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Meine Erfahrungen als Irischsprecher

  1. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #1
    AlexDietz

    Meine Erfahrungen als Irischsprecher

    Hallo,

    dies ist ein etwas anderer Reisebericht. Ich habe die irische Sprache gelernt, weil sie mich in ihren Bann gezogen hat. Diesmal hatte ich vom 15. bis 22. Mai die Gelegenheit, es wirklich an den Mann oder die Frau zu bringen.

    Weil die Verkehrsverbindungen in die Gaeltachtgebiete mehr als schlecht sind, haben wir nicht dort eine Unterkunft gemietet. Ich war mit meiner Schwester dort. Denn wir wollten noch mehr vom Land sehen und erleben. Wenn nur zweimal am Tag ein Bus fährt, ist das schlecht. Und selber fahren wollte meine Schwester im Linksverkehr nicht. So haben wir drei Tage in Galway, zwei Tage in Cork und zwei Tage in Dublin verbracht.

    Nachdem wir in Dublin am Flughafen angekommen waren, sind wir mit dem Zug nach Galway gefahren. Dort ist ein Mann zugestiegen, der in der Conemara-Gaeltacht wohnt und auch für die irische Sprache tätig ist. Er sah meine irischsprachige Zeitung, die ich gerade im Dubliner Bahnhof gekauft hatte und frage mich, ob ich etwa Irisch spreche. Er hatte wohl auch gehört, daß wir uns auf Deutsch unterhalten hatten. Nachdem ich diese Frage bejaht hatte, unterhielt ich mich mit ihm während der Zugfahrt. Er war begeistert und gab mir die Rufnummer und die Netzanschrift sowohl von sich als auch von jemandem, den er kennt und der bei Radio na Gaeltachta eine Sendung macht, um mich wegen einer Unterredung mit ihm in Verbindung zu setzen. Er sagte zu mir, ich solche doch mal die Conemara-Gaeltacht besuchen. Dort könne ich mir die neue Hochschule in An Cheathrú Rua ansehen. Wegen der äußerst schlechten Verbindung dorthin ist leider nichts daraus geworden.

    In Galway angekommen, sind wir in unserer Bed-and-Breakfast-Unterkunft äußerst freundlich empfangen worden. Ich sagte ein paar Sätze auf Irisch, worauf die Empfangsdame meinte, ich könne es besser als sie. Ich solle doch mal den Club Árus na nGael besuchen, um mein Irisch anzuwenden. Dies habe ich dann auch getan. Einige Besucher dort waren begeistert, daß ich Irisch spreche. Mit ein paar Leuten habe ich mich auf Anhieb verstanden wie mit besten Freunden. Ich habe auch in Geschäften und auf dem Fremdenverkehrsamt nach Irischkenntnissen gefragt. Hier allerdings habe ich noch keinen Treffer gelandet. Deshalb bin ich am nächsten Morgen zum Büro von Conradh na Gaeilge (Gälische Liga) gegangen, und habe nach Orten zum Irischsprechen gefragt. Man nannte mir einen Pub und die Einrichtung "Gaillimh na Gaeilge", die sich der Förderung des Irischen in Galway in der Geschäftswelt verschrieben hat. Ich habe den Pub dann tagsüber besucht, wo nicht so viel Betrieb dort war. Tatsächlich hat die Bedienung mein Irisch auf Anhieb verstanden. Auch einige Gäste redeten Irisch. Der junge Mann hinter dem Tresen teilte mir auf meine Frage auch mit, daß er gerne Irisch rede. Dann bin ich ins Galwayer Einkaufszentrum gegangen, um mir ein Irischwörterbuch zu kaufen und nach sonstigen irischsprachigen Büchern zu sehen. Die junge Verkäuferin sprach mich auch bald an. Ich sagte ihr auf Irisch, nach was ich Ausschau halte. Darauf erhielt ich eine Antwort in fließendem Irisch. An der Kasse verwickelte ich sie in ein kurzes Gespräch, in welchem sie mir sagte, daß ihr das Irische lieber sei als das Englische. Treffer! Auch eine Tagesfahrt zu den Cliffs of Moher war dabei. Die Landschaft war beeindruckend! Entlang der Küste sah die Landschaft so aus wie man sich Irland vorstellt. Nachmittags machten wir in Doolin an einer Gaststätte halt. Ich fragte natürlich auch hier nach Irischkenntnissen. Aber hier sprach keiner Irisch. Schade, ich dachte, es sei hier noch etwas übrig aus der Zeit, wo Clare noch zum Gaeltacht-Gebiet zählte. Am letzten Abend in Galway hinterließ ich auf Anfrage noch meine Rufnummer und Netzanschrift. Ich wäre gerne noch länger in Galway geblieben, aber wir hatten nun einmal in Cork und Dublin schon vorgebucht. Wenn man im Park und beim Vorbeigehen an Pubs die Ohren spitzt, hört man hier in der Stadt Galway doch immer wieder irischsprechende Leute.

    In Cork angekommen, bemerkte ich, daß man hier fast nie irischsprechenden Leuten begegnet. Auch irischsprachige Aufschriften an Pubs und Geschäften habe ich hier nur zwei oder drei gesehen. Auch Einrichtungen zur Förderung der Sprache gibt es hier nur wenige. Nur in einem Internet-Café konnte ich mein Irisch anwenden. Obwohl der junge Mann behauptete, er könne ein bißchen Irisch, sprach er es doch fließend und verstand mich auch ohne weiteres. Naja, doch noch ein Treffer im Niemandsland der irischen Sprache!

    Dann in Dublin sieht es wieder ein wenig besser aus. Hier gibt es einige Einrichtungen und Treffs zur Förderung der irischen Sprache. Aber ich war von dem Betrieb in der Stadt erstmal völlig verwirrt. Im Internetcafé ging ich dann auf die Seite von "Foras na Gaeilge" und suchte nach Veranstaltungen. Leider las ich auch, daß der Club von Conradh na Gaeilge diese Woche geschlossen habe. Sch***e! Ich war auch von der Seite etwas verwirrt. Aber es war leider zu spät, um noch zum Büro von "Foras na Gaeilge" zu gehen. Ich beschloß daher, nach Clondalkin zum Kulturzentrum zu fahren. Aber außer Sucherei und Pannen bei der Bahnnutzung ist nichts dabei herumgekommen.

    Am nächsten Tag bin ich dann zum Büro von "Foras na Gaeilge" gegangen. Ich frage dort nach Orten zum Irischsprechen, worauf ich auch ein paar Anschriften genannt bekam. Eine Angestellte ging gerade zu Mittag in ein Café und hat mich kurzerhand mitgenommen, weil sie meinte, da treffe ich noch andere Irischsprecher aus Dublin. So war es auch. Danach wollte ich ins Café von Comhdháil Násiúnta na Gaeilge gehen. Unterwegs mußte ich ab und zu nach dem Weg fragen. Ein Hotelangestellter, der gerade vor der Tür stand, hat meine Frage auf Irisch tatsächlich verstanden! Bei der Suche bin ich auf einen Buchladen eines älteren Herrn gestoßen, wo es auch Gebrauchtbücher gibt. Da fand ich ein paar schöne irischsprachige Bücher. Eines habe ich dann für 2€ mitgenommen. Hier ergab sich wieder ein kurzes Gespräch. Dieser Mann war auch von meinen Irischkenntnissen begeistert. Danach stieß ich auf den Buchladen von Conradh na Gaeilge. Hier fragte ich nochmal nach dem Café, worauf sich wieder ein Gespräch ergab. Ich erklärte, daß ich ja gerne etwas kaufen würde, aber wenig Geld habe. Ich erhielt ein kleines Buch als Geschenk! Nun gut, genug gesprochen für heute. Ich hatte keine Lust mehr auf weiteres Suchen und beschluß, nach Malahide zu fahren, wo vorher meine Schwester schon hingefahren war. Ein hübscher Ort an einem Segelhafen wie im Pilcher-Film.

    Nachdem ich bei Foras na Gaeilge erfahren hatte, daß der Club von Conradh na Gaeilge wieder geöffnet ist, habe ich diesen auch besucht. Hier waren die Leute leider nicht so herzlich wie in Galway. Aber hier war gerade ein Berichterstatter von Radio na Gaeltachta zu Gast, den ich auch etwas über die Gaeltacht fragte.

    Am nächsten Tag ging es wieder zurück nach Deutschland. Noch nie fiel mir der Abschied so schwer wie diesmal. Mir gefiel sehr gut, daß man hier in Irland noch Traditionalisten treffen kann, ohne sie mit der Lupe suchen zu müssen. In einigen Pubs wird hier altherkömmliche irische Musik gespielt, was mir außerordentlich gefallen hat. Die Frage, ob Irisch noch lebendig ist, kann ich mit einem Ja beantworten. Man muß nur die richtigen Orte aufsuchen und immer wieder Leute nach Irischkenntnissen fragen.

    Slán go fóill, Alex

  2. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #2
    meetoo
    so what?
    ..wir lügen die Deutschen auch immer an und sagen, doch doch, ihr schweizerdeutsch ist perfekt...höfliche Menschen halt, hüben und drüben...

  3. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #3
    3rings
    Avatar von 3rings
    Irisch-Kenntnisse haben die meisten Einheimischen, da in der Schule nach wie vor Irisch unterrichtet wird.

    Aber im Ernst: Schön hats Dir gefallen, dennoch muss ich Meetoo bei ihrer Fragestellung etwas unterstützen.

    Wie wars denn eigentlich für Deine Schwester, wenn Du nur Gälisch gesprochen hast?

  4. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #4
    meetoo
    Danke mein Schatz

  5. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #5
    AlexDietz
    Das ist ja merkwürdig. Auf meine Frage "Sprechen Sie Irisch?" erhielt ich entweder die Antwort "Nein" oder man hat mich einwandfrei verstanden und in fließendem Irisch geantwort. Wo bleibt denn das, was die Iren in der Schule gelernt haben? Wahrscheinlich spielt bei einigen auch eine abllehnende Haltung eine Rolle und sagen einfach Nein.
    Öfters haben wir auch getrennt voneinander etwas gemacht. In Galway im Club hat sich meine Schwester auf Englisch etwas unterhalten. Da waren nicht militante Sprachförderer.
    Beannacht, Alex

  6. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #6
    Neborg
    Avatar von Neborg
    Och nö!!
    Da ist jemand stolz drauf, sich in irisch verständlich machen zu können und ihr wollt ihm die Freude schmälern.
    Zumal ich denke, dass die irische Sprache wesentlich schwieriger zu erlernen ist als die englische, oder? Der Satzaufbau klingt im Deutschen doch richtig befremdlich.

  7. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #7
    3rings
    Avatar von 3rings
    Nö, die Freude schmälern nicht. Fakt ist aber, dass das Gälische im Alltag kaum mehr verwendet wird. Er musste ja auch immer nachfragen. Für mich sieht eine lebendige Sprache anders aus.

    Sicher gibt es nach wie vor Leute die sich auf Gälisch unterhalten und auch einige Junge die das Gälische wieder entdecken. Aber fakt ist: Gälisch ist (beinahe) tot. - leider!!!


    Wegen dem "stolz" sein:

    Du, ich hab vor Jahren mal einen Gälisch-Anfänger-Kurs gemacht. Krieg ich nun auch ein Lob?

  8. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #8
    AlexDietz

    lebendig/tot

    Naja, eine tote Sprache ist für mich eine Sprache, die man wirklich nirgendwo mehr wahrnehmen kann und wo man so gut wie nie echte Sprecher antrifft. Und in der Stadt Galway ist Irisch noch deutlich wahrnehmbar. Auch in Dublin kann man Sprecher finden. Es gibt ja verschiedene Grade der Lebendigkeit. So würde ich Sprachen, die noch von allen im Land gesprochen werden, als quicklebendig bezeichnen. Irisch ist eben eine Minderheitssprache.

    Slán go fóill, Alex

  9. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #9
    Neborg
    Avatar von Neborg
    Zitat Zitat von 3rings
    Du, ich hab vor Jahren mal einen Gälisch-Anfänger-Kurs gemacht. Krieg ich nun auch ein Lob?
    Krieg ich ne Kostprobe? Sonst könnte ja jeder kommen und was behaupten.

    PS. Ich hab mir mal ne Sprachkassette zuschicken lassen und schon beim 1. Kapitel kapituliert. Mit nem schnuckeligen Lehrer geht's vielleicht doch besser?!?

  10. Meine Erfahrungen als Irischsprecher Beitrag #10
    3rings
    Avatar von 3rings
    [quote="Neborg]Krieg ich ne Kostprobe? Sonst könnte ja jeder kommen und was behaupten.

    Da kannst Du Lars & Astrid fragen. Lars ist der Verfasser des "Kauderwelsch"-Buches. Oder auch Irishelfin die sich hier leider seit langer Zeit nicht mehr *rumtreibt*. Sie war nämlich damals auch dabei

    Slán agat

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