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Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen

  1. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #1
    kittycat

    Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen

    Hallo Ihr Lieben,

    mein Mann und ich waren vom 5. bis 25. September in Irland und erlebten einen Urlaub mit vielen Höhepunkten, aber auch einigen Katastrophen.

    Über das Wetter brauche ich ja nicht viel zu sagen - das wurde schon in anderen threads ausführlich dargelegt. Wir waren eine Woche lang in Killarney, eine Woche lang in Spiddal bei Galway und noch 5 Tage in Dublin. Davon hatten wir sieben Tage lang so schlimmen Regen, dass wir nicht vor die Tür konnten , sieben Tage lang strahlende Sonne und den Rest Wolken, Sonne und leichten Regen gemischt.

    Regen wie aus Kübeln


    Die ersten Tage versetzen meinen Mann und mich in eine tiefe Depression. Dass wir mit Regen rechnen mussten, wussten wir ja. Jeden Tag ein leichter Schauer, hin und wieder auch etwas kräftigere Niederschläge hätten uns nicht gestört - wozu hat man schließlich Regenjacken dabei ? Aber diese Wassermassen und (laut Wetterbericht im Fersehen) keine Aussicht auf Besserung? Da half es auch nicht, dass wir ein wunderschön eingerichtetes, geräumiges Cottage mit Kamin, Spülmaschine, Waschmaschine, Trockner, deutschem Fernsehprogramm und einer Wohnzimmereinrichtung vom Feinsten hatten.

    Erschwerend kam nämlich hinzu, dass wir uns die Zeit nur mit zwei Büchern und vier Fachzeitschriften vertreiben konnten. Und das kam so: Ich wollte ganz besonders schlau sein und mich auf die mickrigen 15 Kilo Reisegepäck bei Ryanair schon in weiser Vorausplanung gut einstellen. Also packte ich ein großes Paket mit zehn Büchern (das ist die Mindestausstattung für drei Wochen Urlaub!), Kreuzworträtsel für regnerische Tage, Fön, zwei dicken Pullovern für meinen Mann, meinem heißgeliebtem Kaffee und unseren Wanderschuhen (!) und schickte das Ganze drei Wochen vorher mit dem Hermes-Versand an die Adresse unserer reizenden Vermieterin in Killarney.

    Keine Bücher, keine Wanderschuhe

    Leider war das ein Schuß in den Ofen. Als wir ankamen, war nichts von dem Paket zu sehen und es blieb auch die nächsten Tage verschollen. Ich will hier nicht die Telefonate und zunehmend wütendere E-Mails an die Adresse von Hermes schildern - jedenfalls stellte sich nach knapp einer Woche heraus, dass der irische Vertragspartner des Paketdienstes die Adresse nicht gefunden und das Paket nach Deutschland zurück geschickt hatte....

    Also hatten wir nichts zu lesen, mein Mann keine warmen Pullover und ich für drei Wochen Urlaub nur ein einziges Paar Schuhe dabei. Glücklicherweise waren das die bequemsten, die ich besitze... Immerhin bekam ich das Porto und einen Teil meiner Auslagen von Hermes ersetzt.

    An den wenigen sonnigen und "durchwachsenen" Tagen sahen wir aber sehr viel Schönes, das uns für unseren Frust entschädigte. Unser Tipp für jeden, der in den Südwesten fährt: Vergeßt den Ring of Kerry, das ist nur ein Produkt gelungener PR! Viel, viel schöner ist der gleich südlich davon gelegene Ring of Beara: Einsame Straßen, hübsche Orte, wilde Brandung und traumhaft schöne Ausblicke auf Meer und heckengesäumte Felder.

    Nett, besonders für Familien, ist das Museum in Tralee, in dem sie eine ganze mittelalterliche Stadt nachgebaut haben, mit Häusern, Menschen, Geräuschen, und nicht zu vergessen dem abscheulichen Geruch, der damals über allem schwebte! Ein Erlebnis auch die Abende in den Musik-Pubs und vor allem der Tipp unserer Wirtin, die uns zu einem Hotel schickte, in dem nicht Folklore für Touristen geboten wird, sondern ganz normale Iren einmal in der Woche zum Tanzen - und zwar zu irischen Tänzen - zusammenkommen. Herrlich!

    Das nächste Cottage: Eine Katastrophe


    Nächste Station war Athenry bei Galway. Kennt hier irgend jemand Athenry? Falls nicht: Versucht es auch nicht kennenzulernen, macht um Himmels Willen einen Riesenbogen darum! Es kann ja sein, dass Lokalpatrioten das anders sehen, unser Eindruck war jedenfalls: ein schäbiger, heruntergekommener Ort mit abblätternden Fassaden, großen Löchern in den Betonbürgersteigen und mehr geschlossenen als offenen Lokalen und Pubs.

    Das Cottage wiederum war so grauenhaft, eng und primitiv eingerichtet, dass wir nach einer schlaflosen Nacht ohne Diskussion beschlossen: Hier bleiben wir nicht! Also machten wir uns- natürlich wieder bei strömendem Regen - auf in Richtung Galway, wo wir in der Tourist-Informatin erfuhren, dass sie nicht zuständig seien für die Vermietung von Self-Catering-Cottages. Und am Sonntag war natürlich auch kein Vermietungsbüro geöffnet. Also fuhren wir mit dem Mut der Verweifelten an die Küste, wo wir in Spiddal auch tatsächlich fündig wurden: Die Vermieterin eines strohgedeckten, liebevoll mit Blumen geschmückten Cottages mit herrlich großem Wohnzimmer und Kamin, mit schönem Geschirr und zwei traumhaften Schlafzimmern verabschiedete gerade Gäste. Danach war das Haus frei - aber nicht lange! Nach Athenry zurück fahren und in einer halben Stunde packen war eins. Die Wirtin war zwar gekränkt, aber nicht so sehr, dass sie uns etwas von den im Voraus bezahlten 400 Euro Miete zurück gegeben hätte. Lediglich der Internet-Vermittler "GoIreland" erstattete uns seine Provision von 55 Euro, weil er zugeben musste, zwei irreführende Angaben in seiner Beschreibung zu haben.

    Sonnenbrand und Muskelkater

    Die nächste Woche war weitgehend traumhaft. Ein Ausflug bei herrlichsten Wetter zur Aran-Insel Inishmoor (kostet pro Person zwar 25 Euro, lohnt sich aber unbedingt) brachte uns einen Sonnenbrand (und mir einen Muskelkater vom Fahrradfahren) ein, war aber einer der Höhepunkte. Auch die Fahrt durch Connamara und den Burren gehört zu unseren schönsten Erinnerungen, außerdem natürlich das zwanglose Spiel der Folkmusiker und die netten Gespräche mit den Einheimischen abends im Pub, der Bummel durch die wunderschöne Fußgängerzone von Galway, die Mahlzeiten im Freien (ja, hatten wir auch!) mit Guiness Stew und Cottage Pie.

    Dublin und ein Rippenbruch

    Den Abschluß bildeten fünf Tage Dublin mit viel Besichtigungen, Sonne und nur etwas Regen. Also, wenn ich ehrlich bin: Zwei Tage hätten mir gereicht, davon mindestens ein halber im Trinity College beim Book of Kells. Ansonsten kann ich nur sagen: Der Verkehrslärm ist wegen der vielen Busse unerträglich, die Stadt hat keinerlei Flair, keine Straßencafés, keine schönen Häuser und Fassaden und die Eintrittspreise für Kirchen (!) wie die Christ Church Cathedral und St. Patrick Cathedral sind eine Unverschämtheit. Den letzten Tag flüchteten wir uns in den Phoenix Park, wo wir ein wenig Ruhe, viel Grün und ein nettes Café fanden. Unser B&B in der Navan Road können wir sehr empfehlen: Günstig im Preis und günstig gelegen, sauber und nette Wirtin.

    Zum Abschluß passierte übrigens noch die größte Katastrophe dieses Urlaubs: Ich stolperte auf dem unebenen Straßenbelag und fiel voll auf das Gesicht und die Seite. Die Folge: Brille völlig zerstört, vier Tage heftige Schmerzen im Brustkorb und nach der Rückkehr zu Hause die Diagnose Rippenbruch.

    Nächstes Frühjahr fliegen wir nach Rhodos. Da ist es warm und der Sand schön weich...


    Vorher aber hier noch ein paar Erkenntnisse und Tipps, die aber natürlich alle ganz subjektiv sind und lediglich unsere eigene Meinung wiedergeben:

    - Wenn Sie die Wahl haben zwischen Nationalstraßen wie N4 und Regionalstraßen wie R245 empfiehlt sich immer die Regionalstraße. Sie ist in der Regel breiter, verkehrsärmer, weniger abgefahren, besser ausgebaut und nicht so kurvig.

    - Irische Butter und Margarine ist immer gesalzen (Ausnahmen sind uns nicht begegnet). Zusammen mit Marmelade und Honig ein sehr ungewohntes Geschmackserlebnis.

    - Wenn Sie einen festen Wohnort wie ein Cottage haben, machen Sie sich nach einem Ausflug nicht zu früh auf den Heimweg. Die Rückfahrt dauert nämlich nie so lange wie berechnet.

    - Wenn Sie für den Südwesten nur begrenzte Zeit haben: Schenken Sie sich den Ring of Kerry und schauen Sie sich lieber den Ring of Beara auf der genau südlich davon liegenden Halbinsel an. Sie werden es nicht bereuen!

    - Wenn Sie auswärts essen und sparen wollen: Gehen Sie mittags ins Restaurant. Das ist erheblich günstiger

    - Die Lebensmittelpreise sind bei den Discountern gar nicht so hoch. Dafür ist die Qualität beispielsweise des Fleisches oft viel besser als bei uns. Deshalb sollte, wer die Gelegenheit dazu hat, ruhig selbst kochen. (An Regentagen hat man ohnehin nichts besseres zu tun...)

    Ganz liebe Grüße

    kittycat

  2. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #2
    capall
    Avatar von capall
    na, da hattet ihr ja tatsaechlich einiges Pech! Gute Besserung fuer die Rippen - soll ich nen Witz erzaehlen? Oder lieber nicht?
    Aber Sand gibts doch in Irland auch genug! Dublin kann man sich wirklich sparen und in der Zeit lieber am Strand rumstolpern...
    Ich wuensch euch auf jeden Fall einen schoeneren Urlaub naechstes Jahr!!!

  3. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #3
    Gast12952
    Solch ungeschminkt realistischen Reiseberichte werden hier nicht immer gern gelesen.

    Ich bin schon jetzt enorm gespannt, was die Userin Dairbhre dagegen zu setzen hat.
    Für alle Unbill mindestens ein schönes pic.

  4. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #4
    harald75
    Avatar von harald75
    time to feed?

  5. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #5
    Barbara + Sammy
    Avatar von Barbara + Sammy
    Naja, denselben Reisebericht von Kittycat könnte man nächstes Jahr vermutlich aus Rhodos (Achtung bei dem Kopfsteinpflaster in der Altstadt - da hab ich mich auch schonmal auf die Fresse gepackt!) lesen - eventuell ohne Regen.... mir ist auf Rhodos irgendwann einfach diese verflixte Sonne auf den Senkel gegangen, die nie aufhörte, vom Himmel zu brennen! Ok, das ist über 20 Jahre her und mag sich mittlerweile geändert haben!!!

    Ansonsten hast Du vermutlich genau den normalen Urlaub beschrieben - manchmal hat man Glück und manchmal hat man einfach enormes Pech! Aber im großen und ganzen scheint Ihr einen schönen Urlaub gehabt zu haben! Pech mit Hermes - aber immerhin hat es nur Artikel getroffen, die man problemlos ersetzen kann! Ich reise immer nach dem Motto: Hab ich Paß, hab ich Kreditkarte? OK, alles andere kann man kaufen!

  6. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #6
    Gast12952
    Ich nehme mir meist 3 Bücher mit .... manchmal verschenke ich sie nachher an deutsche Auswanderer oder laß sie im Hostel oder Ferienhaus und decke mich vor Ort mit Angebotsbüchern ein.... aber so gerne ich lese....vor Ort bin ich abends meist zu müde von der ganzen rumkraxelei und der frischen Luft.
    Und Pullis kann man sich ja auch vor Ort zulegen.
    Ich finde, in einem guten Urlaub muß einem auch mal was passieren (mein Garda- und Botschaftsbesuch war damals auch nicht geplant!), solange man nicht gleich stirbt! Weißt Du, als ich so 10 J.war, waren wir mal wieder in Italien (damals bin ich noch braun geworden und mochte die Wärme), und mein Vater hat einen Herzinfarkt bekommen....meine Brüder waren auch noch zu jung und meine Mutter hatte keinen Führerschein und so sind wir immer mit dem Bus ins Krankenhaus gefahren.....und zum Schluß hat uns doch der nette Ferienwohnungsbesitzer zurück nach Deutschland gefahren!
    Ein Urlaub ohne "besondere" Erlebnisse ist doch langweilig, oder? So hat man hinterher wenigstens was zu erzählen.... !

  7. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #7
    Dairbhre
    Avatar von Dairbhre
    Ich bin immer wieder überrascht, dass das Iveragh Gebiet auf den Ring of Kerry reduziert wird.
    Geht jetzt hoffentlich niemand davon aus, dass wir Tage damit verbringen, auf der N70 im Kreis zu fahren.

    Wer Killarney keine Schuhe und Bücher findet, und den Nationalpark nicht erwähnt, hat ein völlig anders Konzept als ich.
    Ich gehe dort hin zum Shopen und vielleicht mal zum (irish) Dinner , aber den Urlaub verbringe ich am Meer.
    Egal ob in Irland, Frankreich oder Griechenland.
    Aber ein Cottage in Athenry ? Wie kam es denn dazu?????

    Tut mit leid, dass euer Urlaub nicht den Erwartungen standgehalten hat.

    @ Linksverkehr,
    das was kittycat hier beschreibt hat mit dem, was ich tue absolut nicht gemeinsam.

  8. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #8
    erin1976
    @kittycat - das tut mir leid, dass dein urlaub nicht so verlaufen ist, wie du dir das vorgestellt hast - war das dein erster irland-urlaub? viele sachen, die du über irland geschrieben hast, sind so typisch wie das land und für mich normal, wenn ich da bin .... ich find, auch bei regen kann man auto fahren und sich einiges ansehen - klar wird man dabei auch nass, wenn man das auto verlässt, aber guggn ausm auto raus kann man immer .... und der ring of kerry is doch auch sehr schön - klar, wenn man mal runter auf die coastroads fährt, findet man teilweise noch schönere ausblicke usw. - aber dass er nun so gar nicht zu empfehlen ist, das find ich grad so ein wenig übertrieben .... aber gut, jedem das seine und mit dublin hast du teilweise recht - denn ich war nach zwei wochen, meer, ruhe und natur für ein paar tage in dublin und mir warens einfach zu viel menschen und zu laut ... mit den eintrittspreisen in die kirchen hab ich net so das problem - heutzutage wird man doch überall abgezockt, da reg ich mich schon lang nimmer auf!

    ich hoffe, dass trotzdem die ein oder andere schöne erinnerung an irland hast und dich gut von deinem rippenbruch erholst!

    viele grüsse
    erin

  9. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #9
    Midori
    hm, also dass Athenry nicht so der Hit ist, haette ich auch vorher sagen koennen...

    Aber das die Regionalstrassen besser sein sollen als die Nationalstrassen, halte ich fuer ein Geruecht...versuch mal, auf R-Strassen nach Dublin zu kommen - ohne Stossdaempferschaden...

    Es gibt ungesalzene Butter - allerdings nur (ironischerweise) daenische, von Lurpak. Zu Apotherkerpreisen.

    Ueber die Fleischqualitaet laesst sich streiten..

    Aber ich kann auch nur zustimmen - wenn ich die Wahl haette, Urlaub in Irland oder auf Rhodos zu machen, gewinnt Rhodos (aber ich wohne auch hier und muss das Mistwetter 12 Monate im Jahr ertragen)

  10. Urlaub mit einigen Höhen und vielen Tiefen Beitrag #10
    Susi72
    Avatar von Susi72
    Ich finde deinen Reisebericht sehr gut! Es gibt immer mal Missgeschicke, aber im Großen und Ganzen hat es euch ja gefallen. Ich war zwar noch nicht in Irland, aber Rhodos würde bei mir auf keinen Fall gewinnen (da gibt es nämlich schönere Plätze am Mittelmeer - nur meine Meinung).

    Aber was meinst du damit:
    Wenn Sie einen festen Wohnort wie ein Cottage haben, machen Sie sich nach einem Ausflug nicht zu früh auf den Heimweg. Die Rückfahrt dauert nämlich nie so lange wie berechnet.
    lg Susi

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