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Die Gälen 300 v.Chr.

  1. Die Gälen 300 v.Chr. Beitrag #71
    barnacle bill
    Avatar von barnacle bill
    Und noch ein kleiner Artikel, der meine "Bedenken" stützt (spart mir viel Arbeit):

    Lässt sich denn ein Bezug der Inselkelten zu den Festlandkelten nachweisen? Schließlich existieren ja eindeutig keltische Sprachen in Britannien, und irgendwie muss doch das Keltische dorthin gekommen sein, von wo es dann letztendlich den Weg in die Bretagne fand. In Südengland belegen altkeltische Funde, dass es dort in der Eisenzeit laufend Kontakte zum Festland gab, es sind aber keine Zuwanderungen erkennbar, sondern eine bruchlose Entwicklung von der Bronze- in die Eisenzeit (vgl. Ade/Willmy, S. 69). Einwanderungen beginnen erst am Ende des 2.Jh. v.Chr., und mit ihnen beispielsweise auch gallische Importe. Laut Caesar siedelten auch belgische Stammesangehörige im südenglischen Hinterland, und es gab rege Beziehungen über den Ärmelkanal. Große Kelteninvasionen gab es aber nicht. Weiter in den Norden Englands nehmen die altkeltischen Funde stark ab, und Irland, wo kaum Latène- oder Hallstattfunde auftreten, muss sich fragen lassen, wie "keltisch eigentlich seine Kelten" waren (Mc Eoin 1986, nach Birkhan, S. 35). Irlands kulturelle Wurzeln liegen aus archäologischer Sicht in der Bronzezeit.

    So weit ein Abriss über die Herkunft der Kelten, der die Schwierigkeit beinhaltet, eindeutig sagen zu können, welche Stämme (allgemein und speziell die der Bretagne) überhaupt als Kelten zu bezeichnen sind (vgl. Birkhan, S.32 ff.). Die Archäologie kann aus den von ihr gefundenen Gegenständen nicht ableiten, ob diese sich durch kulturelle Beeinflussung und Handel oder durch expandierende Stämme ausgebreitet haben (so wenig, wie man aus dem heutigen verstärkten Vorkommen von Cola-Dosen, Baseballkappen und Jeans in Europa auf eine nordamerikanische Invasion schließen kann). Um zu eindeutigeren Aussagen zu kommen, müssten zusätzliche, nicht materielle Kulturgüter wie Sprache, Religion oder die Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens des betreffenden Personenkreises bekannt und als keltisch erkennbar sein. Tatsächlich kennt man darüber viele Details, nur bezieht sich ein Großteil des Wissen auf die Zeit ab den gallischen Kriegen Caesars. Problematisch wird es, wenn wir zu den Ursprüngen der Kelten gehen, "denn je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto weniger wird die immaterielle Seite greifbar, so dass am Ende der Archäologe vor seinen Funden steht und sich fragt, ob diese [...] eigentlich noch "keltisch" seien. Im Grunde sind ihm die Kelten schon abhanden gekommen" (Birkhan, S. 33). Und auch der umgekehrte Fall tritt auf, dass in offensichtlich keltischen Gebieten die Funde aus der Latène- oder Hallstattzeit nicht mit den archäologischen Erwartungen übereinstimmen. So wird im Gebiet der Averner, der "Musterkelten", deren Keltentum als historisch völlig gesichert gilt, faktisch keine Latènekultur aufgefunden, so dass Irlands "Problem" doch stark relativiert ist. Unklarheiten noch und noch.

    Ist die archäologische Verknüpfung Kelten = Angehörige der Latènekultur zu eng gefasst? Könnte die keltische Sprache bereits weit vor der Bronzezeit in die Bretagne und auf die britischen Inseln gekommen sein und mit den "archäologischen Kelten" garnicht zwingend verknüpft sein? Die Sprachwissenschaft, die die keltischen Sprachen zu den indoeuropäischen Sprachen zählt, nimmt spekulativ eine indoeuropäische Ursprache an, die um 3500 v.Chr. in Kleinasien existiert haben könnte und sich von dort aus verbreitet hat. Damit verbunden könnten Wanderbewegungen des indogermanischen Urvolkes sein, so dass die von der Archäologie gefundenen kulturellen keltischen Gemeinsamkeiten auf wesentlich ältere gemeinsame Wurzeln zurückgehen. Vielleicht leistete auch die oben erwähnte Urnenfelderkultur einen Beitrag zur Verbreitung von Vorformen der heute als Keltisch bezeichneten Sprachen, weiter oben habe ich ja bereits erwähnt, dass Cunliffe für diese Kultur annimmt, sie hätten indogermanische Dialekte gesprochen. Können Spekulationen um die Herkunft der keltischen Sprache in irgendeiner Weise durch die Genetik erhellt werden? Populationsgenetiker beschäftigen sich bereits mit dem Zusammenhang zwischen dem genetischen Verwandtschaftsgrad verschiedener Völker und dem Verwandtschaftsgrad ihrer Sprachen.

    Literatur:
    B. Cunliffe: Die Kelten und ihre Geschichte. 6. Aufl. Bergisch-Gladbach 1996
    D. Ade und A. Willmy: Die Kelten. Stuttgart 2007
    H. Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. 2. Aufl. Wien 1997

    Aus: http://www.bretagne-tip.de/geschichte/kelten.htm

  2. Die Gälen 300 v.Chr. Beitrag #72
    barnacle bill
    Avatar von barnacle bill
    Wer gerne zu dem Thema weiterlesen möchte:


    http://books.google.de/books?id=G73f...age&q=&f=false

  3. Die Gälen 300 v.Chr. Beitrag #73

  4. Die Gälen 300 v.Chr. Beitrag #74
    barnacle bill
    Avatar von barnacle bill
    Zitat Zitat von irlins



    Letztlich kann man sich auch Agricola daheim bei einer Amphore Wein vorstellen, der seinem Schwiegersohn zum x-ten Mal mit der Story "I could have been someone, I could have been a contender!" auf den Zeiger ging. Opa erzählt wieder Kriegsgeschichten. Wie er im Alleingang Irland erobern hätte können, zur Ehre Roms. Ja, Opa ... wie damals in den Ardennen ...

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