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24.09.2011 16:48 Wanderung auf dem Kerry Way, Juni 2011;Teil 2 Lough Acoose-Cahersiveen Beitrag #1
Wanderung auf dem Kerry Way, Juni 2011;Teil 2 Lough Acoose-Cahersiveen
4. Tag, 6. Juni 2011, Lough Acoose-Glenbeigh
Über Nacht hatte sich das Wetter verschlechtert, sodass wir die heutige Etappe im leichten Sprühregen starteten. Knappe 18 Kilometer und mit nur 400 Höhenmetern deutlich weniger als am Vortag sprachen trotz der Witterung für einen entspannten Wandertag. Vom Carrauntoohil war durch tief hängende Wolken wenig zu sehen und auch der Lough Acoose samt Umland hatte eine Graufärbung angenommen. So ging es dann im Regenzeug verpackt ziemlich flott knapp 5 Kilometer auf der Straße in Richtung Glencar bis zum „World Famous Climbers Inn“. Die im Outdoor-Handbuch als älteste irischen Wanderer- und Bergsteigereinrichtung gepriesene Unterkunft machte auf uns einen eher heruntergekommenen und gänzlich unansehnlichen Eindruck. O.K., wir waren früh unterwegs, aber um 09.00 Uhr hätten wir eigentlich mit „Leben“ in und um die Herberge gerechnet. Aber Pustekuchen, sah ganz so aus wie seit Jahren geschlossen, dabei hätten wir bei dem Regenwetter doch gern einen Kaffee genossen. Also sind wir unverrichteter Dinge links auf den Feldweg abgebogen und weiter in Richtung Bealalaw Bridge gelaufen. Unmittelbar hinter der Brücke über den River Caragh ging es über einen Grasweg zunächst direkt am Flussufer entlang um dann in einen urigen Nadelwald einzutauchen. Vielleicht oder gerade wegen des Sprühregens wirkte der Wald mystisch. Moos und Flechten an den Stämmen so weit das Auge reichte, dazwischen umgefallene Bäume und wildwachsendes Unterholz, ein sich selbst überlassener Wald. Nach knapp 1,5 Kilometern wurde der Pfad wieder zum Forstweg und führte durch beiderseits stehenden Mischwald bis an eine Straße. Leider muss man dieser nach links für die nächsten 2,5 Kilometer folgen, um zur Abzweigung an der alten Bunglasha School zu gelangen. Hier legten wir unsere erste größere Rast ein und machten uns Gedanken zum weiteren Weg. In nordwestlicher Richtung steigt der Seefin auf, die letzte Erhebung vor der Küste der Dingle Bay und man hat zwei Möglichkeiten für den weiteren Weg. Entweder den Seefin umrunden, was ohne größere Anstiege dafür aber mit längerer Wegstrecke machbar ist, oder auf dem Sattel zwischen Seefin und Beenreagh über den Pass von Windy Gap nach Glenbeigh gehen. Letztere Möglichkeit ist um ein paar Kilometer kürzer, dafür aber mit einem schönen Anstieg verbunden. Gott sei Dank ließ der Sprühregen nach und auch die tiefhängenden Wolken verzogen sich zunehmend, sodass wir uns in der Annahme eines schönen Panoramas auf die Dingle Bay für den Übergang über Windy Gap entschieden. Wie sich dann 1 Stunde später herausstellte die richtige Wahl. Zwar war der Anstieg zum Windy Gap alles andere als ein Spaziergang, der Regen und zahlreiche Rinder hatten den Weg in eine einzige Schlammbahn verwandelt und so ging es nur beschwerlich voran, aber dafür war die Belohnung geradezu umwerfend. Als wenn man durch einen Vorhang blickt, öffnete sich die Bergfalte zu einem grandiosen Blick auf Glenbeigh, die Dingle Bay mit Inch Strand und der dahinter aufragenden Dingle Halbinsel. Solche irren Landschaftswechsel hatten wir bislang noch nicht erlebt. Hinter uns das weite und in allen Grüntönen schimmernde Tal des River Caragh mit den am Horizont erkennbaren Macgillycuddy´s Reeks und vor uns nach 180 Grad Drehung der leuchtende Inch Strand und das Blaugrau der Dingle Bay. Und das alles in Komposition mit völliger Ruhe, nur untermalt durch den ziemlich steif blasenden Wind und das Summen der Insekten. Erholung pur für die Sinne. Der einzige Nachteil war der doch ziemlich heftige Wind, der uns ein längeres Verweilen an diesem Ort verleidete. Dafür bietet sich knapp 500 Meter weiter auf dem absteigenden Weg eine Möglichkeit zur Rast an einer Bank mit Panoramablick ohne Gleichen. Unser Etappenziel Glenbeigh unmittelbar vor Augen und wunderbar im Zeitplan haben wir die Muße gehabt und uns eine ganze Stunde für die Rast genommen. Echt happy und begeistert ging es dann auf die letzten Kilometer bis in die Ortsmitte von Glenbeigh, wo wir in John Breen´s The Village House Quartier bezogen. Mit John standen wir schon in Deutschland in nettem telefonischem Kontakt und freuten uns nun darauf, den Mann kennenzulernen der meiner Frau abgeraten hatte, Irland im Beisein des Ehemanns zu bereisen. Joke hin, Joke her, das B&B kann man prima empfehlen, wenngleich es schon eher den Charakter eines Guesthouse hat. Glenbeigh selbst ist dagegen nicht so der „Hammer“, zumindest nicht bei Nieselregen und bedecktem Himmel. Da wir nun doch schon ein wenig geschlaucht waren, am nächsten Tag eine der längeren Etappen anstand und ein Spaziergang am 2 Kilometer entfernten Strand bei Regen nicht wirklich Spass bereitet, sind wir nur noch Essen und früh in die Falle gegangen.
5. Tag, 7. Juni 2011, Glenbeigh-Cahersiveen
Nach abermals gutem Schlaf und hervorragendem Full Irish Breakfast sollte es heute auf die fast 23 Kilometer lange Etappe nach Cahersiveen gehen. Aber Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt. Nun also Erstens: wir hatten uns schon von John verabschiedet und wollten gerade losgehen, als der Himmel seine Schleusen öffnete und Irland zu ertränken versuchte. Bislang hatten wir eher gutes Wanderwetter gehabt, von einigen kleinen Schauern und dem Sprühregen des Vortages mal abgesehen, nun aber schien es sich richtig andauernd einregnen zu wollen. Blieb also nichts übrig als sich in die Regenklamotten zu hüllen und vermummt auf den Weg zu machen. Unsere ursprüngliche Absicht, den Weg über den Curra Hill zu nehmen mussten wir angesichts unserer Verpackung und des miesen Wetters aber aufgeben. So ging es nach der Behy Bridge eben nicht über, sondern auf der Asphaltstraße südlich um den Curra herum in Richtung Mountain Stage. Und nun zu Zweitens: noch keine 4 Kilometer hatten wir im strömenden Regen zurückgelegt und schon scherzhaft überlegt ob es nicht besser wäre zu trampen, als hinter uns ein Auto anhielt. Welch Zufall, der liebe John mit unserem Gepäck auf dem Weg nach Cahersiveen ! Fahren oder Laufen lautete seine einfache Frage und ehe ich mich versah hatte meine Frau für sich beschlossen, lieber zu fahren als sich durch den Regen zu kämpfen. Nun gut, hier also Trennung für die nächsten Stunden, denn ich wollte den Kerry Way per Pedes bewältigen, Wetter hin oder her. Fröhlich winkend stieg sie also ein, nur um 30 Minuten später in Cahersiveen zu sein und einen ganzen verregneten Tag bei Joan und Eamon Bowler im Strandsend House bei Kaffee, Kuchen und Irischer Literatur zu verbringen . Ich dagegen hatte das Glück des unvergesslichen Blicks vom Drung Hill auf die Dingle Bay und Gleensk (Kells) Viadukt. Was nun wirklich schöner ist, kommt ganz auf den Blickwinkel des Betrachters an. Nun also mein Solobericht über die noch ausstehenden 18 Kilometer.
Vorbei an den rechts liegenden Hügeln des Knockatinna und Knockboy, mit sagenhaftem Blick auf die Dingle Bay, gelang ich nach kurzer Zeit an die Querung der N 70 bei Mountain Stage. Von nun an ging es an der Flanke des Drung Hill auf der alten Butter Road stetig bergauf. Je höher man kommt, desto steiler nimmt sich die Bergflanke aus und wird beherrscht vom Panorama der sich rechts unten in allen Blauschattierungen präsentierenden Dingle Bay. Der Regen ließ nun spürbar nach und hier und da blinzelte die Sonne ohne sich aber wirklich durchsetzen zu können. So ging es im Wechsel zwischen Sprühregen, heftigen Schauern und Sonnenschein bis an den höchsten Punkt am Übergang von Drung Hill und Beenmore. Und wieder einmal wurde man belohnt für die Mühen des Anstiegs. Vor mir lag das breite und weite Tal des River Ferta. In weiter Ferne konnte ich Valencia Island und Cahersiveen sehen und rechts als Begrenzung zum Meer den Knocknadobar. Der Weg, hier noch recht breit und steinig aber durch das Regenwetter sehr aufgeweicht, veränderte sich nun zu einem schmalen Pfad entlang und durch einen Nadelwald. Aber eigentlich war von Pfad auch nicht zu sprechen, der hatte sich nämlich zu einer Wasserstraße gewandelt. Stellenweise reichte das Wasser bis über den Stiefelrand und um halbwegs trockenen Fußes zu bleiben blieb nichts übrig als von Stein zu Stein oder Grasnarbe zu Grasnarbe zu hüpfen. Und das für knapp 2 Kilometer, sah bestimmt sehr Lustig aus. Wenig später am Meelin, einer kleinen Erhebung, kam es dann Knüppeldick. Rinder, Schafe und weiß der Geier was noch hatten den Weg auf fast 2 Kilometer Länge in ein einziges Sumpfloch verwandelt. Keine Chance mehr für elegantes Hüpfen, ab hier ging es knöcheltief quer durch die Pampe hindurch. Einziger Lichtblick und Entschädigung stellte eine Gruppe von Haus- und Stallruinen dar, an denen die Natur wunderliche Blüten trieb. Fast schon Bizarr wirkte mir das unbekannte Gewächs an einer Giebelseite an, ein guter Platz für ´ne Rast, der zweiten des Tages. Bis Strandsend waren es nun noch knapp 8 Kilometer, allerdings nur noch auf Straße und besonders das Stück zwischen Gortnagee Bridge und Foilmore zieht sich wie Kaugummi dahin. In Foilmore hätte ich eigentlich links auf den originalen Kerry Way abbiegen müssen, aber Wetter und bisherige Wegeverhältnisse hatten bei mir „gewirkt“ und ich wollte die Etappe nur noch schnell hinter mich bringen. Also schnurstracks geradeaus weiter auf der Straße um nach weiteren 3 Kilometer endlich an die N 70 zu gelangen. Von Deelis Bridge war es dann auch nicht mehr weit und 15 Minuten später erreichte auch ich, wieder in strömendem Regen, das B&B. An sich eine landschaftlich schöne Etappe, wenn da nicht die letzten 8 Kilometer gewesen wären. Aber was soll´s, kann ja nicht nur Honigtöpfe geben und nach ausgiebiger Dusche sah die Welt auch wieder anders aus. Strandsend liegt schon ziemlich ausserhalb Cahersiveen´s, umso schöner das sich Joan Bowler anbot, uns in die Stadt zu fahren und auch wieder abzuholen.
6. Tag, 8. Juni 2011, Ruhetag in Cahersiveen
Cahersiveen, die heimliche Hauptstadt der Iveragh Halbinsel, wollten wir uns näher ansehen und so hatten wir hier unseren Boxenstop eingeplant. Bereits am Vorabend hatten wir uns die Stadt erstmals angesehen und ein prima Pub gefunden. Heute sollte es daher nur kurz in die Stadt und dafür ausgiebiger ins Umland gehen. Da wir beide keine Lust auf Linksverkehr haben, weder mit dem Auto noch mit dem Fahrrad, stand also Sightseeing per Pedes an. Ballycarbery Castle und die Steinforts Cahergal und Leacanabuaile standen auf dem Programm. Erst einmal 3 Kilometer an der N 70 entlang ging es von Osten kommend in die Stadt. Vorbei am Monument für den Heiligen Michael gelangten wir 15 Minuten später in die Stadtmitte und den Abzweig zur Cahersiveen Bridge und zu den Old Barracks. Cahersiveen selbst ist nun nicht wirklich mit Sehenswürdigkeiten vollgestopft, da nehmen die Old Barracks sich schon besonders aus, lohnen aber das Eintrittsgeld für das beinhaltende Museum nicht unbedingt. Uns stand der Sinn auch weniger auf Indoor-Museum denn auf frühgeschichtliche Zeugnisse, sodass wir uns auf den Weg zu den knapp 5 Kilometer entfernten Steinforts machten. Es geht zwar nur auf Straßen zum Ziel, lohnt sich aber dafür wirklich. Nicht so überlaufen wie Staigue und auch in den Dimensionen nicht so groß, bekommt man in den restaurierten Anlagen einen Eindruck von Baukunst und Leben vor über 2500 Jahren. Auch das nahe beiliegende Ballycarbery Castle ist es wert gesehen zu werden. Schade nur, dass die Ruine nicht gesichert ist und ohne Gefahr nur mit einigem Abstand betrachtet und nicht besichtigt werden kann. Die mit Efeu bewachsenen Gemäuer bieten mit der Meereskulisse im Hintergrund einen imposanten Anblick. Auf dem Rückweg hatten wir dann wieder Pech mit dem Wetter. In Regenklamotten verhüllt und bei starkem Gegenwind war dieser nicht annähernd so entspannt wie der Hinweg und wir waren froh, am späten Nachmittag wieder in der Stadt sein zu können. Wir beschlossen das Pub vom Vorabend aufzusuchen und hatten so ´ne Art Déjavu. Da saßen doch die gleichen Typen in den gleichen Klamotten und im gleichen geistigen Zustand wie tags zuvor. Wie Inventar, die „Hausbetrunkenen“ ? Egal, das Essen und Lager waren Prima, die Leutchen nicht aufdringlich und der Abend verlief einschließlich späterem Heimweg absolut „erholsam“. Unterm Strich war Cahersiveen ganz O.K., ohne aber bei uns den Wunsch auf ein unbedingtes Wiedersehen geweckt zu haben. Aber das ist ja bekanntlich Ansichtssache. Unserem Ruhetag tat das keinen Abbruch, wenngleich immerhin fast 20 Kilometer per Pedes zu Buche standen.
Fortsetzung folgt.
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27.09.2011 15:04 Wanderung auf dem Kerry Way, Juni 2011;Teil 2 Lough Acoose-Cahersiveen Beitrag #2
Hallo Grauer, vielen Dank für den netten Bericht
. Natürlich werde ich auch Deine Fortsetzungen lesen.
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27.09.2011 16:39 Wanderung auf dem Kerry Way, Juni 2011;Teil 2 Lough Acoose-Cahersiveen Beitrag #3
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28.09.2011 16:53 Wanderung auf dem Kerry Way, Juni 2011;Teil 2 Lough Acoose-Cahersiveen Beitrag #4
Hallo Zusammen,
danke für die Aufmunterungen, ich habe heute den 3. Teil eingestellt. Irgendwie bekomme ich es nicht hin, die Bilder richtig einzustellen (an die Cursorposition). Hat da jemand Erfahrung?
Gruß Uwe
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29.09.2011 10:03 Wanderung auf dem Kerry Way, Juni 2011;Teil 2 Lough Acoose-Cahersiveen Beitrag #5
Ich verkleinere die Bilder erst immer auf ca. 600 pix und füge sie nachher im Antwortbalken über das 4. Zeichen von rechts ("Bäumchen") ein, klappt bestens!
Gruss
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