• Der Oraniertag - nordirische Geschichte unter dem Brennglas

    Wo wird gefeiert?

    Der Orangemen’s Day ist ein genuin nordirischer Feiertag. Der Oraniertag ist wie ein Blick durchs Brennglas auf die an Konflikten reiche Geschichte der protestantischen Bevölkerungsmehrheit und der katholischen Minderheit in Nordirland. Mit nordirischen Auswanderern fand der Feiertag seinen Weg nach Neufundland und Labrador in Kanada sowie in Teile der USA. Auch in Schottland und England wird der Tag von einigen protestantischen Gruppen begangen.

    Wann und warum wird gefeiert?

    Der Orangemen’s Day wird seit dem Jahr 1795 gefeiert. Auf Deutsch wird er meist Oraniertag genannt. Datum des Feiertags ist der 12. Juli. Auf Englisch spricht man auch von Orange Day, Glorious Twelfth (der glorreiche Zwölfte) oder Battle of the Boyne Day. Vor allem die letztgenannte Bezeichnung weist den Weg zum historischen Hintergrund dieses Feiertags: Im Konflikt zwischen dem protestantischen Prinzen Wilhelm III. von Oranien und dem früheren englischen König Jakob II. kam es am 1. Juli 1690 zur Schlacht. Wilhelm III. war durch die Glorreiche Revolution neu zum protestantischen König von England, Schottland und Irland ernannt worden. Jakob II. war im Vorfeld als König abgesetzt worden und versuchte nun, den Thron zurückzuerobern.

    Die Schlacht an sich war zwar nicht kriegsentscheidend, aber die einzige des Konflikts, in dem die beiden Könige direkt aufeinandertrafen. Prinz Wilhelm von Oranien siegte und blieb in der Folge König von England. Die siegreiche Schlacht wurde für viele Protestanten zum Symbol für den Triumph der Protestanten über die Katholiken.

    König Wilhelm von Oranien wird auf Englisch King William of Orange genannt – daher die Bezeichnung des Feiertags als Orange Day bzw. Orangemen’s Day. Seit der Umstellung von julianischem auf gregorianischen Kalender fällt der Tag auf den 12. Juli und wurde zum „Glorious Twelfth“. Battle of the Boyne wird die Schlacht nach dem Ort des Geschehens, dem Fluss Boyne, genannt.

    Wie wird gefeiert?

    12. JuliDer 12. Juli ist in Nordirland gesetzlicher Feiertag. Schulen, Ämter und die meisten Betriebe und Geschäfte bleiben geschlossen.

    Der Oranier-Orden veranstaltet am Orangemen’s Day große Aufmärsche. Welche Bedeutung für das gesellschaftliche Leben diese Märsche haben, wird daran deutlich, dass der Oranier-Orden mit rund 70.000 Mitgliedern die größte Organisation der Protestanten in Nordirland ist. Zwar sind die Monate April bis August für Oranier eine regelrechte Marschsaison und die Aufmärsche zum 12. Juli sind mitnichten die einzigen im Jahresverlauf. Sie sind jedoch mit Sicherheit der Höhepunkt der Oraniermärsche. Die Teilnehmer der Märsche tragen häufig schwarze Anzüge, schwarze Hüte, weiße Handschuhe und Schärpen aus dünnem, orangefarbenem Stoff.

    Während der besonders spannungsgeladenen Zeiten des Nordirland-Konflikts kam es am Rande der Oraniermärsche häufig zu Ausschreitungen zwischen triumphierenden Protestanten und sich geschmäht fühlenden Katholiken. Vor allem in Belfast, wo die traditionelle Marschroute auch durch vorwiegend katholisch besiedelte Straßen führte, kam es zu Straßenschlachten. Um die katholische Bevölkerungsmehrheit nicht zu provozieren, wurde nach blutigen Auseinandersetzungen von Teilen der Marschroute abgesehen. Seit der allgemeinen Beruhigung der Lage in Nordirland verlaufen die Feierlichkeiten weitgehend friedlich. Traditionell geht dem Orangemen’s Day die Bonfire Night voraus, in der aus Holzpaletten (und verbotenerweise auch alten Autoreifen) viele Meter hohe Türme aufgeschichtet werden, die dann in Brand gesetzt werden.