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19.09.2010 17:51 Faszination Irland?! Beitrag #1
Faszination Irland?!
Erfahrungsbericht.
Es ist mein vierter Tag in Irland. Oder doch schon der fünfte?
Ich weiß es nicht genau, verliere langsam das Zeitgefühl.
Die Uhren hier in Irland gehen anders. Irgendwie langsamer.
Ich passe mich langsam an.
Ich merke nur, es ist Wochenende.
Der Verkehr ist noch weniger als sonst.
Noch weniger?
Ich sitze seit ca. zwei Stunden im Sattel meiner Maschine und habe nach verlassen der Stadt Galway etwa zehn andere Verkehrsteilnehmer gesehen.
Meine heutige Tour bringt mich einmal komplett um die Binnenseen Loch Corrib und Loch Mask im County Calway.
Eine Gegend, die von Touristen nicht sehr hoch frequentiert ist.
Eine eher karge Vegetation. Felsboden bricht überall hervor, Felder, Wiesen, Sträucher und dazwischen immer wieder diese Natursteinmauern.
Vor einer kleinen Baumgruppe erkenne ich die Einmündung zu einem Feldweg.
Feldweg? Wohl eher ein breiter Trampelpfad.
Vermutlich von den vielen freilaufenden Schafen angelegt.
Egal, für eine kleine Zigarettenpause wird’s reichen. Außerdem kann ich mir dabei ein bisschen die Beine vertreten.
Absolute Stille. Ich höre nur das knistern des abkühlenden Motors und irgendwo in der Nähe das plätschern eines Baches.
Herrlich!
Ein Blick zum Himmel, läßt mich vorsichtshalber die Regenkombi anziehen. Eine gute Entscheidung, denn 15 Minuten später regnet es. Mal wieder.
Weiter geht’s mit gemütlichen 80 Km/h auf dieser kleinen Strasse, auf die nicht einmal zwei Autos nebeneinander passen. Dafür gibt es alle paar hundert Meter Ausweichbuchten, sollten sich doch mal welche begegnen.
Je weiter ich nach Norden fahre, um so karger wird die Landschaft.
Vereinzelt sieht man mal ein verlassenes Gehöft, oder die verfallene Ruine eines Cottage.
In der Nähe erheben sich felsige Hügel über die Landschaft.
Um die Mittagszeit meldet sich mein Magen und ich beschließe, bei der nächsten Möglichkeit einzukehren.
Ein kleines Dörfchen bietet mir schon bald die Gelegenheit dazu.
Außer mir ist nur ein anderer Gast in dem Pub.
Meine nassen Klamotten hänge ich an die Garderobe und bestelle ein warmes Sandwich. Viel mehr gibt es auch nicht, denn es wird wie in England erst gegen Abend warm gegessen.
Es kommt sogar eine kleine, knappe Unterhaltung zustande.
Nach gut einer Woche im englischsprachigen Raum, kein großes Problem mehr. Mein Englisch wird immer besser und flüssiger. Kein Wunder, man hört ja den ganzen Tag nichts anderes.
Diese Unterhaltungen sind mehr als nur Smalltalk. Die Gegend ist so menschenleer, da nutzt man jede Gelegenheit für einen Plausch.
Komischerweise wird aber nie über das Wetter gesprochen.
Nach der Mittagspause, strahlender Sonnenschein und schnell ziehende schneeweiße Wolken. Das Wetter ist in ganz Irland sehr wechselhaft.
Hier in der nördlichen Hälfte wird es jedoch niemals richtig warm.
Inzwischen hab ich den Loch Mask im Norden umrundet und fahre wieder in südlicher Richtung. Da ich jetzt weiter von der Küste weg bin, ist es auch klimatisch etwas angenehmer. Auch die Vegetation nimmt deutlich zu. Dieses satte Grün, was Irland so einzigartig macht, ist wieder überall zu sehen. Dazwischen wieder verfallene, Efeu bewachsene Ruinen.
Die Gedanken schweifen ab. Wie lange es wohl schon verlassen ist? Wer hat dort gelebt? Warum sind sie weg gegangen? Sind sie verstorben, in die nächste Stadt gezogen oder ganz ausgewandert? Gibt es vielleicht ein mystisches Geheimnis um dieses oder jenes Gemäuer?
Solcherlei Gedankenspiel ist auch nur hier, auf diesen einsamen Strassen möglich.
Nachmittags erreiche ich, wieder bei Regen, meine Gastfamilie.
Duschen, umziehen und kurze Zeit darauf gibt es Dinner in der großen Küche. Bei kleinen Bed & Breakfast Häusern auch schon mal inmitten der Familie. Dabei kann man interessantes und nützliches erfahren. B & B hat durchaus Vorteile.
Nach dem Essen Ausarbeitung der Tour für den nächsten Tag. Dann heißt es Abschied nehmen von dieser Familie und ab in den Süden der Insel.
Bin schon gespannt, was der so zu bieten hat.
So, das war einer von elf unvergessenen Tagen in Irland.
Elf? Ok, einen Tag streiche ich, wegen leichter Übelkeit und nicht so leichter Kopfschmerzen.
Wer mit Iren feiert, sollte schon was vertragen.
Aber ich habe mich – for a german – wacker gehalten.
Cheers
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19.09.2010 17:59 Faszination Irland?! Beitrag #2
Ach wie schön!
Ich kann mir alles so gut vorstellen!
Diese Gegend liebte ich besonders, wo man früher sagte, kein Baum zum Aufhängen und kein Wasser zum Ertränken!
Allerdings saß ich in einem Bus und konnte nicht stehen bleiben und aussteigen, wie Du.
Aber grade das Leere, Einsame hat mich fasziniert und begeistert!
Und in Galway hat es jeden Tag X-Mal geregnet, ich hatte eine Lockenfrisur, hab sie gelassen, denn man wurde ohnehin gleich wieder nass. Allerdings warm war es schon, sogar schwülwarm...
Weiterhin viel Freude (ich beneide Dich maßlos!!!) und Spaß !
Edith
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19.09.2010 18:18 Faszination Irland?! Beitrag #3
Naja, ich war Anfang Mai dort unterwegs.
Da war es (auf dem Motorrad) nicht besonders warm.
Und danke für Dein feedback!
kuss
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19.09.2010 18:39 Faszination Irland?! Beitrag #4Cosmo.Der Spruch bezieht sich auf den Burren, unser Biker war aber in Connemara unterwegs.... da hat es genug Wasser ganze Armeen zu ertraenken.
Zitat von Edith+Eire
Ein paar Baueme finden sich auch, also reichlich Moeglichkeiten.......
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19.09.2010 19:26 Faszination Irland?! Beitrag #5
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20.09.2010 12:00 Faszination Irland?! Beitrag #6Pigi
Hi
Haette gerne weitergelesen. Wunderschoene Sprache.....!! Wann erscheint das Buch??
Lieber Gruss und vielen Dank fuer den eindrucksvollen Moment.
Pigi
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20.09.2010 12:25 Faszination Irland?! Beitrag #7pippiinireland
Kann mich da Pigi nur anschliessen.
War wirklich schoen zu lesen. Da steckt viel Gefuehl drin.
Habe selten einen so schoenen Bericht gelesen.
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21.09.2010 18:01 Faszination Irland?! Beitrag #8
@ Pigi & pippiinireland
Vielen vielen Dank für euer Lob.
Ich werd ja fast rot.
Beim verfassen hatte ich schöne irische Folk Musik als Hintergrund und meine Urlaubsfotos als Inspiration.
Aber für ein Buch wird das nicht reichen.
Nicht mal für eine Broschüre.
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21.09.2010 18:28 Faszination Irland?! Beitrag #9
Zitat von Pigi
Da werd ich Dich wohl enttäuschen müssen.
Vieles wiederholt sich und würde langweilig werden.
Versuch mal, Emotionen in Worte zu fassen. Schwierig.
Man muß es einfach erleben, fühlen, riechen, schmecken, hören ...
Wenn sich im Gaeltaght, z. B. in Dingle (auf der gleichnamigen Halbinsel), die Leute auf gaelisch unterhalten.
Wenn Du durch etwa 2 Meter hohe Flora fährst, Dich auf dem Motorrad hinstellen mußt, um darüber zu sehen.
Wenn Du nach einem Regenschauer bei strahlendem Sonnenschein über dampfende Strässchen fährst.
Oder durch einen abtropfenden Laubwald, dessen Blätterdach wie ein Tunnel aussieht.
Oder wenn Du etwa 10 Meter entfernt vom Atlantik stehst und die salzige Gischt spürst.
Wenn tiefhängende Wolken über Hügelketten schweben. Das kriegst Du auf keinem Foto hin, die Bewegung fehlt ja.
Wenn man an einem irischen Abend mit Musik und Tanz teilnimmt.
All diese Erinnerungen sind in meinem Kopf, ok, vieles auch auf Fotos.
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