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28.06.2011 15:02 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #1
17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011
Prolog
Die vergangenen zwei Jahre haben wir den (Wilden) Westen der USA noch wilder gemacht. Da muss einfach auch mal etwas Abwechslung her und außerdem stand zu befürchten, dass wenn wir die Amis weiterhin mit unserer Anwesenheit belästigen, irgendwann mal der Einreisestempel verweigert wird. Zusätzlich sollte noch umgezogen werden und entsprechend wäre etwas budgetschonenderes auch nicht gerade verkehrt. Praktischerweise ist über Irland die Wirtschaftskrise richtig eingebrochen und so ist Irland mittlerweile das neue Tschechien. Bezahlbar. Na ja, zumindest einigermaßen. Deswegen also: Irland.
Da wir auch schon Schottland bereist haben und ich mal in Schottland studiert habe, herrscht einfach eine gewisse Affinität zu dem englischsprachigen europäischen Ausland (man merkt: galant das Wort „Britische Inseln“ vermieden). Schnell war auch klar: Los gehen soll’s im Mai, knappe drei Wochen und das ganze mit nem Mietwagen. (Dieses mal würde Petra auch nicht so lapidar davon kommen wie 2008 auf dem Weg zum Flughafen vor unserem Schottland-Urlaub: „Äh, ich glaube, ich hab mein Führerschein zuhause vergessen – musst du wohl fahren. Tut mir sooooo leid……“. Nein, ich hatte den Führerschein zeitnah an mich genommen, mir extra einen einbruchsicheren Safe gekauft und diesen zur Sicherheit in ein Schließfach eingeschlossen….. Dieses Mal fahr ich nicht alleine. Links. Eng. Mit den Irren….. äh Iren. Ganz sicher nicht.)
Schnell hatte ich mich davon verabschiedet, eine ganze Runde in den 19 Tagen zu versuchen. Also Dublin und die Westküste – die aber von Nord nach Süd. Das würde schon zu schaffen sein – auch wenn so schweren Herzens Nordirland auf der Strecke bleiben würde. Die Vorbereitung der Reise gestaltete sich merkwürdigerweise im Gegensatz zu den Staaten irgendwie nicht so einfach. Leider kam mein akutes Entscheidungs-Findungs-Syndrom wieder hervor. Was soll man weglassen, was unbedingt ansehen? Gottlob ist es dann unter eingehender Konsultation des Lonely Planet (der schon vor der Reise so aussah, als hätte er vier Umzüge, zehn Besitzer und diverse zweckentfremdete Verwendungen ertragen müssen) und mit Hilfe einiger Tipps aus diesem Forum stand eine Route. Und zwar ziemlich folgende:
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19 Tage also mit nem Mietwagen, dem Schwerpunkt Wandern und folgenden Protagonisten (in während des Urlaubs notgedrungen lieb gewonnener Regenkleidung – da es quasi pünktlich kurz vor dem Urlaub nach einem laut Wetterberichten trockenen und relativ warmen April wieder wettermäßig typisch irisch wurde [meist gehörte Äußerung im Urlaub: „You should have come in April – that was nearly summer.“ Schönen dank auch…..) – Petra & Sven:
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Ach, kleine Warnung am Anfang: Wer sich jetzt auf feuchtfröhliche Pub-Geschichten und die Huldigung traditioneller irischer Musik freut, verschwendet besser nicht seine Zeit und macht was Sinnvolles. Ich trinke gar keinen Alkohol, Petra mag Bier nicht wirklich. Und traditionelle irische Musik macht uns in etwa so heiß wie traditionelle deutsche Musik….. (das Frühlingsfest der Volksmusik….. man schläfere mich bitte ein). Wir waren sage und schreibe einmal abends im Pub – und das auch nur um das Champions League Finale zu gucken. Aber wie haben es vor zwei Jahren in Las Vegas auch geschafft, an drei Tagen dort zu sein und nicht zu zocken….. Alle anderen: Viel Spaß beim Lesen. Ich werde versuchen so nach und nach den Reisebericht zu erstellen.
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28.06.2011 16:00 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #2
14.05.2011 – Irn Bru, Irn Bru, Irn Bru!!!!!
Samstag 14. Mai. Endlich geht’s los. Die letzte Woche vor dem Urlaub war noch mit allerlei letzten Besorgungen ziemlich vollgestopft. Da wir in Irland ja den ein oder anderen Wander-Kilometer abreißen wollten, war aufgrund der zu erwartenden Witterung (is ja nich umsonst so grün da….) noch etwas Equipment vonnöten. Und warum sollte man sich mit sowas auch schon Woooochen vor dem Urlaub beschäftigen, wenn man das alles auch schön stressig in den letzten Tagen erledigen kann. Wobei das Kaufen von „Funktionskleidung“ mir eh schon Flecken im Gesicht verursacht. Wenn ich nur orange-braun-grüne (natürlich zu weite) Jack-Wolfskin-Sachen denke, werde ich mit erhobenem Haupt und stolz lieber nass wie ein begossener Pudel. Wir und Funktionsklamotten ist in etwa eine so perfekte Verbindung wie die aktuelle schwarz-gelbe Koalition…. Aber. Man kann ja auch pragmatisch sein. Und wenn Wandern in Irland auf dem Programm steht, mag es vom Vorteil sein, wenn man neben der Badeshorts und dem kleinen Schwarzen vielleicht auch noch etwas sinnvolle Kleidung dabei hat. Und Wanderer mit nem Regenschirm??? Ich meine geht auch, aber der Wind….. Anyway. So mussten also kurzfristig noch Regenjacken (gottlob hatte ich schon eine, von der ich gar nicht wusste, dass die regendicht ist) und entsprechende schnell trockene und regenabweisende Trekking-Hosen und Wanderschuhe für Petra her (wer jetzt schreit: „Aua, die muss man doch einlaufen!“ – muss man nicht. Also nicht zwingend. Geht auch ohne. Und spannenderweise auch ohne Blasen…….). Die letzte Woche bestand also aus diversen Trips zu Globetrotter uns sonstigen einschlägigen Outdoor-Läden (immer schön inkognito, nicht dass mich noch jemand sieht, den ich kenn). Schlau auch, dass man sich gerade für eine Fjäll Räven Hose entscheidet, die aber gekürzt werden muss. Und das am Mittwoch vorm Abflug. Gottlob gibt es eine Schneiderei in der Nachbarschaft, die Mitleid hat…. Nachdem dann endlich Klamotten gekauft wurden, für die man sich nicht komplett schämen muss (ich hab kurz mal über’n schwarzen Balken über unseren Gesichtern auf den Urlaubsfotos nachgedacht…..), konnte Irland dann langsam kommen.
Wie bei jedem Urlaub der letzten Jahre übergeben wir die Wohnung in gute Hände – meine Eltern machen immer bei uns auf St. Pauli Urlaub wenn wir nicht da sind (da frage ich mich langsam, sind die glücklicher, wenn die nach Hamburg kommen und wir da sind oder wenn wir nicht da sind? Dem sollte nachgegangen werden….). Der Flug soll um kurz vor 17:00 gehen und die Eltern treffen um 13:00 bei uns ein, damit dann schon das gröbste Packchaos beseitigt ist. Und Chaos war es. 20 kg mögen viel klingen (wenn man z.B. ein Kleinkind des Gewichtes mit sich rumschleppen muss oder man ein entsprechendes Abnehm-Ziel hat) – sie sind es aber nicht, wenn man für knapp drei Wochen Klamotten mitschleppen muss, sich auf durchwachsenes Wetter einstellt und auch noch Wandern will. In einem längeren Annäherungsprozess (dann bleibt der Lieblingsamboss eben zuhause) nähern wir uns den 20 kg aber an und erreichen unser Ziel. Mit dem Nebeneffekt, dass der Handgepäcks-Rucksack kaum leichter sein dürfte und ich mir ernsthafte Sorgen um die Nähte mache…. Als die Oldies kommen, ist der Koffer aber gepackt und wir können noch ein bisschen in ein Café um die Ecke und zu Mittag essen. Dann geht’s auch schon ab (ein Hoch auf die Flughafen-S-Bahn in Hamburg) zum „Airport“…..
Da ist man – wie immer – trotz der Hetze auf dem Weg hin, viel zu früh. Dafür haben wir das außerordentlich große Vergnügen zum ersten Mal den sogenannten Nacktscanner zu benutzen. Toll. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ein bisschen Workout gemacht….. Na ja, immerhin hab ich den Bauch eingezogen. Das Scannen und der ganze Sicherheitscheck gehen reibungslos (ich glaube die Faustregel ist: die Länge des Sicherheitschecks ist umgekehrt proportional zur Zeit bis zum Abflug….) und fix sind wir beim Gate. Praktischerweise geht’s eine Viertelstunde früher los – war das ganze „mal-wieder-zu-früh-am-Flughafen-sein“ doch nicht völlig unnütz. Und kaum sitzt man, landet man auch schon in Dublin. Ganz ungewohnt für uns nach den beiden langen Interkontinental-Flügen der letzten beiden Jahre. Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich ja durchaus ein Fan von so langen Flügen. O.k. ich mag der einzige Mensch (neben dem Piloten hoffentlich) im Flieger sein, der nie schlafen kann, aber ansonsten haben lange Flüge einfach etwas: die neuesten Filme im In-Seat-Entertainment sehen, Essen, letzte akribische Vorbereitungen mit dem Reiseführer (oder bei mir eher –führern), Essen, ausgiebige Toilettengänge, Essen usw. Dieses Mal: Nix davon. Rein, Start, Landung, Dublin. Ungewohnt….
Ein nicht gänzlich unerheblicher Aspekt bei der Wahl von Irland als Ziel war die potentielle Verfügbarkeit von Irn Bru. Dem alkoholfreien schottischen Nationalgetränk, dem ich während meines Studiums in Dundee und sämtlicher Aufenthalte in Schottland oder England extrem stark gefrönt habe. Die Frage im Vorwege nach der Erhältlichkeit von Irn Bru wurde zwar nicht komplett zu meiner Zufriedenheit positiv beantwortet, aber ich war trotzdem guter Hoffnung. Und was soll ich sagen: der Flughafen in Dublin hat sich in meine Top-1 der außer-schottischen und englischen Flughäfen katapultiert. Es gibt Irn Bru zu kaufen. Der Urlaub kann beginnen, nix kann mehr schief gehen….
Geht es auch nicht. Beim Hertz-Mietwagen-Schalter geht auch alles problemlos über die Bühne – uns erwartet ein Nissan Quashquai – so eine Art Mini-SUV, der nur 5.000 km auf der Uhr hat und ziemlich geräumig ist. Okay, der Fahrer sitzt auf der falschen Seite, aber das war uns im Vorwege ja schon klar, schließlich fährt man in Irland auch auf der falschen Seite. Da ich schon gewisse Falsch-Fahr-Erfahrung (nicht im Sinne von Geisterfahrer, sondern im Sinne von Linksverkehr) hatte, darf ich zuerst ans Steuer und so gegen 19:00 verlassen wir den Flughafen in Richtung unseres ersten Ziels – Trim. Hier hatte ich im Vorwege das Crannmor B&B gebucht. (Auch sämtliche andere Übernachtungsmöglichkeiten des Trips waren schon im Voraus von mir gebucht worden – neben meine Entscheidungs-Defizit zeichne ich mich durch einen gewissen Planungs-Fetisch aus, der mich einfach nicht einen ungeplanten Urlaub mit „Sich-gänzlich-Treiben-Lassen“ verbringen lässt….)
Die Fahrt nach Trim ist nicht sonderlich lang und verläuft relativ unspektakulär (abgesehen von mehreren Versuchen meinerseits den Gegenverkehr durch über die Fahrbahnmarkierung fahren zu verunsichern und abgesehen von mancher Milimeterarbeit auf der linken Seite des Autos….). Und nach ner knappen Stunde sind wir auch schon am B&B angelangt, das etwas außerhalb von Trim liegt. Anne begrüßt uns herzlich und zeigt uns unser Zimmer. Das Crannmor B&B kann nur wärmstens empfohlen werden. Knapp außerhalb von Trim gelegen, ein sehr schönes, altes Anwesen und leckeres Frühstück. Außerdem mit Anne eine kontaktfreudige Gastgeberin, die mit Tipps gerne weiterhilft. Und das Ganze für 76 € die Nacht.
Im Vorwege schon hatte ich mitbekommen, dass es in Irland nicht gänzlich untypisch ist, dass Restaurants relativ zeitnah schließen – so dass wir schon fast zu spät für einen Restaurantbesuch dran waren, nachdem wir uns kurz frischgemacht und umgezogen haben. Deswegen gibt’s an Essbarem heute auch nur noch Brot aus’m Supervalu. Die Supervalu-Läden werden wie selbstverständlich auch unsere zweite Heimat im Urlaub – dies Auswahl kann sich gut sehen lassen und außerdem steht in fast jedem Kaff einer dieser Supermärkte. Nur Irn Bru gibt’s nicht….. Mittlerweile ist es schon relativ spät, aber ein bisschen Beine vertreten muss schon noch sein. Wir parken beim Trim Castle, schauen uns das von außen an und begeben uns auf den Boyne River Walk, der an der Millennium Bridge (wenn schon denn schon) neben dem Castle startet und am Boyne River entlang (wer hätte es gedacht) auf ca. 1,5-2 km nach Newtown führt. Recht malerisch bei unter gehender Sonne (man beachte) spazieren wir in Richtung Newtown Abbey, streunern da ein wenig über den Friedhof und begeben uns dann mittlerweile fast in der Dunkelheit auf dem gleichen Weg zurück zum Auto. Dann geht’s zügig zurück zum B&B, wo wir noch die letzten Minuten des Grand Prix mitbekommen und uns bei langsam kühler werdenden Temperaturen über die beheizbaren Matratzen freuen (CO2-Emissionen, my ass…..) und langsam entschlummern.
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28.06.2011 18:01 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #3
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29.06.2011 11:31 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #4
Super Bericht, warte ungeduldig auf eine Fortsetzung
Ein bisschen Irland-Sehnsuch lässt sich so mildern, danke!
Und nebenbei noch erfahren, wo es Irn Bru gibt... was gib es besseres
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29.06.2011 15:45 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #5
...und weiter gehs's:
15.05.2011 – Lost in Ireland
Kann mir mal irgendwer den Zusammenhang erläutern zwischen „Urlaub“ und „frühmorgendlicher Harndrang“ oder zwischen „Urlaub“ und „lange vor dem Wecker wach sein“??? Wieso kommt das eine eigentlich immer mit dem anderen? Prinzipiell ja überhaupt nicht problematisch, wenn man in seinem Urlaub so viel Zeit wie möglich für tolle Aktivitäten aufbringen kann. Und ich hab auch verstanden, dass in den ersten Tagen Urlaub in den Staaten frühmorgens der Jet Lag mit der großen Keule zugeschlagen hat. Aber heute? Nach gerade mal 2 Stunden Flug und einer Zeitverschiebung von einer Stunde – wir müssen mal wirklich ernsthaft diskutieren. 6:30. Am ersten richtigen Urlaubstag. Wenn das so weiter geht….. Früher Vogel…. Morgenstund….bla bla bla…..
Nun gut, gibt noch ein wenig Zeit zu morgendlicher Kontemplation und vor allem auch zur Tagesplanung. Eigentlich war der ursprüngliche Plan, den Tag etwas durch Trim zu schweifen und das Castle zu besichtigen, dann sollte es langsam gen Donegal Town, unserem nächsten Übernachtungsort gehen. Anne hatte uns aber am Vortag wärmstens Bru na Boinne und hier konkreter Newgrange ans Herz gelegt. Zwar praktischerweise genau entgegen unserer eigentlichen Route gelegen, aber was soll’s – kann man ja mal machen. Die Zeit bis zum Frühstück, dass es bei Anne für uns um 8:30 gibt, vertreibe ich mir also mit Lesen – und dass Ganze natürlich so laut und nervig wie möglich, damit Petra immerhin auch nicht zu ihrem wohlverdienten Urlaubsschlaf kommt. Das gelingt auch recht gut….
Um 8:30 geht’s dann so langsam mit knurrendem Magen in den Frühstücksraum, in dem schon sechs andere Gäste am großen Frühstückstisch sitzen und auf die Nährstoffzufuhr warten. Eine Familie mit zwei Jungs (so zwischen 5 und 8 würde ich mal schätzen) – die sich interessanterweise sowohl in Deutsch als auch in Englisch unterhalten. Offensichtlich sind die Eltern Deutsche, die aber in Irland leben, während die Kids eben in Irland geboren wurden. Schnell kommt das Gespräch zwischen Petra und den Jungens auf das Unvermeidliche: Fußball (ist das schön, dass es neben der Allgemeinen Antipathie gegen die USA oder dem Schimpfen über das Wetter ein großes, weltumspannendes und völkerverständigendes [oder –entzweiendes] universelles Thema gibt). Allerdings gehören die Eltern der beiden mehr als gerügt – sind die Kids doch ManU und Chelsea-Fans, was per se schon annähernd bestrafenswert ist (wenn schon Premier League dann Liverpool. Sonst nix!) – aber als deutsche Eltern hätte man doch zumindest mal dafür sorgen können, dass die Racker gepflegt Fans der Bundesliga werden. Also nicht der Münchener Bayern natürlich. Dann doch lieber Chelsea oder ManU….
Die anderen Gäste sind ein Mutter-Tochter-Pärchen aus den Staaten (irgendwo vom Land, wo habe ich vergessen) – beide selbstverständlich dem klassischen USA-Klischee entsprechend: gekleidet in legerer Freizeitkleidung mit unsagbar hässlichen und wenig lustigen Irland-Touri-Shirts, offensichtlich der reichlichen Kalorienzufuhr nicht abgeneigt und dem Ziel halb Europa in 2 Wochen zu bereisen…. Bilderbuch-Amerikaner. Hätte ich das gewusst, hätte ich die Lederhose angezogen und Petra das Dirndl verordnet – dann hätten wir alle schön dem jeweiligen Klischee unseres Landes entsprochen.
Das Frühstück an sich ist lecker, wobei meine vegetarische (Rührei) Portion (ja, ich weiß, gibt bessere Ideen, als als Vegetarier in Irland Urlaub zu machen…. So schlimm wie mal in Bayern war es aber nicht, wo häufig das einzige vegetarische Gericht auf der Speisekarte ein Käsebrot ist…. und auch Salate ohne Fleisch scheinen dort im allgemeinen Verständnis irgendwie nicht zu existieren) etwas größer hätte sein dürfen. Zumindest konnte Petra nicht klagen, die eine irisches Frühstück vorgesetzt bekommen hat, dass so ziemlich für den halben Urlaub gereicht hätte. (Man gut, dass wir ordentlich wandern gehen…..). Positivst erfreut waren wir auf jeden Fall über das irische Brot. Ist es ja grundsätzlich eine der liebsten Urlaubsbeschäftigungen eines deutschen Touristen (neben Vordrängeln in angelsächsischen Ländern, da ja recht fix bemerkt wird, dass die sich fein säuberlich anstellen und denen irgendwie das „Drängel-Gen“ fehlt), sich im Ausland über alles und jeden zu beschweren, schneidet ja meist das Essen im Ausland besonders schlecht ab – „Wieso gibt’s hier kein Wiener Schnitzel?“, „Müssen die das immer so scharf machen?“, „Ich will Fischstäbchen!“ und so weiter und so weiter. Häufigstes Ziel des Unmutes (und das – muss ich leider sagen – nicht immer zu unrecht) ist das Brot: Eigentlich gibt es meist bei „kontinentalem Frühstück“ oder sonstigen Varianten genau drei Sorten: labbriges Toastbrot, zu hartes Toastbrot oder verbranntes Toastbrot. Nicht so in Irland. Soda Bread heißt das Zauberwort. Wirklich leckeres dunkles Brot, bei dem man gleich den Eindruck bekommt, man könne ruhig eine ordentliche Portion fettiges Rührei extra essen, das gesunde Brot wird es schon regulieren. Wir waren schlichtweg begeistert. Und froh, dass alle anderen am Tisch sehr gut auf Toastbrot klar kamen (bei unserer Essgeschwindigkeit aber auch notgedrungen)….. Großartigerweise wird fast in jedem B&B so ein Brot selber gebacken, so dass wir im Laufe unserer Runde diverse verschiedene, meiste super leckere Brotsorten testen konnten. B&Bs in Irland schlagen ihre englischen oder schottischen Verwandten jetzt schon um Längen…..
Nach dem Frühstück werden fix die Sachen gepackt und noch ein ausführliches Schwätzchen mit Anne gehalten, bevor es auf die Straße geht. Kurzer Stopp beim Supervalu um Wegzehrung für den Tag zu organisieren und dann ab gen Newgrange….. Nur dass sich das als schwieriger herausstellt als geplant. Schlauerweise haben wir natürlich unser Navi mitgenommen, dass wir mal vor nem USA-Urlaub erstanden haben (und zuhause nur rumliegt, da wir kein Auto besitzen). Dumm nur, dass das Navi zwar Newgrange als Sehenswürdigkeit kennt – dem gemeinen Touristen der Besuch von Newgrange allerdings nicht so leicht gemacht wird. Was ich im Prinzip auch wusste (mein Planungsfetisch erwähnte ich bereits). Man muss nämlich für den Besuch einer der Stätten von Bru na Boinne zuerst ins Besucherzentrum, um dann von da mit einem kurzen Fußweg und einer Bustour zu der jeweiligen Stätte zu kommen. War ja alles klar. Aber erzähl das mal dem Navi (mit ner Karte von Irland von 2009). Somit sind wir insgesamt ungefähr zweimal durch den Ort Slane getuckert (und haben zugegebenermaßen erst beim zweiten Mal am Ortsausgang gemerkt, dass wir hier doch schon mal waren) und sind auch direkt einmal an Newgrange vorbeigefahren (hatte das Navi ja vorgegeben….) – aber mit einfach da Parken war ja nix. Nach einer etwas längeren Irrfahrt hat‘s dann aber irgendwie (Navigating by Gefühl) und irgendwann doch funktioniert, das (nur semi-gut ausgeschilderte) Besucherzentrum zu finden und wir konnten uns direkt für die nächste Tour nach Newgrange anmelden.
Bei Bru na Boinne handelt es sich um eine Ansammlung verschiedener megalithischer Kultstätten im Boyne Valley nord-westlich von Dublin. Die Anlagen Knowth, Dowth und Newgrange gehören zum Weltkulturerbe und bei Newgrange soll es sich um eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten in Irland handeln. Newgrange ist im Prinzip ein ziemlich beeindruckendes Ganggrab, dass in den Jahrhunderten seit der ursprünglichen Nutzung nach und nach durch Erosion und co. verschüttet wurde und dann irgendwann „wiederentdeckt“ und wieder in den (vermuteten) ursprünglichen Zustand hergestellt wurde – und sieht ungefähr so aus:
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Der große durch die Mauer zur Hälfte umfasste Hügel täuscht etwas über die Dimension des Ganggrabes an sich - das Grab ist nur ein paar Meter (ca. 20 m) lang und kreuz-förmig angelegt. Der besondere Clou des Grabes ist, dass über dem Eingang eine Art Licht-Öffnung ist, die zur Wintersonnenwende an 13 Tagen zum Sonnenaufgang für ein paar Minuten Sonnenlicht in die Anlage fallen lässt. Ansonsten herrscht tatsächlich völlige Dunkelheit – also wenn man nicht gerade mit ner geführten Tour durch Newgrange latscht und sich ob der geringen Höhe mehrfach den Kopf stößt. Insgesamt schon eine recht beeindruckende Angelegenheit, insbesondere wenn man darüber nachdenkt, wie mühselig damals die teilweise riesigen Steine zur Konstruktion des Grabes hierhin geschafft wurden. Schön auch, dass sich im Laufe der Jahrhunderte viele „Künstler“ mit Graffitis und Einkerbungen im Grab verewigt haben – wer meine Zeichnung findet und errät, was sie darstellen soll, nimmt an der Verlosung einer Kiste Irn Bru Teil.
Nach der kurzen Führung durch Newgrange, tummeln wir uns noch etwas auf dem Gelände, bevor es wieder mit dem Bus zum Besucherzentrum geht.
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Dort gibt’s im dazugehörigen Café nen Kaffee und ein Stück Kuchen und dann geht es so langsam in Richtung Donegal. Durch den nicht geplanten Abstecher nach Newgrange liegt eine ordentliche Strecke vor uns….
….auf der wir schon nach wenigen Minuten im Auto mit dem Element Bekanntschaft schließen, das uns die komplette Reise mal mehr oder mal weniger freundlich begleiten wird: Wasser. Von oben. Es fängt an zu Regnen. Erst nur nieselig, dann stärker. So dass mein kurzer Klogang auf eine öffentliche Toilette in irgendeinem Kaff in Nordirland zwar erleichternd (eine trainierte Blase ist nicht unbedingt etwas, durch das ich mich auszeichne) aber unpraktischerweise auch feucht ist. Wir fahren ein ganz schönes Stück durch den Norden und sind schon überrascht, dass man im Prinzip nur anhand der vermeintlich günstigeren Tankstellenpreise und der kürzer gewordenen Entfernungsangaben überhaupt bemerkt, dass man nicht mehr in der Republik ist. Ansonsten: same same but different. Der Plan war, am nördlichen Ufer des Lough Earne vorbeizufahren und vielleicht ne kleine Rast dort einzulegen. Leider wäre die kleine Rast recht ungemütlich geworden und mit dem Regen kommt auch kräftiger Nebel, so dass die Fahrt nach Donegal insgesamt eher unspannend ist.
Am frühen Abend kommen wir in Donegal an und checken erstmal für die nächsten drei Nächte bei Liam in der Cove Lodge ein, die etwas außerhalb der Stadt liegt. Mit 58 € pro Übernachtung das günstigste B&B aber mitnichten das Schlechteste (zugegebenermaßen waren alle Übernachtungsmöglichkeiten mehr als empfehlenswert!). Die Cove Lodge ist ein teilweise im traditionellen Stil (große, graue Steine) neu gebautes recht großes Haus mit ordentlich großem Grundstück bei Drumgowan. Nach dem Einchecken zieht es uns in die Stadt zum Abendessen (haben dann die Unmengen des irischen Frühstück am Morgen bei Petra doch nicht ewig vorgehalten) – und auf Empfehlung von Liam gehen wir in die Old Castle Bar, die direkt – wer hätte das geahnt – neben dem Donegal Castle liegt. Ich würde den Laden mal als klassisches Pub-Restaurant bezeichnen. Vorne wird getrunken, hinten wird gegessen. (Vorne war’s natürlich voller als hinten….) Oder so ähnlich. Für mich gibt es eine Gemüsepfanne und Petra freut sich schon auf das Irish Stew. Allerdings ist Vorfreude tatsächlich manchmal schöner, denn irgendwie hat sie die Rechnung ohne den Sellerie gemacht. Der leider großzügig im Irish Stew enthalten war. Es gibt genau zwei Sachen, die Petra nicht mag – Kümmel und eben Sellerie (so dass sie den Wink mit dem Zaunenpfahl schon verstehen würde, wenn ich ihr Abend für Abend zum Abendbrot Selleriepüree mit Kümmel oder frittierten Sellerie in Kümmelkruste servieren würde). So wird halt das Irish Stew nur sehr dezent verdrückt und dafür – Frechheit – meine Mahlzeit dezimiert. Tja, Irish Stew – Haken dran.
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Nach dem Essen latschen wir noch etwas bei Nieselregen durch Donegal und knipsen hier und knipsen da, bevor wir uns noch auf einen kleinen Spaziergang an der Donegal Bay entlang (Bank Walk) begeben. Der aber bei stärker werdendem Regen recht schnell an Reiz verliert, so dass wir dann doch recht fix zur Karre zurück latschen und uns auf den Weg ins B&B begeben, um zeitnah an der (heute mal unbeheizten) Matratze zu horchen.
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29.06.2011 20:22 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #6
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30.06.2011 15:53 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #7
16.05.2011 – Petrus, my ass!
Modernste Technik erleichtert einem das Leben ja ungemein – und wer kann sich heute noch an Zeiten erinnern, in denen man kein tragbares Telefon besaß. Das muss ja ewig her sein. So zu Zeiten der Dinosaurier in etwa. Zeiten, in denen man sich bei Verabredungen noch an eine vereinbarte Uhrzeit halten musste und nicht entspannt 5 Minuten vorher durchklingeln konnte und sich mit einer super Begründung wie „Ach, die U-Bahn – du kennst das ja, so unzuverlässig“ entschuldigen konnte, wenn man mal wieder zu lange vor dem Spiegel gestanden hat oder sich nicht entscheiden konnte, ob man besser das schwarze Shirt oder lieber doch was Buntes anziehen soll. Aber, es gibt auch immer mal wieder Momente, wo ich die Handys verfluche. Heute Morgen war so einer. Um 7:00 bimmelte ekstatisch Petras Telefon. Schon parktisch, dass man mehrere Weckprogramme einstellen kann (Wochenende, Arbeitstage etc.) – nur schlecht, wenn man zwar das Handy nachts aus hat, aber vergisst, die Weckprogramme im Urlaub zu deaktivieren. Tja, und heute war eben Montag…. Na großartig – gestern klappt’s nicht mit dem langen Schlafen, weil die Gallonen Cola Light vom Vortag raus wollen, heute reißt mich der gottverdammte Wecker aus dem Schlaf. Der Tag kann ja nur großartig werden….
…..was sich ziemlich schnell bestätigt, als wie dir Jalousien aufziehen. Ein schöneres Grau findet man in keinem Stadtbild einer postsozialistischen Stadt (und die Prognose wage ich, obwohl ich noch nie in Cottbus war). Gut, es ist immerhin nur für ein paar Meter grau – dahinter sieht man aufgrund des Nebels nämlich nix. Kann ja noch werden – Irland ist ja durchaus nicht unbekannt für schnell wechselnde meteorologische Bedingungen. Mit der frohen Hoffnung geht es zum zeitigen Frühstück, dass uns Liam wenig später wie aus dem Ei gepellt im grauen (passend zum Wetter) Einreiher serviert. Bevor es zur Arbeit geht, werden noch fix die Gäste versorgt. Was heute einfach geht – außer uns ist nämlich gerade niemand im B&B. Deshalb haben wir Liams uneingeschränkte Aufmerksamkeit und entsprechend flott ist das Frühstück auf dem Tisch. Wie in recht vielen B&Bs gibt es Brot (Toast oder „richtiges“), Müsli, Joghurts und etwas Warmes – in diesem Fall Speck und Eier für Petra (immer schön den Cholesterin-Spiegel in gesunden Dimensionen halten……) und Eier mit weißen Bohnen in Tomatensauce für mich. Das Frühstück mundet und dürfte ne ganz gute Grundlage liefern für die geplanten Aktivitäten des Tages.
Denn heute sollte die Wanderung auf die Slieve League anstehen. Diese mit knapp 600 Meter vermeintlich höchsten Klippen in Europas liegen im südwestlichen Donegal, ein paar Autokilometer von Donegal Town entfernt und lassen sich von einem nach diversen kleinen und engen Straßen zu erreichenden Parkplatz erwandern. Hierbei muss man von rund 300 über den Felsgrat auf den 600 hoch gelegenen Gipfel wandern. Das Ganze über teilweise sehr schmale, felsige Passagen, die nicht wirklich was für Menschen mit Höhenangst sind. Zumindest steht es so geschrieben – in einem der beiden Wanderführer, den wir im Gepäck haben. Leider steht da aber auch etwas in der Art geschrieben: „Nicht bei stärker Feuchtigkeit und Nebel aufgrund der steilen Passagen und der schwierigen Orientierung zu empfehlen.“ Tja, wir haben die Anfahrt über die schmale und enge, sich windende Straße natürlich trotzdem gemacht, aber fix wird klar: „Das wird heute nix!“. Wir sind zwar hartnäckig ausgestiegen und ein paar Meter den Wanderweg gegangen, aber der eher als Sturm zu bezeichnende Wind tat sein übriges….
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Außerdem: Wer sagt mir denn, dass hier unten wirklich der Atlantik liegt? Zu sehen war nur: GRAU! Maximal zu erahnen war, dass man, wenn man schon runterfallen würde in die Fluten tauchen würde – aussehen tat es nämlich eher so:
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Auch die extra gekaufte, zwar wasserabweisende und schnell trocknende todschicke Funktionshose signalisiert einem schnell, dass eine Wanderung bei den Witterungsverhältnissen mindestens mit einer guten Erkältung bestraft werden würde. Deswegen geht es also mehr oder weniger unverrichteter Dinge zurück in die Wanne und erstmal weiter gen Westen. Next Destination: Glencolumbkille ganz im Westen Donegals. Das Folk Village Museum würde bei der hohen Luftfeuchtigkeit erstmal eine angenehme Möglichkeit darstellen, was zu sehen, ohne fortwährend durchnässt rumzulaufen. Das Museum wurde in den 60er Jahren von Father McDyer gegründet, der sich um die Entwicklung der gesamten Gegend verdient gemacht hat und zeigt in ein paar Gebäuden die Lebensbedingungen in Glencolumbkille in den vergangenen Jahrhunderten. Aufgrund der Temperatuten und dem Regen hat uns aber insbesondere das hier enthaltene Café zu einem Besuch gelockt – das, na klar, geschlossen hat… Trotzdem halten wir uns ein wenig im Museum auf und sind dann doch froh, dass wir zwar gerade in Irland sind, aber nicht vor 200 Jahren hier gelebt haben…. Ganz nettes kleines Museum – wer Zeit hat (oder suboptimale Wetterbedingungen….) kann mal einen Blick riskieren:
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Ein Stück südlich von Glencolumbkille liegt am Malin Beg der Silver Strand – eine ziemlich beeindruckende Strandbucht umgeben von hohen Klippen, die nur durch eine lange Treppe zu erreichen ist. Und bestimmt bei akzeptablem Wetter zu langem Verweilen einlädt. Heute war sie nur einen kurzen Besuch wert. Vorteil solcher Wetterverhältnisse: Außer uns ist hier heute keine Sau. Nur Schafe. So watscheln wir die ca. 180 Treppen zum Strand herunter uns spazieren kurz etwas am Atlantik entlang und lassen uns den Wind (nicht zu knapp) um die Nase wehen. Aber der kontinuierlich und unaufhörlich vor sich hin tröpfelnde Regen trübt das Vergnügen recht flott und so geht es schnell wieder die 180 Treppenstufen (toll, jetzt nicht nur von außen, sondern auch von innen nass…) zum Parkplatz hinauf.
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Wenn man es positiv interpretieren will, könnte man uns an dieser Stelle ein gewisses Beharrungsvermögen und das Festhalten an Zielen zugute halten. Negativ könnte man von Dickköpfigkeit oder Sturheit reden. Realistisch gesehen kann man auch von zunehmendem Realitätsverlust sprechen oder sagen: Man sind die dämlich. Denn – wir wollen noch immer wandern. Kann uns das Wetter doch mal. Deswegen begeben wir uns zur Kirche in Glencolumbkille, wo zwei verschiedene Rundwanderungen starten. Der 10 km lange Tower Loop an den Klippen entlang und der 13 km lange Drum Loop durch die Hügel nordöstlich von Glencolumbkille. Wir wollen uns auf den Tower Loop machen und legen entsprechend die adäquate Ausrüstung an. Das Raincover wird direkt über den Rucksack gezogen und dann kann es losgehen. Der Start unserer Wanderung kann aber offensichtlich nur ein Zeichen für irgendwas gewesen sein – der Regen nimmt nämlich immer mehr zu und nach ca. 30 Minuten der Wanderung kann man zu recht von „Cats and Dogs“ reden. Na Toll. Die sauteuren tollen Hosen sind selbstverständlich schon nach 5 Minuten mit dem Regen überfordert und nach spätestens 10 Minuten ist der gesamte Unterkörper ein Schwamm. Da vergeht einem schnell der Spaß und nach den 30 Minuten geben wir uns geschlagen und treten wie begossene Pudel den Rückweg an. Wir brauchen uns nicht ganz so arg ob des Regens zu grämen – aufgrund des Nebels hätten wir eh nix gesehen. Wenn das kein Trost ist. Deshalb geht es jetzt erstmal zurück ins B&B – dieses Mal aber nicht wie auf dem Hinweg an der Küste entlang sondern über den Glen Gesh Pass und Ardara, von dem der Lonely Planet folgendermaßen schwärmt: „Die Landschaft wirkt fast alpin mit ihren Bergen und grünen Tälern, in denen verstreut Bauernhäuser und kleine Seen liegen.“ Aha. Schön. Was sehen wir: nix. Der Nebel hier oben liegt so dicht, dass man links und rechts des Straßenrandes kaum irgendwas sieht – was allerdings die Fahrt auf den steilen Serpentinen zwar nicht schöner aber zumindest beschwerlicher macht. Ist doch auch was. Petra kümmert das alles wenig – sie döst vor sich hin. Na toll. Gegen 17:00 kommen wir wieder im B&B an und es geht erstmal zu Aufwärmen (und größtmöglichen Ärgern über die Widrigkeiten des Tages) ins Bett. Wo Petra ihr Nickerchen vom Glen Gesh Pass fortsetzt.
Irgendwann treibt uns dann der Hunger nochmal raus und wir fahren erneut in den Ort, um etwas Essbares aufzutreiben. Kurz vor der Brücke über den Eske gen Westen hatten wir einen kleinen Italiener gesehen. Der – selbstverständlich – heute geschlossen ist. Dafür gibt es nebenan beim Newsagent Irn Bru, was den Tag zumindest mal nicht in die Bottom Ten sämtlicher bisher erlebter Urlaubstage in meinem Leben rutschen lässt. Eiskaltes Irn Bru – und dann noch aus der Dose – wen stört Regen? Wir machen uns also auf die Suche nach einer Dinner-Ausweichmöglichkeit und bleiben im „The Harbour“ am, hm, Hafen hängen. Für mich gibt’s Goat Cheese Salat und für Petra eine asiatische Gemüsepfanne. Und das Beste ist: der Kamin läuft auf Hochtouren, was angesichts der maximal 11° draußen angenehm ist. Der Kellner verklickert uns, dass es die letzten vier Tage in Donegal nichts als geregnet hat und das klingt sehr glaubhaft. Heute gab es in der Tat nicht eine einzige trockene Sekunde. Zum Glück sollte dies, trotz der insgesamt eher bescheidenen Wetterverhältnisse im Urlaub, die Ausnahme bleiben. Nach dem schmackhaften Dinner geht’s recht fix ab zurück ins B&B – nach weiterer Action war uns heute definitiv nicht. Licht aus und ab in die Waagerechte.
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30.06.2011 16:25 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #8
Vielen Dank für den ausführlichen und witzigen Bericht und die Bilder. Ich warte auf Weiteres, obwohl ich weiss, was zumindest wettermäßig kommt, da ich zur gleichen Zeit in Irland war. Fototechnisch bin ich aber noch nicht so weit, um mich hier zu produzieren, da ich erst seit 21.06. wieder im Lande bin.
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30.06.2011 17:23 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #9
Superwitzig geschrieben, in dem Stil, wie ich das mag!!
Macht echt Laune, das zu lesen!!
Freu mich auf mehr!
Und nun echt überlegt, nächstes Jahr mal Irn Bru zu probieren. Hab nun hier im Forum so viel von gelesen...
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06.07.2011 16:15 17 + 2 Tage Regen.... äh... Irland im Mai 2011 Beitrag #10
15.05.2011 – Stroke City
Blick aus dem Fenster: Hey, grau in grau. Toll. Unsere Lieblingsfarbe. In diversen Schattierungen. Allerdings feuchtet es nur minimal von oben und sieht vor allem nicht nach dem gestrigen Dauerregen aus. Wird also wohl doch nix mit nem Tag im Bett. Nach längeren Wanderungen durch die raue Einsamkeit Donegals (3 € ins Phrasenschwein) war uns aufgrund des trotzdem bescheidenen Wetters und der gestrigen fortwährenden Komplettdurchfeuchtung heute allerdings nicht. Wir hatten uns am Vorabend beim Kriegsrat für einen kurzen Städtetrip entschieden – wir wollten nach Derry. Oder Londonderry. Oder mir doch egal: Stroke City, wie die Stadt belustigenderweise teilweise genannt wird. Der Einfachheit halber für den Rest des Berichtes: Derry. Und wenn man schon mal in der Gegend ist, hatten wir den kleinen Abstecher zum Giant’s Causeway für den Nachmittag zumindest mal angedacht. Eigentlich hatte ich aufgrund der gegenüber den ersten Entwürfen deutlich abgespeckten Tour mit Nordirland schon abgeschlossen und war geistig schon dabei, einen ein-wöchigen Herbsturlaub im Norden zu planen – das Fritz-Walter-Wetter in Donegal führte dann aber doch zu dieser kleinen Planänderung, so dass wir in allerbester Touri-Manier mal fix die vermutlich bekannteste Sehenswürdigkeit Nordirlands abklappern wollen. Wozu hat man schließlich einen Wagen – und die Strecken sind dann doch gegenüber unserem letztjährigen Urlaub in Arizona/New Mexico/Utah/Colorado noch bescheiden. Wobei man die Reisegeschwindigkeit in einem offensichtlich nur aus semi-gut in Schuss-gehaltenen Landstraßen bestehenden Irland natürlich nicht mit dem Westen der USA vergleichen kann, wo ja sämtliches um und an die Straßen gebaut wurde und man eher eine Autobahn als einen Fußweg findet.
Liam lässt sich auf jeden Fall nicht vom Wetter abschrecken – Gewohnheit, würde ich wohl sagen. Als er uns gegen 8:00 beim Frühstück relaxed im Ballonseidenen Anzug begrüßt, war er schon eine Runde golfen und freut sich auf einen entspannten Home-Office-Tag. Für uns hält das Frühstück heute Spiegelei und gebratene Pilze bereit – ich möchte gar nicht zählen, wie viele kleine kugelige Cholesterin-Bomben wir im Laufe des Urlaubes verdrückt haben. Vermutlich eine halbe Legehennen-Batterie voll….
Nach dem Frühstück geht es fix und auf dem Weg ereignislos nach Derry und angenehmerweise hält das Navi auch ein Parkhaus knapp außerhalb der ummauerten Altstadt in einem Einkaufszentrum bereit. Im Einkaufszentrum wird erstmal der Boots aufgesucht, um zwei äußerst, wenn nicht die wichtigsten Urlaubssouveniers überhaupt zu kaufen: 1. Irn Bru und 2. Boots-Wachs-Ohrenstöpsel. Letztes Jahr in London zum ersten Mal gekauft und direkt verliebt. Irgendwann haben wir es uns in Hamburg mal angewöhnt nachts mit Ohrenstöpseln zu schlafen. St. Pauli eben. Schadet also nicht. Na ja, und letztes Jahr in London hatten wir unsere dummerweise vergessen, aber Boots konnte da aushelfen. Und wie! Luxus-Wachs-Ohrenstöpsel. Neben einem könnte jetzt ein Vulkan ausbrechen oder ein Flugzeug explodieren. Tja, deswegen müssen gleich mehrere Packungen käuflich erworben werden, um bis zum nächsten Urlaub in einem Land, in dem es Boots gibt, präpariert zu sein. Hat sich also jetzt schon gelohnt, nen Abstecher nach Derry zu machen. Das Einkaufszentrum an sich (Name gerade entfallen) ist selbstverständlich so trist wie jedes andere Einkaufszentrum auch. Die immer gleichen Filialisten und die immer gleichen unterdurchschnittlichen Cafés und Essgelegenheiten. Charmebefreit. Allerdings mit dem unbestreitbaren Vorteil akzeptabel gepflegter öffentlicher Toiletten. Nach dem Aufsuchen der selbigen tragen wir leider zum Voranschreiten der allgemeinen Ver-Mall-isierung bei und genehmigen uns einen der absurd überteuerten Kaffees bei Starbucks. Was wirklich nur im äußersten Notfall mal vorkommt. Meiner Ansicht nach stehen wenig andere Unternehmen so sehr für die immer weiter getriebene Gesichtslosigkeit der Innenstädte. Man versuche mal beispielsweise in der Hamburger Innenstadt einen akzeptablen Kaffee zu bekommen, der nicht in „tall“, „vendi“ oder „grande“ verabreicht wird und den Preis eines 2-Gänge-Menüs kostet. Mittlerweile kaum noch möglich. Starbucks dürfte die hemmungsloseste und aggressivste Expansionsstrategie aller Filialisten verfolgen – eigentlich nicht unterstützenswert. Asche auf unser Haupt….
Nach der kurzen und gewissensgeplagten Koffeinzufuhr machen wir uns daran, die Altstadt von Derry zu erkunden. Rund um die Altstadt ist noch die alte Stadtmauer komplett erhalten, auf der man einmal komplett die Altstadt bei schönen Ausblicken sowohl auf die Altstadt selber als auch auf die außerhalb gelegenen Gebiete genießen kann. Wir bummeln also ein wenig herum und begeben uns für den Lunch zur latenten Wiedergutmachung für den Starbucks-Besuch in das kleine Café Boston Tea Party im Derry-Craft-Village. Ein recht angenehmes old-school-Café bzw. Bistro, in dem zu dieser Zeit offensichtlich überwiegend die Mittagspause der in den umliegenden Firmen und Geschäften arbeitenden Berufstätigen verbracht wird. Essenstechnisch gibt es die obligatorische vegetarische Lasagne (Wieso wusste ich nicht, dass vegetarische Lasagne offensichtlich ein irisches Nationalgericht ist???), die äußerst günstig ist und durchaus akzeptabel schmeckt. Und praktischerweise üppig genug ist, für den weiteren Tag kaum Hunger aufkommen zu lassen.
Im Anschluss wollen wir ein wenig von der jüngeren, wenig erbaulichen Historie Derrys mitnehmen und spazieren durch die Bogside – vor noch nicht allzu langer Zeit Brennpunkt der Troubles. Besonders beeindruckend hier die häuserwandgroßen Murals, die sich mit der Geschichte befassen und im Endeffekt aber angenehmerweise irgendwie einen optimistischen Eindruck bezüglich zukünftiger Entwicklungen entstehen lassen. Auch die berühmte Free-Derry-Corner darf natürlich nicht fehlen. Zum Abschluss des Derry-Besuches führt es uns ins Tower Museum in der Altstadt, in der man neben irgendeinem spanischen Schiff aus dem 17. Jahrhundert, das wir gepflegt links liegen gelassen haben, auch etwas über die Geschichte der Stadt Derry erfährt. Und die war, wie man schon bei der bekannten Namens-Problematik erahnen kann, relativ wechselhaft. Um es mal zurückhaltend auszudrücken.
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Nach dem Museum verlassen wir dann so gegen 16:30 Derry und machen uns auf den Weg zum Giant’s Causeway, wo wir gegen 17:30 ankommen und den Wagen auf den mittlerweile praktischerweise kostenfreien Parkplatz des Besucherzentrums parken und uns dann erstmal ins dort gelegene Hotel begeben, um uns auf den örtlichen Begebenheiten kurz mal in das Wanderoutfit schmeißen. Der Himmel verheißt nämlich nicht nur eitel Sonnenschein. Wir hatten uns überlegt, ein Stück den Cliff Path entlang zu gehen, der noch einige Kilometer die Antrim Küste weiter gen Osten geht. Diesem wollten wir für eine gute Stunde bis 90 Minuten folgen, um dann umzukehren und auf dem Rückweg unten an der Küste entlang den Causeway anzuschauen. Mittlerweile hat es sich allerdings auch in Irland rumgesprochen, dass ein einzigartiges Naturereignis auch ein entsprechend bombastisch hingeklotztes Besucherzentrum benötigt, so dass hier eigentlich alles eine Baustelle war und wir deutlich mehr Zeit als geplant damit zugebracht haben, den Start des Cliff Paths zu finden. Man wollte es einem aber auch nicht zu leicht machen. Um die Baustelle rum, an einer kleinen Kirche vorbei, in einen Graben gesprungen und dann über eine Weide – schon (ha ha) war man am Start der Wanderung. Die dann aber nach wenigen Minuten komplett für die kurze Orientierungslosigkeit entschädigte – fantastische Ausblicke von oben auf die Klippen und die Brandung an der Küste und sogar (vermutlich) eine Sicht bis nach Schottland. Gut, dass es, nachdem wir uns auf die Wanderung gemacht haben, nicht ewig bis zum Regenschauer dauern würde, war von vorneherein klar. So ein Irland-Urlaub lehrt einem schnell, eine Aussage zu schätzen, für die ich vor geraumer Zeit dem durchschnittlichen Funktionsjackenträger noch mit standrechtlicher Erschießung gedroht hätte: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.“. Bla bla bla. Aber wahr. Ich geb’s zu. Deswegen irritiert uns der Regen nicht weiter und wir wandern in etwa 75 Minuten den Cliff Path entlang, kehren dann um und machen uns die langen (und rutschigen….) Sheeps Steps hinunter zum Causeway.
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Hier gibt es dann das komplette Programm: Organ, Amphitheater und Causeway selber. Schon eine recht beeindruckende Veranstaltung diese so gleichmäßigen Säulen, die eine Bauingenieur kaum besser hätte entwerfen können. Allerdings schaffen es Reiseführer und Bilder, die man im Vorwege gesehen hat, recht gut, einem das Gefühl zu geben, dies wäre eine monumentale Erscheinung. Das nun aber wirklich nicht. Besonders ist es, einzigartig auch. Aber eben auch überraschend überschaubar von der Dimension. Zumindest der sichtbare Teil. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Besuch – insbesondere aufgrund der perfekten Gesamterscheinung mit dem Meer und den Klippen. Wir tollen ein wenig auf den Säulen herum, bevor es auf dem Coast Path zurück zum Besucherzentrum und Auto geht.
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Mittlerweile ist es kurz nach 21:00 und vor uns liegt noch eine ordentliche Strecke zurück nach Donegal, so dass wir uns fix auf den Weg machen. Kurz vor Derry wird nochmal bei nem Safeway gehalten, um so etwas wie Abendbrot (Irn Bru….) einzukaufen und dann geht ohne Umwege zurück zum B&B. Linksverkehr, enge Straßen, teils kurvige Straßenführung und das bei Dunkelheit – hier kommt man als Festlandeuropäer, der es gewohnt ist auf der richtigen Straßenseite zu fahren, nicht gerade in die Gefahr des Sekundenschlafes. Petra stört das wenig – die schafft es ganz ohne die fabelhaften Boots-Ohrenstöpsel ein perfekter Beifahrer zu sein und einzuschlafen…. Trotzdem kommen wir gegen 23:30 recht fix und alle im B&B an und finden ohne Umwege die Gelegenheit, die neuen Ohrenstöpsel zu benutzen…
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