg nach Hause rief Ella an und meinte, sie stuende gerade vor der Merchant Bar und haette gesehen, wie jemand dort sauber machte. Also ging ich schnell hin und haemmerte gegen die Tuer. Ein junger Typ machte auf und ich ging ohne Worte an ihm vorbei in die Bar. Mein Zeug war weg, verschwunden, als waere es nie dort drin gewesen oder haette sich einfach in Luft aufgeloest. Keine Spur, noch nicht mal in den Lagerraeumen. Ich schaute sogar im Kuehlraum nach.
    Zwei Wochen spaeter bekam ich einen Anruf von der Garda-Station. Ich dachte schon "Das ging aber schnell!". Doch ich freute mich zu frueh. Die gelangweilte Polizistin wollte nur nachfragen, ob es irgendwelche Fortschritte gegeben haette. Ich erwiderte verdutzt: "Nein. Beich euch?" Nein, meinte sie und sie braeuchte nochmal die Handynummern und ob ich wollte, dass die Untersuchung fortgefuehrt wird, fragte sie. Da wurde mir klar, dass ich auf die Garda nicht zaehlen konnte.
    Ich bin nicht der Einzige dem es so ging. Als vor ung. vier Jahren Phils Equipment geklaut wurde, machte die Garda auch nix. Die sind einfach zu nichts zu gebrauchen oder wie man hier so schoen sagt: The are feckin' useless! Ich habe nie wieder was von denen gehoert. Dabei fiel mir der Film The Guard ein. Der Streifen spiegelt ziemlich genau das wieder, was im heutigen Irland polizeimaessig abgeht. Soviel dazu ...

    Citizen Vice Bureau
    Danach ging ich zum Citizen Vice Bureau, einer kostenfreien Beratungsstelle fuer Buerger. Ich dachte, vielleicht wissen die wie ich am besten vorgehen sollte. Nun, das Gespraech mit der netten Dame dauerte ung. 15 Minuten. Die meiste Zeit hielt ich einen Monolog darueber, was vorgefallen war. Die Beratung dauerte ung. 5 Minuten. Ein Satz blieb haengen: "Go after your man (Mark F.) and don't touch John G.!" Auf Deutsch: Halte dich an Mark F. und lass John G. in Ruhe! Langsam bekam ich das Gefuehl, dass ich mit meinem Problem ziemlich alleine da stand oder anders ausgedrueckt: weit und breit kein Land in Sicht! Uebrigens: die nette Dame konnte kaum erwarten, dass ich wieder aus ihrem Buero verschwand. Sie hielt mir schon die Tuer auf waehrend ich noch sass!

    Radio
    Also ging ich zum oertlichen Radiosender. Die Oeffentlichkeit sollte erfahren was vorgefallen war. Vielleicht wuerden die mir helfen. Ich redete dort mit einer Sprecherin des Senders. Als ich den Namen John G. erwaehnte, lehnte sie sofort ab. Sorry, sagte sie, der Sender koennte sich keine Klage leisten. Mit einem mitleidigem Blick versicherte sie mir jedoch, dass sie mit ihrem Vorgesetzten darueber reden wollte und mich auf jeden Fall zurueckrufen wuerde. Meine Handynummer hatte sie sich ja notiert. Natuerlich bekam ich keinen Anruf und als ich sie Wochen spaeter in der lane traf, entschuldigte sie sich aber sie haette meine Nummer verloren.

    Ist es nicht erstaunlich, wie oft die Leute hier Telefonnummern verlieren?

    Der Rechtsanwalt
    You need a good solicitor - bekam ich von fast jedem zu hoeren. Doch ein Anwalt kostet Geld, ein guter erst Recht! Gluecklicherweise fand ich einen, den ich von der lane her kannte: John Casey kam frueher in das Cafe gegenueber und sass immer draussen eine Zigarette rauchend. So lernten wir uns schon vor Jahren kennen, wobei ich nicht wusste, dass er Anwalt war. Irgendwann kam er nicht mehr, weil er das Rauchen aufgegeben hatte. John erklaerte sich bereit die Sache anzugehen. Kostenlos! Im Verlauf von einigen Wochen schrieb er insgesammt sechs Briefe, jeweils drei an John G. und Mark F.. Die Hoffnung, dass sich dadurch endlich was tun wuerde blieb jdoch aussichtslos. Wir bekamen nie eine Antwort. In Irland gibt es keine Wohnmeldepflicht. John G's. Adresse war bekannt, Mark F. dagegen nicht. Irgendwann fand sich eine Anschrift: Sallybanks, Ardnacrusha, Clare. Als Ella danach googelte fand sie ein unbebautes Grundstueck, das zum Verkauf angeboten wurde. Die an Mark F. gerichteten Briefe gingen also auf eine gruene Wiese! Spaeter erzaehlte Mark, das waere eine alte Familienadresse, wobei er mir nie seine richtige mitteilte und ich ihn auch nie danach fragte. Er lebt angeblich irgendwo in Tipperary. Ich hatte das Gefuehl, dass er seine richtige Adresse nicht rausruecken wollte und beliess es dabei. Bei seinem letzten Besuch zeigte ich ihm die Kopie des dritten Briefes, der per Einschreiben an ihn gesendet wurde. Er zuckte nur mit den Schultern.

    Ich hatte insgesammt drei Termine bei John. Im zweiten Gespraech sagte er, dass wir beide verklagen muessten, John G. und Mark F. Das Problem war jedoch die Finanziereung. Ich haette erstmal in Vorkasse treten muessen, um vor Gericht zu gehen. John meinte, er wuerde auf sein Geld warten, der Barrister (eine Art Staatsanwalt) jedoch nicht, €300 muesste ich schon aufbringen. Dann waere da noch ein Kleinigkeit: sollte ich den Prozess verlieren, blieben alle Kosten an mir haengen. Schliesslich muessten wir beweisen, wer meine Equipment geklaut hatte und warum. Hat denn Mark F. ueberhaupt Geld, fragte John? Mir blieben nur zwei Moeglichkeiten: entweder ich trieb das Geld auf und zog mit vollem Risiko vor Gericht oder ich liess es einfach bleiben. Der Spruch "Man bekommt nur dann sein Recht, wenn man Geld hat" schien sich in meinem Fall zu bestaetigen und ich hatte das Gefuehl, als waere ich in einem schlechten Film gelandet!

    Irgendwann hatte ich auch das Gefuehl, dass mir John Casey die Sache ausreden wollte und ueberlegte mir schon, ob ich mich nicht nach einem anderen Anwalt umsehen sollte. Doch welcher Anwalt wuerde sich der Sache annehmen ohne was dafuer zu verlangen? John war der Einzige, den ich bis dahin kannte, der sich dazu bereit war. Obwohl nichts daraus wurde, gebuehrt ihm mein Dank.

    Die Justiz
    Ich war noch nie vor Gericht in Irland. Kann also nur das wiedergeben, was ich von anderen darueber gehoert habe. Ein normaler Zivilprozess in Irland ist wie eine Theatervorfuehrung: alle Beteiligten sitzen im Gerichtssaal und bekommen jedes Wort mit. Na und, werden jetzt einige sagen, ist in Deutschland nicht anders. Stimmt. Nur dass in einem irischen Zivilprozess mehrere Klagen im Ad-hoc-Verfahren behandelt werden, d.h. an einem Tag werden mehrere Klagen zur gleichen Zeit in einem Saal abgehandelt. Gerade hier, in unserer Stadt mit ung. 20.000 Einwohnern, trifft man Freunde und Bekannte bei Gericht. Jeder besondere Fall ist talk of the town, spricht sich rum. Iren scheuen deshalb das Gericht wie der Teufel das Weihwasser, klagen oder werden nur dann verklagt, wenn es nicht anders geht.
    Ausserdem kommt es darauf an welchen Richter man an diesem Tag bekommt. Ich habe schon etliche Stories darueber gehoert. Es gibt hier einen Richter (den Namen hab ich vergessen), den sollte man in ein Loch sperren und den Schluessel wegschmeissen! Dieser Typ hat schon etliche Unschuldige verurteilt, weil sie ihm nicht gefielen, er einen schlechten Tag hatte oder einfach nur weil er ein Riesen**** ist. Ein Bekannter hat mal bei einem solchen Verfahren eine halbvolle Coladose nach ihm geworfen und musste deshalb €200 Strafe zahlen!

    Irische Zivilprozesse haben hohen Unterhaltungswert. Ich bin auf jeden Fall froh, dass es in meinem Fall nicht dazu kommen musste.

    Die Leute
    Dieser Abschnitt ist richtig lustig und zeigt, wie die irische Psyche wirklich funktioniert. Ich habe jedem, der es hoeren wollte erzaehlt, was passiert war. Alle waren geschockt oder haben zumindest so getan als ob. Ich bekam die interessantesten Ratschlaege:

    Einer meinte er wuerde jeden Tag bei John G. anrufen, vor dessen Haustuer stehen, ihm so lange auf den Sack gehen bis dieser entweder das Equipment oder das Geld dafuer rausruecken wuerde. Sollte das alles nichts bringen, wuerde er zuerst sein Auto und danach das Haus anzuenden. Dann kaeme er zwar in den Knast, waere ihm aber egal. Wieder aus dem Knast wuerde er das Ganze solange wiederholen, bis die Sache geloest sei. "You have to break his heart" meinte er.

    Ein Anderer sagte ich solle John G. einen netten Brief schreiben, denn er waere bestimmt kein schlechter Mensch.

    Und wiederum ein Anderer riet mir mich mit dem Schuldeneintreiber Martin "The Viper" Foley in Verbindung zu setzen.

    Ein Deutscher meinte, ich solle mir nur vorstellen wie mein Equipment wieder zuhause waere und dann wuerde das auch klappen. Lustigerweise war genau das der Fall!

    Grosse Hoffnungen hatte ich jedoch bei zwei Leuten: Nicolas (den Nachnamen habe ich vergessen) und Brian M. Nicolas ist musikalischer Leiter des oertlichen Jugendzentrums und arbeit in der Franziskanerkirche. Brian ist Councillor und bekannter Gruenen-Politiker. Beide kennen John G. gut. Brian ist nach eigener Aussage mit in John G'S Familie aufgewachsen, da sie Nachbarn waren. Beide versprachen, sie wuerden sich darum kuemmern. Raus kam dabei nichts.
    Auch bei allen anderen Leuten kam nichts raus, d.h. keine konkrete Hilfe oder irgendwelche Hinweise. Nichts. Ich wurde zwar immerwieder gefragt, ob sich was getan haette aber das war's auch schon. Irgendwann hatte ich auch garkeiene Lust mehr darueber zu reden, denn eines wurde mir klar: jeder wollte alles wissen, weil sie Menschen einfach neugierig sind, was zum tratschen brauchen aber helfen tut dir keiner, weil keiner involviert sein moechte. Das ist kein Witz und ich werde am Schluss nochmal naeher darauf eingehen. Das Wichtigste in Irland sind gute Freunde und Vitamin B. Alles andere ist nur bla-bla.

    So gingen sechs Monate ins Land, ohne irgendeinen Fortschritt. Zwischenzeitlich bekam ich immer mal Kurznachrichten von Mark F., der mir versicherte er haette bald das Geld. Irgendwie beruhigend aber in Wirklichkeit kam auch dabei nix raus. Irgendwann meldete er sich uebrehaupt nicht mehr. Das war zur gleichen Zeit als ich zum Anwalt ging. Ich schrieb ihm ein paar boese Text-Nachrichten, drohte mit Gericht etc. Eines Tages rief er an und fragte, ob er nicht vorbeikommen koennte. Er haette zwar immer noch kein Geld, wollte aber mit mir reden. Und da sassen wir auch schon zum X-Mal in unserer Kueche: Mark, sein Bruder Andrew, Ella und ich. Mark erzaehlte von seinen aussichtslosen Bemuehungen das Geld aufzutreiben. Er bekam keinen Kredit bei der Bank und von jemand anderem konnte er sich auch kein Geld leihen. Er bot mir an es abzuzahlen. Ich hatte die Schnauze voll von seinen Versprechungen und lehnte ab. Spaetestens da wurde mir bewusst, dass das schlimmste Scenario eingetreten ist: ich wuerde weder meine Anlage wiedersehen, noch das Geld dafuer erstattet bekommen. Ich fühlte mich absolut hilflos. Doch um ganz ehrlich zu sein: ich hatte nie wirklich daran geglaubt, dass ich das Geld bekommen wuerde. Die Vorstellung, dass Mark uns eines Tages €12.000 auf den Kuechentisch legt, war einfach nur absurd!

    Und dann kam mir die Idee mit dem YouTube-Clip. Eigentlich wollte ich das von Anfang machen und haette ich es gemacht, waere mir viel Aerger erspart geblieben und ich haette ein paar graue Haare weniger. Doch Mark bat mich es nicht zu tun, schliesslich wuerde er das Geld bald auftreiben. Jetzt war die Zeit jedoch reif. Ich hatte die Schnauze entgueltig voll und postete einen sechs-Minuten-Clip bei YouTube am Halloween-Mittwoch-Abend. Darin erklaerte ich den Sachverhalt und erwaehnte dabei auch die Namen der Protagonisten. Ich beschuldigte niemanden, sondern gab lediglich Fakten zu Protokoll. Man soll jetzt nicht denken, dass mir daraufhin die Tuer eingerannt wurde. Das nicht. Aber ich hatte innerhalb von zwei Tagen 200 clicks. Ausserdem kamen Leute in die lane und erzaehlten, sie haetten den Clip gesehen. Ich e-mailte den Link fuer den Clip an Zeitungsredaktionen und der Joe Duffy-Show bei RTÉ.ie Radio1.

    Eine Woche spaeter hatte ich mein Equipment wieder!

    Phil hatte einen Job irgendwo und fuhr spaet abends nach Hause. Als er am Pub vorbeifuhr dachte er, ein Pint waere nicht schlecht und hielt an. Dort traf er Enda, den Sohn von John G. Phil erzählte mir, dass er Enda schon laenger kannte aber nicht gewusst hätte, dass dieser der Sohn von John G. sei. Und waehrend die beiden so an der Bar sassen meinte Enda, er haette da Musikequipment bei sich im Schuppen stehen und ob Phil nicht mal einen Blick darauf werfen wollte. Als Phil nachfragte was fuer ein Equipment und woher, meinte Enda es waeren Sachen, die sein Vater von einem Typ konfiszierte hatte, der die Pubmiete nicht bezahlte. Als dann auch noch rauskam welcher Pub, war alles klar. Phil erzaehlte von mir, dass es mein Equipment sei und ich mit der ganzen Sache nichts zu tun haette. Daraufhin meinte Enda, dann ist ja alles ok und ich koennte mein Equipment wiederhaben.

    Am naechsten Tag brachte Phil meine Anlage zu uns nach Hause. Alles war vorhanden und funktionierte. Die Anlage stand sechs Monate lang im Geraeteschuppen neben Endas Haus. Dort sei es zwar kalt aber trocken, meinte Phil.

    Und jetzt kommt der Hit: Phil hatte den Clip nicht gesehen. Er glaubt auch nicht, dass die G's ihn gesehen haetten. Vielmehr glaubt er, dass das Ganze ein Zufall war. Haetten die Galvins den Clip gesehen, waere meine Anlage nie wieder aufgetaucht. Vielmehr glaubt er, dass sie mir den beruehmten Stingefinger gezeigt haetten und die Anlage irgendwo auf dem Muell gelandet waere. Als ich ihm sagte, dass ich John G. jetzt bei den Eiern haette und ihn endlich verklagen koennte, schaute er mich nur unglaeubig an: Ich sollte doch froh sein mein Zeug endlich wieder zu haben! Er wuerde auf keinen Fall gegen G. vor Gericht aussagen. Schliesslich ist der Ort wo G. lebt nur eine kleine Community und er (Phil) waere da hinzugezogen. Er wollte es sich nicht mit den Leuten dort verscherzen. Und ueberhaupt will er garnicht erwaehnt werden. Man kennt das unter dem Motto I don't want to be involved! Fragt sich nur was passiert waere, wenn Enda das Equipment nicht rausgerueckt haette?

    Ich galube an keinen Zufall. Natuerlich haben die G's den Clip gesehen und kalte Fuesse bekommen. Fuer solche Leute gibt es fast nichts schlimmeres als schlechte Publicity. Den örtlichen Radiosender haetten sie vielleicht verklagt, bei Google sieht die Sache schon anders aus. Gott segne das Internet, kann ich da nur sagen.

    Abschliessend kann ich nur folgendes sagen: die Behoerden, die Polizei und die Reichen hier stecken alle unter einer Decke. Sie sind korrupt, luegen und vertuschen. Diesbezueglich hat sich nie was geaendert und wird es auch nicht. Jetzt, in Zeiten der Rezession ist es sogar noch schlimmer geworden. Ich habe gestern in der lane den Police Chief Inspector wiedergesehen und erzaehlte ihm davon, wo meine Anlage gefunden wurde. Er entschuldigte sich dafuer und sagte, dass er nichts haette beweisen koennen und wuenschte mir einen guten Tag.

    Kleiner Nachtrag: Wer ist Phil? Phil ist ein langjaehriger Freund, der 18 Jahre lang ein Musikgeschaeft im Ort hatte und vor kurzem zu machen musste. Wir haben zusammen in einer Band gespielt und sind heute noch Freunde. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Eins der wichtigsten Dinge in Irland sind gute Freunde.

  6. Geschichten, die das Leben schreibt # 6
    ShannonS
    ...da isser wieder nach all den Jahren....
    Das Forum lässt dich einfach nicht los, was?
    Wenn ich richtig liege hast du in Ennis gelebt?

  7. Geschichten, die das Leben schreibt # 7
    Marnie
    Zitat Zitat von ShannonS Beitrag anzeigen
    ...da isser wieder nach all den Jahren....
    Das Forum lässt dich einfach nicht los, was?
    Wenn ich richtig liege hast du in Ennis gelebt?
    Ja ich hatte denselben Gedanken....

  8. Geschichten, die das Leben schreibt # 8
    irish traveller
    Steven's Day und der Tag danach (28. Dezember 2009)

    Samstag war Steven's Day, ein irischer Feiertag, wo man die Gelegenheit nutzt, um sich richtig die Kante zu geben. So kurz nach Heiligabend, daheim mit Familie, laesst man am Steven's Day die Sau raus. Ich fuhr also zu meinem Gig nach Bunratty, mit der Erwartung dort den Saustall vorzufinden. Doch siehe da: es war dead trousers! Ueberhaupt nix los, weder in J.P.Clarks noch in ganz Bunratty! Vielleicht hing es auch mit dem Wetter zusammen. Am Vorabend und am naechsten Morgen war es so glatt, dass die Leute einfach Angst hatten in's Auto zu steigen.

    Ich hing also eine halbe Stunde dort rum mit der Hoffnung, dass die Bude vielleicht doch noch voll wird und fuhr dann wieder nach Hause.

    In Ennis dagegen gab's das Uebliche: Schlaegereien und Messerstecherei mit einem Toten. In Enzo's Imbiss versuchten zwei besoffene Schlampen sich gegenseitig die Augen auszukratzen.

    Am Sonntag Abend war ich dann in der Cloister Bar, wo meist nur junge Kundschaft vertreten ist. Nachdem ich ungefaehr eine halbe Stunde akustisch spielte, griff ich dann zur Stromgitarre und dudelte zu Backingtracks: Highway To Hell, Stairway To Heaven, Hotel California etc. Die Leute waren zufrieden, ich nur bedingt: der Sound dort ist ziemlich bescheiden.

    Beim Abraeumen passierte mal was erfreuliches: einer der Bouncer half mir beim Einladen! Es geschehen noch Wunder ...

  9. Geschichten, die das Leben schreibt # 9
    irish traveller
    Irish Pubs (Januar 2010)

    Es gibt den drinking Pub, music Pub mit trad- und/oder moderner Musik, lokal Pub, tourist Pub und den Restaurant-Pub. Alle Pubs haben eines gemeinsam: in allererster Linie geht man dorthin um sich zu besaufen.

    An Wochenenden koennte die Prioritatetenliste eines unverheirateten Durchschnittsiren im Alter zwischen 18 bis 30 im Pub auch folgendermassen aussehen:

    1. Saufen
    2. Sich darstellen
    3. Saufen
    4. Jemanden kennenlernen
    5. Saufen
    6. Komunikation
    7. Saufen
    8. Anbaggern
    9. Noch mehr saufen
    10. Sich feiern
    11. Noch viel mehr saufen

    Frauen tragen Kostueme, die mehr zeigen als dass sie verbergen und high-heels, in denen sie kaum laufen koennen. Maenner tragen koerperbetonte Hemden, Jeans und Turnschuhe. Bevor man in den Pub geht wird schon mal getankt, damit man locker ist und spaeter nicht mehr soviel ausgeben muss.

    Ein typisches Szenario zwischen Mann und Frau sieht so aus: man lernt sich in einem Pub kennen, betrinkt sich, geht in's Hotel, verbringt eine Nacht zusammen. Man verabredet sich fuer's naechste WE und macht genau das Gleiche. Irgendwann wird sie schwanger, es wird geheiratet, eine Mortgage aufgenommen. Nach ungefaehr einem Jahr lernt man sich erst richtig kennen und stellt fest, dass man garnicht zusammenpasst. In der Zwischenzeit ist vielleicht schon das zweite Kind unterwegs, das Haus ist endlich eingerichtet, er hat ein Auto, sie auch. Trennung oder gar Scheidung sind kein Thema. So geht's immer weiter.

    "Ist in Deutschland genauso!" koennte man jetzt sagen.

    Ja, ausser dass dort die Scheidungs- und Abtreibungsrate sehr viel hoeher ist. Ausserdem wird nicht so einfach geheiratet. Mann baggert Frau an, um sie in's Bett zu kriegen und nicht um sie zu heiraten. Und vor allem: es wird auf keinem Fall soviel gesoffen!

    Also ist es doch nicht so wie in Deutschland (hahaha)!

    Bei alldem spielt die Musik bzw. live-Musik eine relativ untergeordnete Rolle.

    Jetzt wird der eingefleischte Irlandkenner aufschreien: "Ist doch ueberhaupt nicht wahr, es wird immer noch live-Musik in den Pubs gespielt und die Leute wollen das!"

    Das stimmt, nur was die Leute wollen und was der Musiker will sind manchmal zwei voellig unterschiedliche paar Schuhe. Ich kenne einige Musiker, die vollkommen happy damit sind, jedes WE im gleichen Pub zu spielen, immerwieder die gleiche Nummer. Ich kenne aber auch welche, die haben ganz damit aufgehoert. Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen ist, dass die erstere Musik nur des Geldes wegen spielt, waehrend die zweite die Musik progressiver betreibt, versucht sich zu verbessern und voranzukommen. Das Problem der zweiten Gruppe ist, dass es eben sogut wie niemanden interessiert!

    Dann gibt es noch eine dritte Gruppe, die relativ selten zu finden ist: die Profis! Das sind diejenigen, die Musik ernsthaft betreiben und damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Hier findet ein staendiger Balanceakt statt zwischen Pflicht und Kuer, also zwischen dem was man nicht so gerne spielt und dem was man liebt.

    Ich will nicht darueber urteilen welche von den drei Gruppen die besseren Musiker sind oder was generell besser ist ... jeder hat das fuer sich selbst zu entscheiden. Wenn ich Strassenmusik mache, weil ich der Meinung bin es waere das Gelbe vom Ei, so ist das meine Sache. Deshalb bin ich nicht besser oder schlechter. Fuer jemand anderen ist das vielleicht der Alptraum, fuer mich schon seit 25 Jahren Alltag!

    An anderer Stelle habe ich schon mal beschrieben wie so ein Gig in einem Pub aussieht:

    In der Regel finden die Auftritte an WE statt, also Fr und Sa, beginnen so um 22.00Uhr und enden um 0.30Uhr. Je nach Art und Groesse des Pubs hat man einen guten bzw. schlechten Platz, wo man spielt. Meistens sind die Raeumlichkeiten gut, vor allem bei music-pubs, wo oft eine kleine Buehne steht. Wenn man Pech hat steht man irgendwo in der Ecke auf dem Weg zum Klo.

    Seit ung. drei Jahren laufen die Gigs ziemlich aetzend. Die Leute feiern sich selbst, d.h. sie sind die Stars, sie stehen im Mittelpunkt. Als Musiker steht man da auf verlorenem Posten: kein Applaus, kein Mitsingen, keine Resonanz. Mitlerweile ist es schon so, dass ich ueberhaupt nichts mehr ansage oder mich vorstelle. Ich komme, zieh mein Ding durch und gehe wieder. Kein Hallo, kein Aufwiedersehen. Oft denke ich mir “Ihr koennt’ mich mal”. Hoert sich vielleicht schraeg an aber ich habe das Gefuehl, dass diese Meute uns Musiker hasst. Nirgendwo sonst habe ich sowas erlebt!

    Auch ist es voellig Wurscht wie gut man spielt. Das ist ueberhaupt keine Garantie! Ich hatte Gigs, wo regelmaessig die Post abging. Nach ein paar Wochen wurde das Ganze eingestellt und es gab ueberhaupt keine live-Musik mehr. Ein halbes Jahr spaeter ging die ganze Chose wieder von vorne los ... nur ohne mich! Ich war draussen. Warum? Weil der Manager ausgewechselt wurde und der Neue seine eigenen Leute reingebracht hat ... egal wie gut oder schlecht die waren. In Ennis ist sowieso jeder mit jedem verwandt oder verschwaegert, man kuemmert sich schon umeinander.

    Als ich vor fuenf Jahren nach Irland kam, hatte ich meinen ersten Gig in einem Pub in Wexford. Ich tingelte damals mit Rucksack und Gitarre durch die Gegend und an einem Samstag Nachmittag machte ich Strassenmusik genau gegenueber besagtem Pub. Die Leute kamen raus und luden mich ein am Abend zu spielen. Es war eines der schoensten Erlebnisse und ich dachte mir: Das ist also die vielgeruehmte, irische Gastfreundschaft!

    Spaeter in Ennis sass ich eines Abends in der “Diamond Bar” wo gerade drei Musiker spielten. Ich kann mich noch an deren versteinerte Gesichter erinnern und dachte mir: Mein Gott Jungs, was ist denn euch ueber die Leber gelaufen?! Den ersten, richtigen Auftritt hatte ich dann in den “Barge Rooms”. Ich weiss noch, dass ich versuchte das Ganze so aufzuziehen wie in Deutschland: ich wollte die Leute zum mitmachen/mitsingen animieren. Doch keine Chance, niemand kuemmerte sich drum! Schnell wurde mir klar, dass es hier so nicht laeuft. Mir vielen die drei Musiker in der “Diamonds Bar” wieder ein und da wusste ich, warum die so einen zerknirschten Eindruck gemacht haben.

    Die Regel ist ganz einfach: Man spielt in einem Pub und es interessiert kein Schwein!

    Das soll frueher aber anders gewesen sein. Gerade neulich unterhielt ich mich darueber mit einem Bar-Manager, der schon seit ueber 20 Jahren in dem Business arbeitet. Er erzaehlte, schuld an der heutigen Misere waeren unter anderem auch die Musiker. In Zeiten als der Celtic-Tiger boomte, schossen Pubs an jeder Ecke wie Pilze aus dem Boden. Musiker hatten damals nicht nur zwei Gigs an WE, sondern oft zwei Gigs an einem Tag! So kam es nicht selten vor, dass ein und die gleiche Band zehn Auftritte uber die ganze Stadt in einem Monat spielte. Mehrere Bands teilten sich den Kuchen und es kamen neue Bands und Musiker hinzu, die ebenfalls ein Stueck davon abhaben wollten.

    Doch dieses Musiker Paradies hatte auch Nachteile. Wenn viel Geld im Spiel ist, leidet die Qualitaet. Jeder Depp war ploetzlich Musiker! Das Ergebnis kann man sich vorstellen: die Darbietungen wurden immer schlechter. Ueber Jahre hinweg mutierte live-Musik zum Klischee ... gerade auch im irish-trad Bereich. Dass heute immer noch live-Musik angeboten wird, ist diesem Klischee zu verdanken. Die Touristen fahren nach wie vor voll drauf ab ... die Einheimischen eher weniger.

    Trotzdem kann man auch heute noch viel Geld damit verdienen. Regelmaessige Auftritte bringen 1000 – 1500 Euro im Monat ... Schmerzensgeld!

    Was wird denn so gespielt, mag sich jetzt mancheiner fragen.

    In der Regel kommt man am besten klar, wenn das Repertoire folgendermassen aussieht:

    50% irische Songs (davon eine Haelfte Rebell- und die andere Haelfte Christy Moore-Songs), 30% Country (Johnny Cash, Kenny Rogers etc.) und der Rest middle-of-the-road-stuff wie Bruce Springsteen, Neil Young, Beatles usw. Am besten, man schreibt sich jedesmal die Titel, die vom Publikum verlangt werden auf.

    Das ist jedoch nicht zwingend so. Jeder kann sein Programm gestalten wie er moechte. Manchmal ist es auch gut, wenn man aus dem Rahmen faellt. Ich z.B. spiele zu 95% middle-of-the-road-stuff, 5% Country und garkeine irischen Songs. Warum? Weil mir die irischen Songs nicht gefallen ... oder wie sagt man hier: It’s not my cup of tea! Bisher bin ich deswegen nicht besser oder schlechter gefahren wie alle anderen. Mein Motto ist ganz einfach: ich spiele nur Songs, die ich mag. Natuerlich muss man hier und da Kompromisse machen aber wenn man nur das spielt, was die Leute hoeren wollen ist man kein Musiker, sondern eine Musikbox ... und da hoert der Spass bei mir auf.

    Ich trete als One-Man-Band auf, d.h. ich spiele akustische- und e-Gitarre mit Drummachine und Backingtracks. Am Anfang gruendete ich eine Band, die sich jedoch nach einem Jahr wieder aufloeste. Danach spielten wir im Duo oder Trio. Heute spiele ich nur noch alleine. Abgesehen davon, dass Musiker hierzulande noch unzuverlaessiger sind als in Deutschland, lohnt es sich nicht mehr in einer Band zu spielen. Warum auch, wenn ich alleine mit weniger Aufwand mehr Geld verdienen kann?

    Auftreten im Pub ist nicht immer nur *******e. Gottseidank! Ich habe auch sehr viele gute und vor allem ereignisreiche Gigs gespielt. In Deutschland ist es schon so, dass das Irish-Pub-Publikum ein gewisses Mass an Interesse mitbringt. Wo kann man denn sonst einen gemuetlichen Abend mit einem pint Guinness und live-Musik verbringen? Jedesmal wenn ich dort gespielt habe, versuchte ich Stimmung zu machen. Meistens hat es auch geklappt. Komischerweise dachte ich immer, dass die Leute keine Lust haetten und man sie deshalb irgendwie animieren muesste. Verglichen mit dem irischen Publikum ist das deutsche aber um einiges besser. Wer haette das gedacht?

    Bevor ich nach Irland gegangen bin habe ich Storys von Leuten gehoert, die schon da waren: Du musst unbedingt dorthin, das ist das Mekka fuer Musiker. Was Musik angeht, sind die Menschen dort ganz anders als wir Deutschen, die schaetzen das viel mehr. Fuer die ist Musik Leben ... usw.

    Ich frage mich: Was ist daraus geworden?!

    Ich denke, es ist der Wohlstand, der nicht nur das Leben, sondern auch die Pub-Kultur der Iren veraendert hat. And the grass is not always greener on the other side ... auch wenn es Irland ist!

    Was sich nicht veraendert hat ist der Alkoholkonsum! Genauso der Sportwahn.

    Werde nie vergessen, wie ich an einem Sonntag Nachmittag in der “Library Bar” gespielt habe. Zuerst war ueberhaupt nix los. Alle waren beim oertlichen Hurlingmatch. Danach kamen jedoch die Fans beider Mannschaften. Innerhalb weniger Minuten ging es von 0 auf 100! Vor mir stand eine junge Dame, die nach einem Song fragen wollte. Sie machte gerade den Mund auf als die Schlaegerei losging und flog quer ueber mich drueber hinten in die Ecke! Nur ihre hochhackigen Schuhe blieben vor mir stehen! In solchen Momenten wuenscht man sich als Musiker in einem Kaefig zu spielen ... so wie die Blues Brothers “We play everything: Country and Western ... you know!”

    Oder mein Bekannter “Martin from Ireland”, dem ein paar Jungs bei einem Auftritt die komplette Anlage regelrecht niedergerissen haben, weil ihnen sein Gesicht nicht gefiel! Danach packte Martha einfach ein und fuhr nach hause.

    Kevin, ein anderer Musiker-Kollege und Freund, spielte jahrelang jeden Samstag Abend im “Cruises”. Versoff seine halbe Gage mit Jameson-Whiskey und lebte so seinen Traum vom “Rock’n Roll”. Heute lebt Kevin in Frankreich und rockt die Franzosen.

    Jeder hat so seinen Traum. Ich lebe meinen schon seit ueber dreissig Jahren, als ich zum ersten mal die Gitarre in die Hand genommen habe. In dieser Beziehung hat sich nicht viel bei mir geaendert. Bin genauso bekloppt wie damals, nur etwas zynischer. Werde auch weiterhin in Pubs spielen. Wo sonst?

  10. Geschichten, die das Leben schreibt # 10
    Esther
    Interessiert das bornierte Geschwaetz eigentlich irgend jemanden?

  11. Geschichten, die das Leben schreibt # 11
    beetle
    nö, mich nicht

  12. Geschichten, die das Leben schreibt # 12
    irish traveller
    Irish Hospital Odyssey (2.Februar 2010)

    Angefangen hatte es mit einer Mandelentzuendung. Nach einer Woche Woche wurde es besser und Ella ging wieder arbeiten. Kurz danach klagte sie ueber Knieschmerzen. Nach zwei, drei Tagen schwoll das rechte Knie an und sie musste wieder zum Arzt. Der ueberwies sie sofort in’s Krankenhaus. Ab da wurde es lustig!

    Wir gingen zuerst zum Western Hospital in Ennis. Als wir so gegen 17.00 Uhr dort ankamen, war der Wartebereich gerammelt voll. Die Leute sassen nicht nur im Wartezimmer (das man als solches garnicht bezeichnen kann, Wartekammer mit kleinem Fernseher oben in der Ecke wuerde es eher treffen), sondern auch im Gang, auf der Treppe und draussen. Wir bekamen einen Rollstuhl (welch Luxus!) und setzten uns unter die Treppe. Dort verbrachten wir die naechsten fuenf Stunden! Mit uns warteten u.a. ein Vater mit seinem kleinen Sohn, der eine Kopfvereltzung hatte, eine Mutter deren Sohn ein verdrehtes Knie hatte, ein Typ mit gebrochenem Handgelenk. Diese Leute kamen ung. zur gleichen Zeit wie wir und warteten genauso lang! Zwischendurch wurde Ella geroengt.

    So gegen 22.00 Uhr kamen wir dann endlich an die Reihe. Die Behandlung dauerte zwei Stunden und war ausserordentlich gruendlich. Es wurde Blut und Gelenkfluessigkeit abgenommen. Das Blut wurde vor Ort untersucht. Der behandelnde Arzt (ein weisser Suedafrikaner aus Durban) machte einen total ueberarbeiteten und mueden Eindruck. Er war der einzige Doktor fuer alle, machte seinen Job jedoch hervorragend! Ich habe selten jemanden so schnell und effizient arbeiten gesehen. Zudem war er auch noch freundlich. Er erzaehlte, das Problem waere nicht die Tatsache, dass er der einzige Arzt vor Ort waere, sondern die Patienten, die eigentlich garnicht hier sein muessten: aeltere Leute, die sich einsam fuehlten und deshalb regelmaessig in’s Krankenhaus gehen. Dabei deutete er in Richtung einer aelteren Frau, die Zuckerkrank war, ihre Medikamente jedoch vorsaetzlich nicht einnahm und sogut wie jeden Tag auftauchte. Einfach wieder wegschicken kann man diese Leute nicht, denn sollte ihnen tatsaechlich was passieren, ist das Krankenhaus verantwortlich!

    So gegen 24.00 Uhr waren wir dann endlich draussen, mit einer Ueberweiseung in die orthopaedische Abteilung des Regional Hospitals in Limerick. Die Tuer war abgeschlossen und die Lichter aus. Der afrikanische Arzt haette um 21.00 Uhr Feierabend haben sollen und war immer noch da!

    Am naechsten Tag ging’s also nach Limerick. Wir kamen auch gleich an die Reihe. Bessergesagt liess man uns in das innere Sanktuarium der Intensivstation. Dort warteten wir den ganzen Tag, mitten im Chaos, in einem kleinen Wartezimmer (noch kleiner als das in Ennis!), auf dem Gang, im Behandlungszimmer. Egal wo, es war immer ueberfuellt! Der Begriff Intensivstation bekommt hier eine ganz neue Bedeutung: intensiv warten! Warten darauf, dass man einen Stuhl bekommt, ein Bett, auf die Schwester, den Arzt, auf Information, den Befund. Warten darauf, dass man endlich wieder nach Hause gehen kann. Ella sollte nuechtern kommen. Nach 12 Stunden ohne essen und trinken, sah sie schon ziemlich mitgenommen aus. Haette ich nicht darauf bestanden, dass sie was zu essen bekommt, waere sie warscheinlich in Ohnmacht gefallen! Der einzige Komentar einer Krankenschwester: Sie waere noch jung und wuerde das schon durchhalten!

    Nach etlichen Stunden kam dann endlich ein Arzt, um sie zu untersuchen. Er konnte jedoch nichts entscheiden. Deshalb warteten wir wieder ewig auf den Chefarzt. Dieser entschied, dass Ella ueber Nacht bleiben muesste, um am naechsten Tag von einem Spezialisten untersucht zu werden.

    Der kam weder am naechsten, noch am uebernaechsten Tag! Nachdem sie schon zwei Tage im Krankenhaus nichts warmes gegessen hatte, wollten wir in die Kantine, durften aber nicht, da der Spezialist jeden Moment auftauchen sollte. Wir gingen trotzdem und als wir zuruekkamen war er immer noch nicht da! Zwischendurch wurde immerwieder Blut abgenommen und der Puls gemessen. Es wurden auch neue Roentgenbilder gemacht, obwohl wir welche aus Ennis mitgebracht hatten. Angeblich waeren sie nicht gut genug. Ella erzaehlte spaeter, das Roentgengeraet in Limerick haette ausgesehen als stamme es noch aus dem ersten Weltkrieg. Das in Ennis war dagegen funkelnagelneu, made by Siemens!

    Nach drei Tagen entschied ich, sie da wieder rauszuholen. Ich ging zur Rezeption und sprach mit der Oberschwester. Ich sagte, dass sie wohl zuhause besser aufgehoben waere, zumal man nicht viel mehr taete als ihr painkillers zu verabreichen. Ja, erwiederte die Schwester, aber der Spezialist muesste sie noch untersuchen. Er ware sehr beschaeftigt muesste jedoch bald auftauchen. Ploetzlich hoert man eine Stimme aus dem Hintergrund: ich bin hier! Da sitzt er am Komputer, ein Schwarzer, direkt hinter der Oberschwester! Mein Gott, denke ich, seit ihr alle bescheuert oder was?!

    Der Spezi stellt septische Arthritis fest und entscheidet Ella muesse bleiben. So koennte man sie auf keinen Fall gehen lassen. Ausserdem wuerde er gerne noch einen Kollegen zur Konsultation hinzuziehen. Ok, denken wir, was sein muss, muss sein! Wir machen eine Liste von all den Sachen, die sie ueber die naechsten Tage braucht und ich fahhre wieder nach hause.

    Am naechsten Tag klingelt mein Handy. Ella ist dran: man haette sie gerade entlassen! Der Spezi waere wiedergekommen, haette sie nochmal kurz untersucht und entschieden man koenne nicht mehr viel fuer sie tun. Innerhalb von 10 Minuten wurde sie aus dem Bett in den Flur komplimentiert (man braeuchte das Bett fuer andere Patienten, die warten schon!), wo sie erstmal nur rumsitzt und darauf wartet, dass man sie runter in die discharge launch bringt ... nicht im Rollstuhl (es ist gerade keiner vorhanden), sondern im Buerostuhl! Wir sind erleichtert aber gleichzeitig fuehle ich mich irgendwie verarscht: was sollte denn die Aussage des Spezis am Vortag?! Irgendwie beschleicht mich das Gefuehl, dass es hier mal wieder nur um’s Geld geht: bei drei Tagen Krankenhausaufenthalt (900 Euro pro Tag), dem Roentgen und den Behandlungen kommt schon was zusammen! 900 Euro wohlgemerkt fuer ein Einzelzimmer, nicht fuer das Mehrbettzimmer, in dem sie gelegen hatte. Auf dem Formular wurde jedoch "Einzelzimmer" vermerkt!

    Soviel Geld fuer was, frage ich mich! Die Versorgung ist eine Katastrophe! Natuerlich weiss ich, dass ein Krankenhaus kein Hotel ist aber ein gewisses Minimum an Versorgung, einen europaeischen Standard kann man doch wohl noch erwarten! Wir sind doch hier in Europa oder etwa nicht?! Anscheinend nicht. Selbst vor 30 Jahren im Ex-Jugoslawien war ein Krankenhausaufenthalt besser als heute in Irland! Es fehlt an allem. Als Ella z.B. duschen wollte, gab es keine Handtuecher. Dafuer bot man ihr ein Bettuch an! Das Essen ist unter aller Sau. Das Kantinenessen geht, kostet natuerlich. Kamillentee kennt man hier ueberhaupt nicht. Der naechste Supermarkt ist zwei Kilometer entfernt, denn egal was man im Krankenhaus haben moechte, es ist nicht vorhanden.

    Die Aerzte kommen alle aus irgendwelchen exotischen Laendern, irische Aerzte findet man dagegen selten. Wenn es einen gibt, hat er die oberste Befehlsgewalt. Dr. Muhammed hat nix zu entscheiden. Die Nurses sind voellig ueberfordert, machen aber ihren Job souveraen (meistens jedenfalls).

    Die Patienten ertragen alles mit einer stoischen Gelassenheit, die fast schon an Dummheit grenzt! Keiner beschwert sich oder muckt sonst irgendwie auf. Das Wort “No” existiert in diesem Zusammenhang ueberhaupt nicht. Man ist froh, dass man aufgenommen wurde, hofft bald dran zu kommen und schnell wieder weg zu sein. “Well, that’s the irish health-system, you know ...!”

    Alle sind nett, freundlich und ausgesprochen humorvoll. Waere das nicht so, gaebe es Krieg! Aber was nuetzt das einem Patienten, der stundenlang mit gebrochenem Arm oder halb abgeschnittenem Daumen verblutend oder mit Kopfverletzung ... oder ... oder ... oder ... warten muss?! Immerhin werden ab und zu tea and cookies verteilt!

    Habe eben gerade beim GP (Hausarzt) angerufen, Ella braucht eine neue sicknote (Krankmeldung) fuer ihren Job: 45 EURO!

    Herrlich ...

    18.03.2019: Deutsche Krankenhaus-Standards sind heute mittlerweile fast genau so. Wir sind da angekommen, wo Irland 2010 schon war. Man könnte also sagen, dass uns die Iren in Sachen Gesundheitssystem zehn Jahre voraus sind.

  13. Geschichten, die das Leben schreibt # 13
    Mweenish
    Deine letzte Aussage kann ich nicht bestätigen. Bin am 27.12.18 mit wehenartigen Magenschmerzen zu meinem Hausarzt gegangen. Trotz vollem Wartezimmer sofort dran gekommen und hatte zehn Minuten später die Diagnose Gallenkolik und eine Notfallüberweisung ins Krankenhaus. Wurde von meinem Hausarzt dort angekündigt, hatte null Wartezeit und der Gallenstein wurde mittels Gallengangspiegelung sofort entfernt. Meine Bauspeicheldrüse war bereits in Mitleidenschaft gezogen und so habe ich noch 8 Tage in einem Zweibettzimmer verbracht. An der Verpflegung und der medizinischen Betreuung war absolut nichts auszusetzen. Auch bei meinem zweiten Aufenthalt zur erforderlichen Gallenblasenentfernung hatte ich nichts auszusetzen. Zuzahlung die bekannten 10,00 € pro Tag.

    Ich hatte immer davon geträumt mit Rentenbeginn nach Irland auszuwandern. Alleine das irische Gesundheitssystem macht uns da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Mein Mann hat letzten Monat seine zweite Knieprothese bekommen. Von der Entscheidung bis zur Durchführung in einer Spezialklinik sind 6 Wochen vergangen. Anschlußreha sofort nach Entlassung im Nachbargebäude. Die Mutter meiner irischen Freundin mit tierischen Schmerzen im Knie wartet auf einen Termin beim Spezialisten seit einem dreiviertel Jahr. Lebensqualität gleich Null.

    Auch wenn in Deutschland nicht mehr alles Gold ist was glänzt. Irische Verhältnisse haben wir noch lange nicht und meiner Meinung nach wird hier auf hohem Niveau geklagt.

  14. Geschichten, die das Leben schreibt # 14
    elliguide
    Du erinnerst mich an James Joyce und Ulysess. Habe das Buch aufgeschlagen und 12 Seiten spaeter festgestellt das seine Monologe ohne Punkt und Komma mich nicht interessieren. Gleiches gilt fuer deine Beitraege. Hoffe das Leben behandelt dich besser wo immer du jetzt auch bist und hoffentlich auch bleibst.

  15. Geschichten, die das Leben schreibt # 15
    beetle
    Der Vergleich mit Ulysess passt - auch wenn ich nie mit lesen angefangen hab. Ein Blick ins Buch war für mich genug.

  16. Geschichten, die das Leben schreibt # 16
    Marnie
    Meine Mutter hat sich im Sommer das Handgelenk gebrochen. Hier in Irland... Wir waren unterwegs, das nächste Krankenhaus war Tralee.
    Nach 2 Stunden war alles erledigt, meine Mutter musste am nächsten Tag wiederkommen, wurde ambulant operiert und durfte abends wieder mit mir heim. Für den einen Tag bekam sie einen Gips verpasst, mit Glitter, weil sie das bei einem kleinen Mädel gesehen hatte und scherzhaft meinte sie will auch Glitter.
    Im OP war ein deutscher Arzt, der bei ihr blieb bis sie in Narkose war und neben ihr stand, als sie aufwachte (sie kann kein englisch) Sie wurde engmaschig betreut, alle waren superlieb und haben sich rührend um sie (und die anderen Patienten) gekümmert.
    Sie musste mehrfach zur Nachkontrolle, blieb letztlich fast 2 Monate bei mir, statt 1 Woche, über meinen Hausarzt haben wir ihre Medikamente besorgt, sie ist Diabetikerin und muss Insulin spritzen - hat alles ohne Probleme geklappt und meine Mutter war hin und weg. Sie meinte, falls sie die Platte wieder rausmachen lässt, kommt sie zu mir.
    Muss Zufall gewesen sein, wenn ich das hier so lese.
    Ansonsten ist ja alles ganz schrecklich hier.

  17. Geschichten, die das Leben schreibt # 17
    irish traveller
    Die Story mit dem Kredit und dem "sich anpassen" (5. SEPTEMBER 2010)

    Als ich nach Irland kam, brachte ich 30.000 Euro mit und wohnte alleine in einem Apartment mit zwei Schlafzimmern. Nach ung. 2 Jahren kamen Ella und Sarah endlich hinterher und wir mieteten das Haus von einem geizigen Schwaben. Dort wohnten wir anderthalb Jahre. Nachdem ich meinen aus Deutschland mitgebrachten VW-Passat auf den hiesigen Straßen kaputtgefahren hatte, bekam ich von einem Bekannten seinen alten Ford Fiesta geschenkt. Das Auto Lief gut und hatte sogar genug Platz für mein Equipment. Es regnete halt nur durch die geschlossene Fahrertür weil man sie nach einem Einbruchsversuch nicht mehr richtig schließen konnte. Es kam nicht selten vor, dass ich mir während der Fahrt ständig über die Augen wischen musste.

    Eines schönen Tages bekam ich einen Brief von der Bank mit einem Kreditangebot. Ich nahm das nicht besonders ernst, zumal ich kein festes Einkommen hatte und demnach auch keinen Einkommensnachweis. In Deutschland bekam ich nie und nimmer Kredit. Ich konnte noch nicht mal mein Konto um einen Euro überziehen, weil ich auch keinen Dispo hatte. Ich füllte den Brief trotzdem aus, ließ jedoch das Feld für den Betrag frei und gab ihn bei der Bank ab. Danach vergaß ich die Sache. Nach ung. einer Woche bekam ich einen Anruf von meiner Bank. Am Apparat war Dan Hogan, der meinen Brief vor sich liegen hatte und wissen wollte wieviel Geld ich denn gerne hätte. Ich sagte ihm ich wolle nichts und wies ihn nochmal darauf hin, dass ich keinen festen Job hattte. Er sagte nur, dass ich trotzdem vorbeikommen könnte um über die Sache zu reden. Wir vereinbarten einen Termin und am nächsten Tag saß ich in seinem Büro. Ich muss dazu sagen, dass von den 30.000 die ich mitgebracht hatte nicht mehr viel übrig war.

    Er fragte mich nochmal wieviel Geld ich haben wollte. Ich antwortete das Gleiche: ich wäre eigentlich ganz zufrieden, bräuchte keinen Kredit, wäre offiziell arbeitslos, verdiene aber mein Geld durch Straßenmusik und Pub-Gigs. Ja stimmt, erwiederte Dan, er hätte mich schon in der lane gesehen. Ich wäre gut und meine Musik würde ihm gefallen. Daher kam ihm mein Gesicht so bekannt vor. Danach schaute er sich nochmal mein Konto an und sagte, alles wäre völlig in Ordnung, mein Konto wäre sauber, Geld kommt rein, Geld geht raus, alles wunderbar. Also, er könnte mir 3.000 anbieten. Oder vielleicht 5.000?

    Ich schaute ihn an und dachte mir, jetzt will ich's aber wissen. Ich sagte 10.000! Und schwupps hatte ich nächsten Tag das Geld auf meinem Konto. An den Zinssatz kann ich mich nicht mehr erinnern, war aber nicht so tragisch. Das ist übrigens der momentan laufende Kredit mit 200 Euro im Monat, von dem ich in meinem vorherigen Beitrag gesprochen habe.

    Ein paar Tage später fuhr ich zum Autohaus Sheils, kaufte einen gebrauchten Ford Focus für 7.000 und gab meinen Fiesta für 1.000 Euro in Zahlung. Danach ging ich zu meinem Freund Phillip Walsh in den Musikladen und kaufte eine funkelnagelneue aktiv-PA von HK für 3.000. Somit waren die 10.000 Geschichte. War auch gut so, zumal ich eh nicht wusste was ich sonst mit dem Geld anfangen sollte.

    Die PA kaufte ich wegen unserer Band. Der Witz an der ganzen Sache war, dass sich kurze Zeit später die Band auflöste und die PA niemals richtig genutzt wurde. Das ist jedoch eine andere Geschichte.

    Der Focus war ein gutes Auto, an dem jedoch noch einige Kleinigkeiten auf Garantiebasis gemacht werden mussten. Diese Kleinigkeiten kosteten Sheils 2.000 Euro. Danach war das Auto Top! Ich erinnere mich noch, dass ich bei jeder Reparatur kostenlos ein Ersatzfahrzeug bekam. Bei meinem letzten Besuch in dieser Sache schlenderte ich durch die Verkaufshalle und da sah ich ihn, den Nissan X-Trail. Ich bat um eine Probefahrt und bretterte mit 190 Sachen die N18 Richtung Limerick runter. Danach gab ich meinen Focus in Zahlung und kaufte den X-Trail auf Finanzierungsbasis. Es tat mir leid um den Focus aber der hatte schon 150.000 Kilometer drauf. Sicherlich hätte ich ihn ein paar Jahre fahren können, doch dann wäre wieder ein Gebrauchter fällig gewesen. Der X-Trail hatte dagegen nur 35.000 Kilometer, war ein Diesel und sogut wie neu. Mein Traumauto, eine Mischung aus Gelände- und Sportwagen mit großer Ladefläche. Verlust machte ich beim Focus keinen. Er wurde für den gleichen Preis wieder zurückgenommen, den ich bezahlt hatte.

    Obwohl ich damals sehr gut verdiente und Ella einen guten Job hatte, bekam ich bei der ganzen Sache ein flaues Gefühl im Magen. Denn plötzlich waren es nicht mehr 200 Euro Kreditabzahlung monatlich, sondern insgesammt 700 ... und das für die nächsten fünf Jahre! Trotzdem machte ich den Deal. Ich wollte das Auto unbedingt haben. Es kostete mich insgesammt 30.000 Euro! In Deutschland hätte ich nur die Hälfte bezahlt aber Irland ist nicht Deutschland. Wenn ich cleverer gewesen wäre, hätte ich bar bezahlt. Damit wären mir 6.000 Euro Zinsen erspart geblieben. Doch ich wollte die 100.000 auf einem anderen Konto nicht anrühren, was jetzt natürlich wie ein schlechter Witz klingt.

    Das Geschäft lief damals sehr gut. Ich erinnere mich, dass ich einmal 1.000 Euro in der Woche nur mit Straßenmusik verdient habe! Mein accountant (Steuerberater) schüttelte nur ungläubig den Kopf. Ich machte mir keine zu großen Sorgen, zumal noch 100.000 Euro auf der Bank in Kroatien auf mich warteten. Die ließ ich dann auch kurzerhand nach Irland überweisen. Wir lebten wie die Maden im Speck. Die Banken hatten soviel Geld, dass auch der letzte Penner einen Kredit bekam und der Bankmensch seine fette Provision. Das alles passierte 2007, kurz bevor es anfing richtig bergab zu gehen.

    Was die Sache mit dem "sich anpassen" angeht, meine ich damit nicht etwa nur dass man das Geld genauso aus dem Fenster schmeißt wie so mancher Ir(r)e, sondern dass Irland teuer ist und dass man deswegen letztendlich nur das kaufen kann was einem hier zu dem entsprechenden Preis angeboten wird. Take it or leave it. Ich weiß noch wie Ella und ich durch ganz Limerick gefahren sind und sämtliche Möbelhäuser nach einer Couchgarnitur abklapperten. Am Ende kauften wir eine Ledercouch für 1.000 Euro. Ausstellungsstück. Eine funkelnagelneue hätte das doppelte gekostet. Ich habe mir auch gebrauchte bei Leuten zuhause angesehen, die ein Haufen Geld für Schrott haben wollten. Heute sieht das vielleicht ein wenig anders aus, zumal es jetzt auch ein Ikea in Dublin gibt. Vor drei Jahren hatte man diese Möglichkeiten nicht.

    Wie auch immer. Alles wäre nach Plan verlaufen, wenn uns nicht die Rezession einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Oder wie sagte mal mein Kumpel Jupp: "Alles geht, wenn's gut läuft!" Ich verdiene heute 300 - 400 Euro in der Woche und Ella ist arbeitslos. Sie macht gerade einen Kurs in childcare und bekommt 150 Euro die Woche. Wenn ich das Auto zurückgebe, haben wir erstmal 13.000 Euro weniger Schulden. Ist doch schon mal was!


    Auto weg! 30. SEPTEMBER 2010

    Heute wurde unser geliebter, uns jahrelang treu dienender Nissan X-Trail abgeholt. Das beste Auto das ich jemals hatte und wahrscheinlich nie wieder haben werde. Ein Traum. Ich konnte die Raten nicht mehr bezahlen. Es standen noch 13.000 Euro offen, 485 Euro monatlich. Ich hatte kein Geld für die motor-tax (Autosteuer) und bin (jetzt kann ich's ja sagen) drei Monate mit einer gefälschten Plakette durch die Gegend gefahren. Die Haftpflicht hatte ich schon vor einigen Wochen abgemeldet. Am Ende hatte ich noch nicht mal mehr Geld für Sprit und bin ständig auf Reserve gefahren. Obwohl ich sage "Es ist doch nur ein Auto" bin ich doch ziemlich traurig, dass er weg ist. War wie gesagt ein tolles Teil.

    Jetzt müssen wir wieder von vorne anfangen: erst mal Fahrrad und dann irgendeine Gurke kaufen. Schwierig wird es mit den vier Hundis und dem Gassigehen. Naja, it's not the end of the world ...
    Geändert von irish traveller (19.03.2019 um 08:57 Uhr)

  18. Geschichten, die das Leben schreibt # 18
    irish traveller
    Wie sind die Iren, wie sind die Deutschen? (24. OKTOBER 2010)

    Wie sind die Iren? Irland ist Irland? Irland - Die grüne Insel, Land der Heiligen und Legenden ...

    Da muss ich doch echt lachen wenn ich das lese! Wie sollen die Iren schon sein? Das sind Leute mit einem Hang zum exzessiven Alkoholkonsum und Party feiern. Welches Irland ist denn gemeint? Das Irland der Heiligen und Legenden oder das der Rezession und Korruption? Ersteres existiert nur in der Vorstellung, zweiteres ist real. So kurz und bündig würde ich es umschreiben, ohne den ganzen Schnickschnack drumherum.

    Für mich geht es in's sechste Jahr auf der Insel. Ich frage mich schon lange nicht mehr wie die Iren sind? Vielmehr frage ich mich wie sind die Deutschen? Wenn ich der lane spiele und deutsche Touristengruppen oder Individualurlauber an mir vorüberziehen, ist es immerwieder interessant zu beobachten wie diese Leute sich verhalten, wie sie drauf sind. Bei den Touristengruppen läuft es oft so, dass die Leute im Bus hier rüberkommen und 7 -10 Tage unterwegs sind. Da werden die wichtigsten Attraktionen abgefahren und danach geht's wieder nach hause. Diese Pauschalurlauber sind größtenteils etwas älter, gut drauf, redseelig und kommen aus allen Teilen Deutschlands. Die meisten waren vorher noch nie in Irland. In letzter Zeit laufen sie an mir vorbei und grüßen mit einem Guten Morgen, weil der Tourguide ihnen schon erzählt hat, dass ich Deutscher bin. Ich freue mich dann immer wenn wir ein kleines Schwätzchen halten.

    Bei den Individualurlaubern ist es anders. Da gibt es Einzelgänger, Paare und Familien. Viele davon sind Irlandfans und kommen öfter auf die grüne Insel. Einige davon haben diesen arrogant überheblichen Gesichtsausdruck drauf, so ganz nach dem Motto: ich kenne mich aus und bin was besseres als diese Pauschaltouristen!

    Und genau um diese Sorte geht es mir hier!

    Ich will jetzt nicht schon wieder darüber philosophieren, was diese Leute an Irland so gut finden. Das interessiert mich nicht. Was ich viel interessanter finde ist die Frage, wie sie ticken! Das fängt schon damit an wie sie aussehen: dick oder dünn, welche Klamotten und Schuhe sie tragen, die Frisuren, wie sie sich bewegen. Wenn es doch ein Pauschalbild für den typischen Mallorca-Ballermann-Urlauber gibt, muss es doch auch eines für den typischen Irland ist so schön-Urlauber geben. Mein Pauschalbild für ein solches Exemplar ist folgendes:

    Nicht gerade durchtrainiert, eher etwas dicklich. Outdoor-Klamotten und Schuhe von Jack Wolfskin. Bei der Haarmode findet man alles: Männer haben entweder ganz kurze oder längere Haare mit so einem Deppenzöpfchen. Frauen sportliche Kurzfrisuren oder eine Ich bin die Irlandfee-Haarpracht. Sie bewegen sich langsam durch die Gegend. Man will auf keinen Fall den Eindruck erwecken man wäre unter Stress. Schließlich ist man hergekommen um die Geheimnisse und Mythen des Landes zu ergründen. Das geht natürlich nicht wenn man in einem Affentempo durch die Gegend rast. Sie sind bemüht einen belesenen Eindruck zu vermitteln, da sie mit einem Reiseführer in der Hand von einem Denkmal zum nächsten schlendern, nachlesen, hinsehen, wieder nachlesen, wieder hinsehen ... so als ob sie sich ganz genau davon überzeugen wollen, dass was im Buch beschrieben auch das ist, was vor ihnen steht und nicht irgendeine Halluzination. Dann wird noch schnell ein Foto gemacht. Abends geht man dann in einen Pub mit traditionell irischer Musik, trinkt ein oder zwei Guinness (nicht mehr, wird sonst zu teuer) und versucht sich wie ein Ire zu fühlen. Wenn alles vorbei ist, kann man's kaum erwarten wieder nach Irland zu kommen. Am liebsten würde man hier leben, auf dieser Trauminsel!

    Ach ja, da war doch diese Nervensäge, den man aus dem geliebten Forum kennt. Dieser Prolet mit seinem niveaulosem Blog. Die gescheiterte Existenz, ein Bettelmusikant. Furchtbar dieser Typ! An dem sind wir einfach nur vorbeigelaufen und haben ihn ignoriert. Woher soll der auch wissen, dass wir ihn kennen? Was will der überhaupt in Irland? So einer gehört da einfach nicht hin. Hoffentlich haut der bald wieder ab und geht nach Bosnien oder sonst wohin ...

    Aber dafür haben wir ihm einen anonymen Kommentar geschrieben!

  19. Geschichten, die das Leben schreibt # 19
    rents
    Zitat Zitat von ShannonS Beitrag anzeigen
    ...da isser wieder nach all den Jahren....
    Das Forum lässt dich einfach nicht los, was?
    Wenn ich richtig liege hast du in Ennis gelebt?
    Jetzt wird mir so einiges klar.
    Vor allem weil die Texte aus einem ganz speziellen Blog kopiert werden...

  20. Geschichten, die das Leben schreibt # 20
    Marnie
    Zitat Zitat von rents Beitrag anzeigen
    Jetzt wird mir so einiges klar.
    Vor allem weil die Texte aus einem ganz speziellen Blog kopiert werden...
    Alles gut hier auf der grünen Insel und im grünen Forum und wir sind alle grün hinter den Ohren, trinken grünen Tee zum Frühstück und freuen uns wenn wir ein grünes Kleeblatt mit 4 grünen Blättern finden.


    irish Traveller: ich muss mal nachfragen, einfach weil ich halt nachfragen muss: was genau bezweckst Du mit Deinem hiesigen "Tagebuch"?
    Die meisten Besucher hier wollen sich informieren über Irland, wollen Hilfe bei der Reiseplanung, usw. Die wollen keinen detaillierten Einblick ins irische Leben und erst recht nicht in DEIN Leben.
    Ganz ehrlich, ich hab nicht mal die Hälfte Deiner Einträge hier gelesen. Viel zu lang, viel zu negativ und irgendwie...naja...ich trau mich fast nicht es zu schreiben, aber.....typisch deutsch
    Ich lebe seit 8 Jahren hier, also länger als Du und ich kann mit Deinen vielen schlechten Erfahrungen einfach nicht mithalten - die hatte ich nämlich nicht, im Gegenteil.
    Bei mir kam schon die Garda zum Haus um mir zu helfen mein Motorrad wieder aufzustellen nachdem ich es umgeschmissen hatte (50kg gegen 250kg geht halt manchmal schief) und ich hab auch schon die Garda zu einem eingeklemmten Rehbock geschickt und ja, sie haben ihn befreit.
    Ich hab hier diverse Erfahrungen mit Krankenhäusern machen können und die waren durchweg positiv. Keine langen Wartezeiten, prompte, korrekte Behandlung und vor allem: nettes Personal!
    Ich hab meine Mutter im Krankenhaus warten lassen und hab das Auto geholt. Als ich wiederkam, hat sie grinsend ein Eis gegessen und ich musste mich doch wundern wo sie das her hatte. Kein Geld und kein Englisch.
    Antwort: eine Angestellte lief mit einem Körbchen mit Eis durchs Krankenhaus und verteilte es kostenlos, weil es draussen so warm war.
    Als hier der Schneesturm war, sind umliegende Anwohner von Krankenhäusern in die Krankenhäuser gelaufen und haben gefragt, ob sie helfen können, weil das Personal knapp war. Selbst das Militär rückte an.
    Das würd ich gern mal in Deutschland erleben.

    Anyway... warum genau bleibst Du hier, wenn hier doch alles so schrecklich ist? Die Grenzen sind offen, keiner zwingt Dich, hierzubleiben.

    Und betreffs Auto: mein erstes Auto hier war ein Ford KA für 400 Euro. Das nächste war ein Opel für 800 Euro, den ich immerhin 5 Jahre halten konnte. Nun hab ich einen Toyota RAV (macht einfach Sinn bei den irischen Strassen) UND ein Motorrad. In Deutschland konnte ich mir grad so ein Motorrad leisten, Auto war nicht möglich.
    donedeal bietet alles an. Da findest Du sicher auch ein Auto für wenig Geld, was noch ne Weile NCT hat und vielleicht sogar Tax.
    Hör auf zu heulen und kümmere Dich!

+ Antworten
12
  • Abhainn20.03.2019, 01:49

    Zitat Zitat von Marnie Beitrag anzeigen
    Ich hab hier diverse Erfahrungen mit Krankenhäusern machen können und die waren durchweg positiv. Keine langen Wartezeiten, prompte, korrekte Behandlung und vor allem: nettes Personal!
    In Tralee kann ich es bei ambulanter Behandlung nachvollziehen, aber Limerick aktuell mit 557 patients on trolleys nicht
    https://www.rte.ie/news/health/2019/...olley-figures/

    aber "alles im grünen Bereich"!

  • Marnie20.03.2019, 12:57

    Zitat Zitat von Abhainn Beitrag anzeigen
    aber "alles im grünen Bereich"!
    Genau

    Nuja, ins CUH würde ich auch nicht wollen, da sieht's ähnlich aus. Ich hab die grossen Krankenhäuser bisher vermeiden können und kann somit meine rosarote grüne Brille aufbehalten

  • ShannonS21.03.2019, 00:21

    Wer über seine Verhältnisse lebt braucht sich nicht über Kreditraten beschweren.

  • Nenad Ptic17.11.2019, 09:35

    Zitat Zitat von ShannonS Beitrag anzeigen
    Wer über seine Verhältnisse lebt braucht sich nicht über Kreditraten beschweren.
    Mitnichten! Ich habe eine Kreditkarte mit großem Verfügungsrahmen (mit "groß" meine ich unbegrenzt). Damit kaufte ich letztes Jahr einen Tesla, habe ihn aber gegen einen Porsche Cayenne eingetauscht, weil der Tesla verbraucht doch zu viel Strom. Strom wird ja teurer wie Benzin!

  • Nenad Ptic23.11.2019, 09:30

    Neueste Neuigkeiten: habe den Porsche Cayenne gegen einen Humvee 6.5l V8 Turbodiesel eingetauscht. Damit sind meine Süße und ich letztens zu den Cliffs Of Moher gefahren. Da gibt es eine Stelle in der Nähe von Doolin, wo man direkt bis an den Rand der Klippe kommt (Wegbeschreibung auf Wunsch per PN). Dort haben wir den Sonnenuntergang genossen. War ziemlich windig & kalt, deshalb mussten wir den Motor laufen lassen aber der Himmel wolkenlos und die Aussicht spektakulär! Nach ung. einer Stunde und einer Flasche Dom Perignon ging es dann die Küste runter zum Doonbeg Golf Club. Dort aßen wir das beste Steak in Irland! Überlegen uns dort ein Appartement zu kaufen. Angebot: 1,5 Mio Euro. Mal sehen ... Hier ein schönes Foto von unserem neuen Humvee.

    Anhang 41425

  • Gaillimh23.11.2019, 18:40

    Hier ein schönes Foto von unserem neuen Humvee.
    Gab es den denn nicht in grün?

    *G*

  • Nenad Ptic24.11.2019, 09:35

    Zitat Zitat von Gaillimh Beitrag anzeigen
    Gab es den denn nicht in grün?

    *G*
    Doch! Es gab ihn sogar in Orange und Buttergelb aber mir gefiel die Farbe ...

  • ShannonS24.11.2019, 18:42

    Nenads neueste Tagträume....
    Er muss sich halt einfach mitteilen

  • Irlandentdecker24.11.2019, 23:25

    Die Flasche Dom Perignon die da auf dem gedeckten Tisch stand war nicht für dich armer Schlucker gedacht. Damit wollte ich meiner Frau einen ganz besonderen Sonnenuntergang an den Kliffs bereiten. Nächstes mal parkst du deinen billigen Humvee bitte woanders, damit ich mit meine Hubschrauber landen kann. Immer Ärger mit diesen Mindestlohnempfängern.

  • Nenad Ptic25.11.2019, 08:31

    Zitat Zitat von Irlandentdecker Beitrag anzeigen
    Nächstes mal parkst du deinen billigen Humvee bitte woanders, damit ich mit meine Hubschrauber landen kann.
    Ach du warst das! Wir dachten schon da kommt die Kavallerie! Man hat ja auch nirgendwo seine Ruhe ...

  • IrishBastard17.12.2019, 06:25

    ich finde das ganz ok so, mal nicht alles von der Sonnenseite, und das man auf der Hut sein muß.
    wenn die posutiven Erfahrungen überwegen, ist doch ok!
    würde mir auch kein Auto an die Backe nageln, brauche in D-Land auch nicht !
    work-life balance, arbeiten um zu leben, nicht umgedreht!
    ich komme überall ohne Kohle klar, no Money - No Problem!
    wenn man in Irland sogar Geld verdienen kann, warum nicht!

    wenn einen die Banken mit ner guten Geschäftsidee unterstützen,
    weil sie gutes Geld verdienen wollen!

    Ich würde mehr die abgelegen Pubs aufsuchen,
    wo die Leute noch kommen, um sich normal zu treffen,
    so etwas gibt es bestimmt noch!?

  • Pooka17.12.2019, 09:49

    Guten Morgen,

    das mit der work - life balance ist eine lustige Sache.
    In diesem Jahr hatte ich eine Kollegin fuer die das auch sehr sehr wichtig war.
    Nach ein paar Tagen musste ich mich aber fragen was fuer ein kleines Leben sie doch haben
    muss. Das bischen Arbeit was sie geleistet hat konnte nicht viel ausbalancieren.
    Trotzdem war sie immer arg gestresst. Zum Glueck ist sie nicht lange geblieben.
    Fuer mich ist meine Arbeit Teil meines Lebens und das eine muss das andere nicht ausbalancieren.
    Vielmehr ergaenzen sich beide.
    Anyroad,
    das mit den Pubs habe ich nicht so ganz verstanden. Wenn ich in Westport in einen Pub gehe mache ich das,
    und wahrscheinlich alle anderen auch, um sich 'normal' zu treffen. Genauso sieht es dann hier in Tourmakeady
    aus. Wie trifft man sich denn 'unnormal'?


    take care be good

  • IrishBastard18.12.2019, 07:07

    work - life balance heißt für mich,
    soviel oder sowenig zu arbeiten, wie ich drauf Lust & Laune habe,
    eigentlich mehr arbeiten, weil ich work a holic bin, aber Arbeit nicht unbedingt als Last,
    sondern als Freude empfinde, natürlich nur für mich selbst.

    dann will ich gerne mal n "Timeout" nehmen,
    dazu reicht mir unberührte Natur, n Fluss oder ne Küste oder einfach nur n einfaches Pub,
    wo es keine Touris gibt, um paar Pints zu nehmen und sich mit Nachbarn unterhalten...

    wenn dazu noch ne kleine einheimische Band spielt, umso besser,
    aber nicht zwingend !

    denke schon, das es so etwas noch gibt an der Westküste,
    da ist auch der Grund für mich, nach Irland zu gehen!

  • Nenad Ptic22.12.2019, 10:33

    Nenads Irisches Tagebuch feiert zehnjähriges Jubiläum! Am 20.10. 2009 habe ich den Blog gestartet, inspiriert durch den damaligen Irlandforum Moderator und Irland Experten Bernd Biege. Eigentlich wollte ich mir nur den Frust von der Seele schreiben über das Leben in Irrland, die Kuriositäten des Alltags und das beschissene Wetter. Von 2004 bis 2009 war Irrland für mich Kerrygold, doch dann fuhren wir in Urlaub nach Portugal und nichts war mehr so, wie es mal war. Ich hatte die Schnauze voll von der Kackinsel und wollte nur noch weg. Fünf Jahre sollte es noch dauern und die Rezession machte es nicht unbedingt einfacher. Völlig pleite und desillusioniert schafften wir 2014 den Rückweg nach Germanistan. Seitdem hat sich alles verändert. Heute hat der Blog weniger mit Irrland zu tun als viel mehr mit der politischen Lage in Deutschland. Ich schreibe und poste mir immer noch den Frust von der Seele. Der Name des Blogs ist geblieben, weil's so schön ist. Ich möchte mich bei meinen Lesern und Followern in der ganzen Welt bedanken. Schön, dass es euch gibt. Dieser Blog ist nach wie vor eine Fundgrube an interessanten Dingen über das nicht ganz alltägliche Leben eines Musikers in Irrland ... und jetzt wieder in Deutschland. Ich hoffe, ihr bleibt mir weiterhin treu. Abschließend möchte ich Alexis Carell zitieren:

    Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben zu geben.

    So long ...

  • ShannonS23.12.2019, 20:45

    Geld ist nicht alles.....es kommt auf die Einstellung zum Leben an.
    Spreche aus Erfahrung....

  • IrishBastard24.12.2019, 02:55

    kann man denn in Irland n seriöses Business starten,
    oder wird man nur abgezockt und ausgeraubt, früher oder später?

  • ShannonS24.12.2019, 12:52

    Liegt viel an dir....lass dich halt nicht abzocken....
    Ich denke es kommt schwer auch auf das Gewerbe an.
    Dienstleistung wird im allgemeinen hier sehr geschätzt.

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