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  1. Die Gälen 300 v.Chr. # 1
    Niall

    Die Gälen 300 v.Chr.

    Hallo Irlandfreunde,
    ich habe mich in diesem Forum angemeldet, da ich gerne Informationen über Irland und speziell über die Gälen um 300 v.Chr. einholen möchte. Der Grund ist ein einfacher, ich spiele in einem Onlinegame und dort gibt es eben die Gälen als Volk, und da dieses Spiel stark Rollenspieltechnisch angehaucht ist, würden wir es gerne authentisch spielen. Allerdings haben wir ausser unserer Sympathie Irlands gegenüber, keine tieferen Einblicke in die Kultur der Gälen, und da das Internet auch nur begrenzt Informationen dazu liefert, hoffe ich das ich hier mehr Infos erfragen kann.

    Mich würden zuerst interessieren ob mein erwählter Name "Niall Mac an Ghaill" als gälischer Name durchaus realistisch erscheint. Wie gesagt mein Wissen habe ich von diversen Internetseiten...

    Ich hoffe das ihr mir weiterhelfen könnt, und das ich mit meinem generellen anliegen hier im Irlandforum willkommen bin.

    LG Heiko

  2. Die Gälen 300 v.Chr. # 2
    irlins
    Gälen ... naja, vielleicht bietet Google unter "Kelten" mehr?

  3. Die Gälen 300 v.Chr. # 3
    TAFKAD

    Re: Die Gälen 300 v.Chr.

    Zitat Zitat von Niall
    Mich würden zuerst interessieren ob mein erwählter Name "Niall Mac an Ghaill" als gälischer Name durchaus realistisch erscheint.
    Ja, es ist ein realistischer Name

    (Bedeutung: Sohn des Fremden)

  4. Die Gälen 300 v.Chr. # 4
    Niall

    Re: Die Gälen 300 v.Chr.

    Zitat Zitat von irlins
    Gälen ... naja, vielleicht bietet Google unter "Kelten" mehr?
    Natürlich bietet google und die Kelten mehr Informationen, leider ist in der Regel dann nicht mehr von den "irischen" Kelten die Rede, sondern eher der gallische Raum, und andere Landstriche.

    Zitat Zitat von Dianne
    Ja, es ist ein realistischer Name

    (Bedeutung: Sohn des Fremden)
    Vielen Dank, hatte gehofft das ich da alles richig gemacht habe.

    Gehört zwar nicht wirklich unter die gällische Sprache, aber ich wüsste auch nicht wo ich es sonst in diesem Forum besser ansprechen sollte, aber könnte man die Entstehung der Gälen wie folgt zusammenfassen?

    "Weise Druiden erzählen diese Schöpfungsgeschichte über unsere Heimat: Die ersten Bewohner unserer Heimat waren die Firbolg, sie waren Jäger, Fischer und Sammler, die später in die gälische Mythologie einziehen sollten. Die Firbolg wurden von den Túatha Dé Danann, ihres Zeichen Nachfahren der Muttergöttin Ana und Beherrscher der Magie, aus Irland vertrieben. Viele Jahre später waren es dann die Túatha Dé Danann die von den Kinder des Milesius vertrieben wurden. Die Kinder des Milesius sind die Vorfahren der Gälen. In ihrer Großzügigkeit erlaubten die Gälen den letzten Überlebenden der Firbolg sich wieder in ihren Landen anzusiedeln."
    Wieder einmal habe ich mir das mit Hilfe von google und Wiki zusammen gereimt, und hoffe das jemand davon ein wenig Ahnung oder Hintergrundwissen hat ^^

  5. Die Gälen 300 v.Chr. # 5
    Labhrás
    Hmm, der Name ist im heutigen Irisch realistisch, auch die letzten Jahrhunderte.
    Wie das Irische allerdings vor 2300 jahren 300 v.Chr. aussah, das weiß man nicht.
    Das war ja erst kurz nachdem die Kelten auf die Insel kamen.
    Erste schriftl. Formen des Irischen gibt es erst 800 Jahre später.

    Etwas etymologisch geraten wäre Niall Mac an Ghaill da wohl eher sowas ähnliches wie Nidu?los Maqos (sindi) Galli (falls damals schon Namen in der Form "X Sohn (des) Y" in Mode waren, und man die Gallier (= Fremde) vom Festland überhaupt kannte.
    Aber man muß es ja mit dem Realismus auch nicht übertreiben.

  6. Die Gälen 300 v.Chr. # 6
    Niall
    Wir schreiben die Geschichte schließlich auch neu, aber grundsätzlich finde ich es eben nicht schlecht sich ein bisschen an den wahren Begebenheiten zu orientieren. Ich habe in dem Spiel bereits 2 Söhne und denen habe ich die Namen Alasdair und Egan Mac an Niall verpasst. Also Sohn des Niall (mein momentaner Vorname), ob ich das so richtig verstanden habe, wage ich zu bezweifeln, aber gefällt mir trotzdem ^^

    Meine Frau heißt dort im übrigen Fiona Bean Ui Ghaill...

    Aber nochmal zur Geschichte und deren Neuschreibung... die Briten z.b. werden garantiert nicht die Gälen bzw. die Iren unterdrücken, dass steht so gut wie fest, und die Pikten sind unser Brudervolk

  7. Die Gälen 300 v.Chr. # 7
    Labhrás
    Zitat Zitat von Niall
    Alasdair und Egan Mac an Niall verpasst. Also Sohn des Niall (mein momentaner Vorname), ob ich das so richtig verstanden habe, wage ich zu bezweifeln, aber gefällt mir trotzdem ^^
    Alasdair ist schottisch, irisch wäre eher Alastar, ist als Name in Irland aber eher ungebräuchlich.
    Egan ist englisch, irisch schreibt sich das Aodhagán
    Sohn Nialls ist Mac Néill (Néill Genitiv von Niall, Eigennamen ohne Artikel an)
    Zitat Zitat von Niall
    Meine Frau heißt dort im übrigen Fiona Bean Ui Ghaill...
    Den Namen "Fiona" hat sich erst James MacPherson (der Erfinder des Ossian) ausgedacht. Das kommt vom gäl. Wort fionn = blond, Fionn ist aber ein männl. Vorname. Einfach +a = weiblich klappt im Irischen nicht. Fionnghuala ist grad die einzige weibl. Form, die mir einfällt, es gibt aber sicher noch ein paar andere.
    Bei "Ui" gehört ein Akzent aufs i:
    Zitat Zitat von Niall
    Aber nochmal zur Geschichte und deren Neuschreibung... die Briten z.b. werden garantiert nicht die Gälen bzw. die Iren unterdrücken, dass steht so gut wie fest, und die Pikten sind unser Brudervolk
    Das haben die (Briten, also Waliser u.a. keltische Einwohner Britanniens) ja auch nie gemacht, nur die Engländer. Früher war es eher umgekehrt: Das heißt, die Iren haben die Küsten von Wales heimgesucht und dabei z.B. den ollen Pádraig als Sklaven genommen und nach Irland geholt.
    Pikten und Iren haben sich auch eher leidlich gut verstanden, jedenfalls nachdem die Iren Schottland erobert hatten.

  8. Die Gälen 300 v.Chr. # 8
    Niall
    Du bist ja ein Quell des Wissens wenn ich das so sagen darf ^^

    Hast du vielleicht auch noch nen Paar Infos welches die bedeutesten Feste oder Gebräuche der Gälen waren?

  9. Die Gälen 300 v.Chr. # 9
    Labhrás
    Bedeutende Feste:
    • Imbolg (< Imbolc, 1. Feb.),
      Bealtaine (< Beltaine, 1. Mai)
      Lúnasa (< Lughnasadh, 1. August),
      Samhain (1. Nov.)

    Google und Wikipedia wissen bestimmt viel mehr dazu, als ich sagen könnte.

  10. Die Gälen 300 v.Chr. # 10
    Gast22657
    Also, Niall, nach den ganzen Informationen drum rum wäre ich jetzt echt neugierig, welches Spiel du da spielst… Wär’s möglich, dass du das verrätst?

  11. Die Gälen 300 v.Chr. # 11
    TAFKAD
    Zitat Zitat von Cláirseach
    ... welches Spiel du da spielst… Wär’s möglich, dass du das verrätst?
    Ich tippe auf http://antique-empire.de/

  12. Die Gälen 300 v.Chr. # 12
    Gast22657
    Ach ja…die Grafik ist ja herzig…sie sieht etwas antik aus (passt zum Spielnamen…) .
    Und? Zufrieden mit dem Spiel?

  13. Die Gälen 300 v.Chr. # 13
    Niall
    Entschuldigung, mich hat ne schwere Grippe aus meiner Umlaufbahn geschlagen. Ja, es handelt sich in der Tat um das bereits erwähnte Spiel. Ich spiele es sehr gerne, da es mit wenig Zeitaufwand zu spielen ist, im Prinzip reichen 5 Minuten täglich vollständig aus um deinen Krieger/ Dorf zu managen.

    Hier mal ein kleiner Einblick in die Welt der Gälen, wir haben eine kleine Zeitung im Spiel erschaffen.



    Grundsätzlich dreht es sich im Spiel nur darum deinen Krieger zu trainieren und auszurüsten, dein Dorf auszubauen und deine Einnahmen zu erhöhen. Auswertungen finden einmal um 24 Uhr statt, von daher ist es relativ streßfrei im Gegensatz zu vielen anderen Online oder Browsergames. Da ich den "Aussenminister" der Gälen spiele, mische ich auch RP-Technisch in den dementsprechenden Foren mit, und finde das es ein Volltimejob ist. ^^ Da kann aber jeder Mitspieler selber entscheiden, wieviel Zeit er in das Spiel investiert, einmal täglich kurz on kommen reicht wie gesagt auch. Mit den Kriegern werden des weiteren Heere erstellt und diese nehmen halt andere Landstriche ein. Irland ist bis auf Munster in gälischer Hand, und auf Wales steht ebenfalls ein gälischer Hafen und ist in unserer Hand.

    Am besten einmal selber anschauen, es gibt zwar auch einen Premiumbereich (bessere Pferde und Volksausrüstung), aber es lässt sich genauso gut kostenlos spielen. Einfach anmelden, und dann den Gälen anschließen. ^^

    Das Spiel läuft übrigens erst seit knapp nem halben Jahr...

  14. Die Gälen 300 v.Chr. # 14
    barnacle bill
    Zitat Zitat von Labhrás
    Das war ja erst kurz nachdem die Kelten auf die Insel kamen.
    Die Kelten waren nie auf "der Insel".

  15. Die Gälen 300 v.Chr. # 15
    Labhrás
    Zitat Zitat von barnacle bill
    Zitat Zitat von Labhrás
    Das war ja erst kurz nachdem die Kelten auf die Insel kamen.
    Die Kelten waren nie auf "der Insel".
    Wie das?

  16. Die Gälen 300 v.Chr. # 16
    Gast12952
    Meint er die Roemer ?

  17. Die Gälen 300 v.Chr. # 17
    aisteoir
    Labhrás hat Folgendes geschrieben:
    Das war ja erst kurz nachdem die Kelten auf die Insel kamen.


    Die Kelten waren nie auf "der Insel".
    ...Name:  11998_ohnmacht_1.gif
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    Vielleicht doch den Vorschlag mit dem Googlen mal ausprobieren.Name:  11998_mx21_1.gif
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  18. Die Gälen 300 v.Chr. # 18

  19. Die Gälen 300 v.Chr. # 19
    barnacle bill
    Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht 

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    Dann nennt mir einen Beweis für eine überwiegende Besiedlung Irlands durch die Kelten?

  20. Die Gälen 300 v.Chr. # 20
    irlins
    Zitat Zitat von barnacle bill
    Dann nennt mir einen Beweis für eine überwiegende Besiedlung Irlands durch die Kelten?
    Die tollen keltischen Spiralmuster auf den Steinen von Newgrange!

    SCNR

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  • Gast2265712.03.2010, 20:52

    „Verlässlich“…hm, tja, objektiv war er nie – aber wer war das schon zu Cäsars Zeiten, wenn er Imperator war und über den Feind schrieb.
    Tacitus an sich kenne ich nur von dem Thema „Nero und Poppaea“…interessant, dass er auch hier vertreten ist.
    Ja, dass Agricola geschrieben hat, dass man „Hibernia“ leicht einnehmen könnte, ist mir bekannt. Dass die Bewohner ähnlich seien wie die Briten – wusste ich auch nicht. Nun fragt sich aber: Wen meint Agricola mit den „Briten“? Meint er die römische Besatzung oder die dort ansässigen keltischen Stämme?
    Ich glaube eher letzteres, da die Römer sich selbst ja als Römer sahen und nicht als Briten…oder?

  • irlins12.03.2010, 21:08

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Ja, dass Agricola geschrieben hat, dass man „Hibernia“ leicht einnehmen könnte, ist mir bekannt.
    Und wo hat er das geschrieben?

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Dass die Bewohner ähnlich seien wie die Briten – wusste ich auch nicht.
    Das ist das einzige, was Agricola (laut Tacitus) über die Bevölkerung Irlands sagt - Dein "Kronzeuge" zum Thema ist soeben aus dem Fenster geflogen.

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Nun fragt sich aber: Wen meint Agricola mit den „Briten“?
    Wenn Tacitus (!) von den Briten spricht, meint er exakt dasselbe, als wenn er von den Germanen spricht - Nicht-Römer. Es kam vor, dass sich Klienten als "Römer" gesehen haben. Es haben sich jedoch m.W. nie Römer als "Briten" oder "Germanen" gesehen.

    BTW - Caesar war nicht Imperator, sondern zuletzt Dictator Perpetuus

  • Gast2265712.03.2010, 21:32

    Wo er das geschrieben hat, weiß ich nicht. Dafür bin ich noch nicht tief genug in die Materie der lateinischen Originaltexte eingetaucht (gehe jetzt gerade in die siebte Klasse Oberstufe…). Wir haben eben nur gelernt, dass er es gesagt hat. Außerdem steht das auch in wissenschaftlichen Aufbereitungen der irischen Geschichte (z.B. das Buch „Kleine Geschichte Irlands“). Dort steht eben auch, dass Irland leicht einzunehmen wäre. Wie gesagt, den dementsprechenden lateinischen Text habe ich nicht gelesen. Und hier sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass auch Tacitus kein ausschließlich objektiver Chronist war…
    Eben – dann sprach Tacitus von den in Britannien ansässigen Kelten und dann war es doch klar, dass diese Ähnlichkeit hatten mit der irischen Bevölkerung – weil es sich bei der ja auch um Kelten handelte…
    Sorry wegen des „Imperator“. Das war nicht Cäsars Titel, sondern einfach das lateinische Wort für „Herrscher“…hab mich da wohl ein bisschen von der Übersetzung deutscher in lateinische Texte hinreißen lassen, die wir gerade üben

  • aisteoir12.03.2010, 22:17

    @Cláirseach
    Nur falls es interessiert, hat Caesar keine genauen Kenntnisse über Irland (Hibernia). Z.B. wirft er Informationen über Irland und Island durcheinander (Bellum Gallicum V,13).
    Aber das nur am Rande bemerkt. Diskutiert bitte ungestört weiter.
    Anhang 1849

  • Gast1295212.03.2010, 22:40

    http://www.zeno.org/Pierer-1857/A/Irland+%5B2%5D

    (Man setzte fuer das "J." ein "I" ein oder es steht halt fuer "Jerne", laut Strabo)

  • aisteoir12.03.2010, 23:03

    Anhang 1850...
    @sheepcloud
    Ich kann zwar nicht Deine angegebene Quelle bewerten, aber hört sich ganz gut an.
    Danke!Anhang 1851

  • irlins13.03.2010, 09:28

    Dass ich mich im hohen Alter und überhaupt mit lateinischen Quellen beschäftige - von Kuddel Rössler bis Jorit lachen alle in den Rängen (don't ask!). Aber Cláirseachs überzeugtes Auftreten hat mich einfach verführt ...

    Nun denn, einmal mehr in die Bresche ...

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Wo er das geschrieben hat, weiß ich nicht.
    Ich mach es kurz - eventuell in einem Brief an seine Lieben daheim oder in seinem Tagebuch, beides kennen wir nicht. Die von Agricola angeblich gemachten Aussagen über Irland stammen aus einer sekundären Quelle, nämlich Tacitus' "Leben des Agricola". Und dies war keineswegs ein wissenschaftliches Werk, als Agricolas Schwiegersohn verfolgte der alte Tacitus da schon persönliche Interessen.

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Wir haben eben nur gelernt, dass er es gesagt hat.
    Wichtiger Hinweis: Gelerntes "Wissen" immer überprüfen. So manche seit Mommsens Zeiten durch die Lehrbücher schwirrende Information ist eigentlich eine Art Treppenwitz der Geschichte (zu dem Thema gab es einmal ein sehr erhellendes, gleichnamiges Buch).

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Außerdem steht das auch in wissenschaftlichen Aufbereitungen der irischen Geschichte (z.B. das Buch „Kleine Geschichte Irlands“). Dort steht eben auch, dass Irland leicht einzunehmen wäre. Wie gesagt, den dementsprechenden lateinischen Text habe ich nicht gelesen.
    Der komplette Text (ernsthaft) ist oben in englischer Überstzung zu finden, mehr Informationen hat uns Agricola (via Tacitus) nicht geliefert. Irland ist eine Insel, kleiner als Britannien und grösser als Korsika, die Bewohner sind "ähnlich" den Briten wie das Land überhaupt auch, eine Legion (und, man beachte, eine ungenannte Zahl an Auxiliares) und Irland ist unser. Roma Victrix!

    Über Agricolas militärische Einschätzung kann man nun vortrefflich streiten. Einen Beleg dafür findet man nämlich nicht.

    In ungefähr 99% der Irlandbücher steht auch, dass Patrick das Christentum nach Irland brachte. Macht die Aussage nicht richtiger.

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Und hier sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass auch Tacitus kein ausschließlich objektiver Chronist war…
    Sag ich doch eben ... siehe "Germania", das "Irische Tagebuch" seiner Zeit ...

    Zitat Zitat von Cláirseach
    Eben – dann sprach Tacitus von den in Britannien ansässigen Kelten ...
    Ja. Von wem auch sonst? Römische Konventionen waren da ziemlich eindeutig. Allerdings sprach er von den Briten, nicht von den Kelten. Kleiner aber eventuell gewichtiger Unterscheid.

    Zitat Zitat von Cláirseach
    ... und dann war es doch klar, dass diese Ähnlichkeit hatten mit der irischen Bevölkerung – weil es sich bei der ja auch um Kelten handelte…
    Nein - wie kommst Du auf diesen gewagten Rückschluss?

    Die historische Situation war wie folgt: Agricola beschäftigte sich einige Jahre mit den Briten und geriet dann an einen irischen Flüchtling, der ihm etwas aus der Heimat erzählte. Wie genau diese Gespräche abgelaufen sind und welchen Hintergrund sie hatten, das wissen wir nicht.

    Bekannt ist uns nur Agricolas angebliche Analyse, die Iren seien "ähnlich" den Briten. Das ist in etwa eine so genaue Aussage wie "Sächsische Kreuze sind ähnlich keltischen Kreuzen!" oder "Keltische Schmuckstücke sind ähnlich den Schmuckstücken der Wikinger!", um zwei ganz banale Beispiele zu nehmen.

    Aus der Sicht des an der Küste vorbeifahrenden und nur punktuell Kontakt habenden Holländers waren die chinesischen, koreanischen und japanischen Kulturen vor 1850 auch "ähnlich".

    Du kannst die Aussage eines Römers aus zweiter Hand über die Ähnlichkeit zweier Kulturen, von denen eine ihm nur wirklich bekannt ist, nicht als Teil eines Zirkelschlusses nehemn: "Agricola sagte, da sind Kelten, weil er sagte, die seien den Briten ähnlich, weil die Briten waren ja Kelten und Agricola musste das auch sagen, weil die Iren ja Kelten waren!"

    Letztlich kann man sich auch Agricola daheim bei einer Amphore Wein vorstellen, der seinem Schwiegersohn zum x-ten Mal mit der Story "I could have been someone, I could have been a contender!" auf den Zeiger ging. Opa erzählt wieder Kriegsgeschichten. Wie er im Alleingang Irland erobern hätte können, zur Ehre Roms. Ja, Opa ... wie damals in den Ardennen ...

  • aisteoir13.03.2010, 11:16

    Tacitus seriöseste Informanten...
    Anhang 1852



    Anhang 1853Anhang 1854Anhang 1855Anhang 1856Anhang 1857

  • Gast1295213.03.2010, 11:21

  • barnacle bill15.03.2010, 11:40

    Zitat Zitat von Labhrás
    Sie haben die Sprache mitgebracht. Das klappt nicht als Import und ein paar Touristen reichen dafür auch nicht. Das müssen schon ein paar mehr gewesen sein.

    Glaub ich nicht unbedingt.

    Hier ein kurzer Ausschnitt aus einer Studienarbeit aus dem Bereich Archäologie:

    Zum Abschluß möchte ich die Schwachpunkte der Definition des Keltenbegriffs aus sprachwissenschaftlicher Sicht zusammenfassen: Wir erhalten Hinweise auf Gebiete und Zeiträume, in denen eine keltische Sprache gesprochen worden sein kann. Doch diese Hinweise sind aufgrund der schlechten Überlieferung und der großen Freiheit zur Interpretation sehr unsicher. Zweitens muß ein so „nachgewiesener“ Sprachraum nicht mit einer keltischen Kultur oder Siedlungsgebieten von Menschen übereinstimmen, deren Muttersprache keltisch war, weil es nicht eindeutig möglich ist, eine Sprache überhaupt zu definieren oder genau von einer anderen abzugrenzen, und zusätzliche Sprachdrift, Lehnwörter und Übernahme von Namen aus Bewunderung die Grenzen zusätzlich verwischen.



    Den ganzen Text gibt es hier: http://www.coinneal.com/documents/ethnizitaet.pdf

  • barnacle bill15.03.2010, 11:51

    Und noch ein kleiner Artikel, der meine "Bedenken" stützt (spart mir viel Arbeit):

    Lässt sich denn ein Bezug der Inselkelten zu den Festlandkelten nachweisen? Schließlich existieren ja eindeutig keltische Sprachen in Britannien, und irgendwie muss doch das Keltische dorthin gekommen sein, von wo es dann letztendlich den Weg in die Bretagne fand. In Südengland belegen altkeltische Funde, dass es dort in der Eisenzeit laufend Kontakte zum Festland gab, es sind aber keine Zuwanderungen erkennbar, sondern eine bruchlose Entwicklung von der Bronze- in die Eisenzeit (vgl. Ade/Willmy, S. 69). Einwanderungen beginnen erst am Ende des 2.Jh. v.Chr., und mit ihnen beispielsweise auch gallische Importe. Laut Caesar siedelten auch belgische Stammesangehörige im südenglischen Hinterland, und es gab rege Beziehungen über den Ärmelkanal. Große Kelteninvasionen gab es aber nicht. Weiter in den Norden Englands nehmen die altkeltischen Funde stark ab, und Irland, wo kaum Latène- oder Hallstattfunde auftreten, muss sich fragen lassen, wie "keltisch eigentlich seine Kelten" waren (Mc Eoin 1986, nach Birkhan, S. 35). Irlands kulturelle Wurzeln liegen aus archäologischer Sicht in der Bronzezeit.

    So weit ein Abriss über die Herkunft der Kelten, der die Schwierigkeit beinhaltet, eindeutig sagen zu können, welche Stämme (allgemein und speziell die der Bretagne) überhaupt als Kelten zu bezeichnen sind (vgl. Birkhan, S.32 ff.). Die Archäologie kann aus den von ihr gefundenen Gegenständen nicht ableiten, ob diese sich durch kulturelle Beeinflussung und Handel oder durch expandierende Stämme ausgebreitet haben (so wenig, wie man aus dem heutigen verstärkten Vorkommen von Cola-Dosen, Baseballkappen und Jeans in Europa auf eine nordamerikanische Invasion schließen kann). Um zu eindeutigeren Aussagen zu kommen, müssten zusätzliche, nicht materielle Kulturgüter wie Sprache, Religion oder die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens des betreffenden Personenkreises bekannt und als keltisch erkennbar sein. Tatsächlich kennt man darüber viele Details, nur bezieht sich ein Großteil des Wissen auf die Zeit ab den gallischen Kriegen Caesars. Problematisch wird es, wenn wir zu den Ursprüngen der Kelten gehen, "denn je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger wird die immaterielle Seite greifbar, so dass am Ende der Archäologe vor seinen Funden steht und sich fragt, ob diese [...] eigentlich noch "keltisch" seien. Im Grunde sind ihm die Kelten schon abhanden gekommen" (Birkhan, S. 33). Und auch der umgekehrte Fall tritt auf, dass in offensichtlich keltischen Gebieten die Funde aus der Latène- oder Hallstattzeit nicht mit den archäologischen Erwartungen übereinstimmen. So wird im Gebiet der Averner, der "Musterkelten", deren Keltentum als historisch völlig gesichert gilt, faktisch keine Latènekultur aufgefunden, so dass Irlands "Problem" doch stark relativiert ist. Unklarheiten noch und noch.

    Ist die archäologische Verknüpfung Kelten = Angehörige der Latènekultur zu eng gefasst? Könnte die keltische Sprache bereits weit vor der Bronzezeit in die Bretagne und auf die britischen Inseln gekommen sein und mit den "archäologischen Kelten" garnicht zwingend verknüpft sein? Die Sprachwissenschaft, die die keltischen Sprachen zu den indoeuropäischen Sprachen zählt, nimmt spekulativ eine indoeuropäische Ursprache an, die um 3500 v.Chr. in Kleinasien existiert haben könnte und sich von dort aus verbreitet hat. Damit verbunden könnten Wanderbewegungen des indogermanischen Urvolkes sein, so dass die von der Archäologie gefundenen kulturellen keltischen Gemeinsamkeiten auf wesentlich ältere gemeinsame Wurzeln zurückgehen. Vielleicht leistete auch die oben erwähnte Urnenfelderkultur einen Beitrag zur Verbreitung von Vorformen der heute als Keltisch bezeichneten Sprachen, weiter oben habe ich ja bereits erwähnt, dass Cunliffe für diese Kultur annimmt, sie hätten indogermanische Dialekte gesprochen. Können Spekulationen um die Herkunft der keltischen Sprache in irgendeiner Weise durch die Genetik erhellt werden? Populationsgenetiker beschäftigen sich bereits mit dem Zusammenhang zwischen dem genetischen Verwandtschaftsgrad verschiedener Völker und dem Verwandtschaftsgrad ihrer Sprachen.

    Literatur:
    B. Cunliffe: Die Kelten und ihre Geschichte. 6. Aufl. Bergisch-Gladbach 1996
    D. Ade und A. Willmy: Die Kelten. Stuttgart 2007
    H. Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. 2. Aufl. Wien 1997

    Aus: http://www.bretagne-tip.de/geschichte/kelten.htm

  • barnacle bill15.03.2010, 11:55

    Wer gerne zu dem Thema weiterlesen möchte:


    http://books.google.de/books?id=G73f...age&q=&f=false

  • barnacle bill15.03.2010, 12:00

    Oder auch:


    Anhang 1881


    http://www.apaclassics.org/AnnualMee...cts/collis.pdf

  • barnacle bill15.03.2010, 12:02

    Zitat Zitat von irlins



    Letztlich kann man sich auch Agricola daheim bei einer Amphore Wein vorstellen, der seinem Schwiegersohn zum x-ten Mal mit der Story "I could have been someone, I could have been a contender!" auf den Zeiger ging. Opa erzählt wieder Kriegsgeschichten. Wie er im Alleingang Irland erobern hätte können, zur Ehre Roms. Ja, Opa ... wie damals in den Ardennen ...

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