Servus,

nachdem es diesen Juli geklappt hat, möchte ich mich ein bisschen über meine Radtour durch Irland auslassen.
Dabei soll es auch ganz geziehlt um Wissenswertes gehen, dass einem gewaltig bei Planung helfen kann - bzw. dabei zu merken, dass keineswegs jede Sekunde durchplant sein muss, will man seinen Flieger zurück noch erwischen.

Dauer : 15 volle Tage
Tour mit Ausgangspunkt Dublin:

1.) Lucan Village mit Übernachtung im SPA Hotel (ungewollt)
2.) Edenderry /
3.) Tullarmore / B&B
4.) Athlone / Athlone Camping (53°26'54.86"N 7°53'29.50"W)
5.) Galway / Salthill Campingplatz (von Athlone aus mit Bus Eireann)
6.) Cong / Cong Caravan and Camping Park
7.) Westport / Caravan and Camping Site
8.) Sligo / von Westport mit Bus Eireann
9.) Lough Key Forrest Park (nahe Boyle) (Campingsite bei 53°58'59N / 8°14'09 W)
10.) Carrick on Shannon => Camping Platz etwas entfernt nahe Leitrim, genauer an der R284 =>Campings Site Battlebridge
11.) Dublin mit Bus Eireann



Fahrrad verpacken:

So, wie denn jetzt das Fahrrad verpacken? Was man auf den Internetseiten der Fluglinien lesen kann ist,
dass man die Pedale nach innen montieren, den Lenker quer stellen, die Luft aus den Reifen lassen und das Fahrrad verpacken soll.
Jetzt gibt es aber geschickte und ungeschickte Möglichkeiten des Verpackens. Ungeschickt ist es, wie ich es auf dem Hinweg gemacht habe und das ganze Rad in einen Fahhradkarton zu packen, den man vom örtlichen Fahrradhändler hat. Dann hat man eine sau schwere Wand aus Pappe. GESCHICKT ist es, den Karton so zurecht zu schneiden, dass die Räder noch ein kleine bisschen rausschauen, so bleibt das ganze schön rollbar. Am besten achtet man beim querlegen des Lenkers darauf, dass sich das Vorderrad noch ein bisschen nach links und recht drehen lässt, um besser um Kurven zu kommen. Dann muss das Rad nicht für jeden kleinen Richtungswechsel angehoben werden.

Um auch wieder einen Karton für den Rückweg zu bekommen, klappert man am Tag vor der Abreise am besten die örtlichen Fahrradläden ab - in meinem Fall in Dublin. Es gibt dort wirklich viele, die Chance ist also ganz gut. Oder man reserviert sich vorher einen. Das habe
ich allerdings nicht versucht. Für die, die daran denken, das Rad am Flughafen mit so einer Wickelmaschiene in Folie einzupacken, auf dem Dubliner Flughafen scheint es keine zu geben.


Klamotten

Es sollte im Hinterkopf behalten werden, dass ich im Juli da war. Es ist also nicht mit Minusgraden oder ähnlichem zu rechnen. Was sich zum fahren wirklich bewährt hat waren Plastik-Trekking-Sandalen - bei jedemWetter. Wenn die nass werden, sind sie am nächsten Tag wieder trocken und was ist an nassen Füßen schon so schlimm? Jedenfalls weniger, als wenn normale Schuhe erstmal nass sind, denn die hat man besser in der regendicht verpackten Tasche, um noch was Trockenes für Abends zu haben.

So sehr viele Sachen braucht man auch gar nicht, wie ich gemerkt habe. Ich hatte nämlich viel zu viel mit - und dadurch zu viel Gewicht. Was Sinn macht, sind diverse Unterhosen und Socken. Aber auch bei den Socken braucht man nicht 20 Paar. Es reichen für die 17 Tage eigentlich schon 7 bis 10. In den Sandalen muss man ja nicht welche an haben. Und wenn man nur Abends Socken anhat, kann man die auch ohne weiteres zwei - drei mal anziehen. Ich denke sinnvoll sind 2 Pullover, 1 Fleece, 1 Satz Skiunterwäsche zum campen, 2 lange Hosen, 1 Jogginghose, 2 oder 3 kurze Hosen, n´Haufen Unterhosen, für 17 Tage 7 bis 10 Paar Socken wenn nur Abends getragen sonst mehr, Regenjacke - Regenhose.


Kartenmaterial

Als Karte hatte ich mir eine 1:350.000 Übersichtskarte besorgt. Das ist insofern ganz praktisch, als dass außer in den etwas größeren Städten Dublin, Galway, Belfast etc. es sich um kleine Staätchen bis Dörfer handelt, in denen es dann eine bis zwei Kreuzungen gibt, an denen sich alles entscheidet, was dann ausgeschildert ist und die nächste Stadt steht, die sich dann auch auf der Übersichtskarte findet. Die Karte sollte auf jeden fall gegen den Regen in selbstklebendes Buchbindematerial eingeklebt werden!!! Kritisch ist es mit so einer
Karte allerdings aus oben genannten Ballungsräumen rauszukommen. Das sollte man nicht unterschätzen!!! Da empfiehlt es sich bei bekannter Route vorher über Routenplaner Informationen einzuholen, oder eben für die Orte Detailkarten zu haben. Eine extra Radkarte hatte ich nicht, da ich immer nur solche gefunden habe, wo feste Routen auf einem Kartenausschnitt beschrieben waren. Nichts desto trotz, kann es nicht schaden, den konventionellen Reiseführer dabei zu haben


Die sache mit den Inter city Bussen

In Irland wird das meiste mit Bussen erschlagen, das Schienennetz ist mit dem Deutschen nicht zu vergleichen. Es ist auf jeden Fall ratsam, sich Unterlagen über die Bus Eirean Linien zu besorgen. Das sind vollwertige Coaches mit Stauraum und man kann auch Fahrräder mitnehmen.
Dabei ist zu beachten, dass es extrem hilfreich ist, das Fahrrad vorher ebenfalls zu verkleinern wie für das Flugzeug - Pedale nach innen, Lenker quer. Das könnte manchmal den entscheidenden Platz sparen. Man sollte auch nicht auf die letzte Minute planen, je nach Beladung der Busse, kann man schon mal stehen gelassen werden und muss den nächsten nehmen(ist aber nur einmal passiert).
Wenn ich das richtig aufgefasst habe, gibt es nur eine Sorte Tickets für pauschal 10 Euro und 18 mit Fahrrad - kann ich aber nicht drauf schwören. So oder so, das fahren mit den Überlandbussen ist extrem günstig.
Informationen über den jeweiligen Ort bekommt man immer gut in den dortigen Touristeninformationen. (In Tullarmore ist die nicht mehr da, wo die Schilder einen hinführen wollen. Die ist am Bury Quay, wenn man über die R420 Curch Road reinkommt und dann auf die Collumcille Road nach rechts abbiegt und direkt
vor der Brücke über den Grand Canale links abbiegt - im Selben Haus, wo das Tullamore Dew drin ist, mit den aufgestapelten Fässern davor)


Darf´s ein Fahrradanhänger sein?

Da ich noch besondere Fracht dabei hatte, die relativ viel Platz brauchte, habe ich mir vor Zeiten mal einen Burly Flatbed Anhänger gekauft.
Ein teurer Spaß, aber ein klasse Gerät. Komplett aus Alu, Räder mit Schnellspannern versehen, und die Seitenteile sind über Splinte befestigt so dass sich das ganze Teil sehr flach machen lässt. So war ich so dreist und hatte das Teil für den Flugzeugtransport mit meinem Fahrrad zu einem Paket verarbeitet.


Straßen und Verkehr

Eines direkt vorweg - man sollte nicht zu dünn besaitet sein. Irland verfügt überlands über ganz wenige explizite Fahrradwege. Als Straßen finden sich meistens N-Nummern und M-Nummern. FINGER WEG von den M Straßen, das sind Autobahnen. Die N-Nummern hingegen sind dass, was hier Landstraßen
sind. Und die können zum Teil ziemlich eng werden. Man sollte auf den engeren öfter mal einen Blick nach hinten wagen. Wenn sich dort schon eine Schlange gebildet hat, sollte man bei der nächsten Bucht einlenken. Einige der N-Straßen hingegen sind wirklich groß. Auf gut frequentierten Strecken so groß, dass man sich auf einer Autobahn wähnt - es ist aber keine. Außerdem, wenn sie groß sind, haben sie oft eine extra Spur
für langsame Vehikel wie Traktoren, daher auch für Radfahrer gut geeignet - dann rauschen die LKW´s nicht 70 cm neben einem Lang (kann nämlich passieren). Da kann man ggf. vorher in Google Earth schauen und wenn es geht, seine Route etwas anpassen, wenn man das will.


Verpflegung

Darüber muss man sich nicht allzu viele Gedanken machen, man findet oft genug irgendeine Art von Supermarkt. Und Sonntag ist nicht Sonntag - also da sind Supermärkte auch auf. Man ist also nicht gezwungen, für drei Tage Ration mit sich rumzuschleppen. Was ich noch mit hatte war ein Campingkocher, die Gaskatusche hatte ich dann in Dublin besorgt (geht ja auch nicht anders). Ein guter Anlaufpunkt sind die TESCO Märkte, die sich
in einem ganz ähnlichen Segment bewegen wie Aldi. Ist auch ratsam, Lebensmittel sind in Irland wesentlich teurer. Da gab es Tage, an denen ich so viel ausgegeben habe, wie in DE in einer halben Woche. Als Vergleich, ein Liter Milch fängt bei rund 1,50€ bis 1,60€ an (schmeckt dafür aber echt HAMMER!!
Jedenfalls gibt es bei Tesco relativ günstig was man so als Grundstock brauchen kann. Die haben z.B. ganz brauchbaren Schinken und Käse. Und wegen der Kühlung muss man sich auch nicht so wahnsinnig den Kopf zerbrechen. Da es in der Regel nicht langanhaltend wirklich warm wird, halten
die verschiedenen Lebensmittel auch schon mal 2-3 Tage.


Anmerkung:

Man sollte sich klar machen, dass man mindestens einen dabei haben muss, der sich mit Fahrrädern auskennt. Platten beheben, Kettenglider tauschen und ähnliche Dinge müssen machbar sein. Man weiß nie, wann der Fehlerteufel zuschlägt.
Wenn man mit Touren keine Erfahrung hat sollte man mit kleinen Etappen am Anfang planen. Wie oben gesagt hatte ich viel zu viel Gepäck dabei und mit meiner besonderen Fracht und Anhänger lag ich bei rund 30 Kilo. Da haben mich in den ersten Tage schon 30 - 35 Kilometer in die Knie gezwungen - und ich bin sicher kein Sonntagsfahrer.
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