Fore! Irish-Net goes Golf – mit den Irish Open in Adare

Als Padraig Harrington am Sonntag um 18:20 Uhr den entscheidenden Putt im Stechen gegen Bradley Dredge aus Wales versenkt hatte und somit nach 25 langen Jahren mal wieder ein Ire die Irish Open gewonnen hatte, waren alle Augen auf die Szenen des Glücks auf dem 18ten Grün gerichtet. Nur dieser Irish-Net Reporter liess seinen Blick noch einmal zum 1.Abschlag schweifen, an dem Martin Kaymer aus Mettmann, 22jähriger Newcomer auf der European Tour, genau 83 Stunden zuvor das Turnier mit einem weiten Drive das erste Fairway herunter eröffnet hatte. Zurück zum 18ten Grün am vierten Tag der Irish Open – mit Padraig Harrington um 416,660 € reicher, Martin Kaymer mit 18,500 € mehr in der Bank und einem Irish-Net Reporter, dem ein spannendes Golfturnier mit einem dramatischen Finale in der faszinierenden Kulisse des Adare Manor Resorts den perfekten Einstieg für dieses Golf-Special gegeben hatte.

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Warum überhaupt ein Golfspecial bei Irish-Net? Schon vor dem europäischen Ryder Cup-Erfolg im K-Club im County Kildare, als das US-Team um Tiger Woods von Harrington, McGinley, Clarke & Kollegen mit dem Rekordergebnis von 18 ½ zu 9 ½ nach Hause geschickt wurde, war Irland von der Weltgolf-Karte nicht wegzudenken. Hier konnte die Grüne Insel nun aber sich und seine Golfkurse der Weltöffentlichkeit präsentieren. Amerikanische und europäische Golfer kombinierten ihren Besuch beim Spektakel in Kildare mit eigenen Golfrunden auf Links- und Parklandkursen überall im Land. Natürlich standen gerade bei den Gästen aus Übersee berühmte Kurse wie Mount Juliet, Druids Glen, Portmarnock oder Ballybunion auf dem Programm. Irland hat jedoch zum Glück neben diesen Sternen am Golferhimmel, bei denen die Greenfees ebenfalls himmelhoch reichen, auch zahlreiche Kurse in mittleren bis niedrigen Preislagen zu bieten, die aber trotzdem golferische Herausforderungen darstellen. So finden sich zum Beispiel allein innerhalb einer Autostunde von Adare 30 Golfkurse.

Wir wollen in unserem Golfspecial Links- & Parkland-Kurse vorstellen, die Karriere von irischen Golfern wie Padraig Harrington, Paul McGinley oder Darren Clarke beobachten und von Turnieren wie den European Open oder der Challenge of Ireland berichten. Dank Padraig Harrington, Bradley Dredge, Martin Kaymer, 153 weiteren Golfprofis, Bridie, der Landlady unseres B&Bs, Eamonn vom Adare Manor Golfclub, unserem fachkundigen Fremdenführer oder dem namenlosen aber absolute freundlichen Parkplatz-Anweiser am Manor wurden für diesen Reporter die Irish Open zum unvergesslichen Erlebnis.

Birdie, Bogeys und Begegnungen – Irish Open Tagebuch

Ivor Robson ist seit über 30 Jahren der offizielle Starter der European Tour. Rolex titelt in seiner Anzeige im Programmheft der Irish Open somit auch “26 Countries, 54 Tournaments, 24 Timezones – One Official Starter”. In welcher Timezone sich Marcel Siem, neben Tour-Urgestein Sven Strüver und Tour-Neuling Martin Kaymer dritter deutscher Teilnehmer, sich am Morgen des ersten Turniertages befand, ist nicht ganz klar. Denn während der erste Flight mit Martin Kaymer, Andrew Tampion und Shaun Webster um Punkt 7:20 Uhr gestartet war, mussten Ivor Robson sowie Peter O’Malley und Marcus Fraser, die beiden Mitspieler Marcel Siem’s im zweiten Flight, um 7:30 Uhr auf den Kollegen warten. Die Verspätung am ersten Tee brachte dem Deutschen prompt zwei Strafschläge und ein Ergebnis von 79 (7 ueber Par) ein. Nach einer 79 am Freitag verpasste Siem im Übrigen auch den Cut.

Beim Eintreffen am Mittwoch im Medienzentrum ein erster Schock – Martin Kaymer, den wir an den ersten beiden Turniertagen begleiten wollten, spielt am Donnerstag im ersten Flight – um 7:20 Uhr! Frühaufstehen allein ist schon ein Problem, aber das Ticket für meine Begleitung will noch abgeholt werden. “Where can I find the Ticket-Office”? Zehn freundliche Iren – darunter auch der Parkplatzanweiser, der uns in den kommenden Tagen mit Handschlag begrüssen und verabschieden wird – geben uns zehn verschiedene Antworten. Letztendlich versichert uns Kieran, der Pressebetreuer des Veranstalters, daß das mobile Ticket-Office um 7:00 Uhr geöffnet sein wird – ein Trost, wie auch die 6 Biervoucher fuer Bill Chawke’s Pub, die uns Kieran mitgibt.

Bill Chawke’s Pub gehört zum Imperium von Charlie Chawke, der mit Zapfen zum Millionär geworden ist und mit gleichartigen Iren den FC Sunderland gekauft hat. Manager ist dort ein gewisser Roy Keane, ueber dessen berühmt-berüchtigten Abgang bei der WM in Japan & Südkorea es mittlerweile sogar ein Musical (“I Keano”) gibt. Von einem Poster in Chawke’s Pub grinsen einem denn auch Keane & Chawke entgegen: “May 2007 – Employee of the month in the Chawke Pub Group”. Was das alles mit Golf zu tun hat? Wenig. Der Fussball blieb im Pub und beim Turnier glänzte der Engländer Ian Poulter, der schon einmal unangenehm mit einem Trikot von Arsenal London bei einem anderen Event der European Tour aufgefallen war, zum Glück mit Abwesenheit.

Wo wir gerade von Kleidung reden – Peter Gustafsson aus Schweden “glänzte” am zweiten Tag mit grell-bunter Kopfbedeckung, was ihm prompt den Spitznamen “Mad Hatter” im “Irish Daily Star” einbrachte. War es Trotz oder liest Herr Gustafsson zum Frühstück keine lokalen Zeitungen? In jedem Fall blendete er am Samstag jeden zusätzlich zum Hut noch mit einer orangenen Hose! Was der Schwede mit seinem Preisgeld von 12,250 € in den Boutiquen Stockholms einkauft lässt sich wohl nur erahnen.

Der Titel des European Tour Golfer of the Month ging gerade an Markus Brier aus Österreich. Kaum war dies am Morgen des ersten Turniertages verkündet worden “feierte” Brier mit vier Bogeys auf den ersten 5 Löchern und verpasste mit Runden von 75 und 78 den Cut.

Neben Brier und dem zu Beginn erwähnten Marcel Siem verpassten 10 Iren den Cut.
Das Turnier beendeten folgende Iren und Deutsche:
307 Pat Murray (Amateur) 76 72 79 80
300 Paul McGinley 72 76 77 75
300 Sven Strüver 73 74 79 74
297 David Higgins 75 70 76 76
296 Martin Kaymer 74 77 77 68
295 Graeme McDowell 74 74 77 70
293 Damien McGrane 75 72 70 76
293 Gary Murphy 74 72 73 74
283 Padraig Harrington 73 68 71 71

Martin Kaymer – vom ersten Abschlag an im Visier von Irish-Net

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Bei der Vorbereitung auf die Irish Open stellt sich auch die Frage, wie sich deutsche Golfprofis auf dem anspruchsvollen Kurs rund um das Adare Manor schlagen würden. Mit einem Sieg in die Fussstapfen Bernhard Langers (dreifacher Sieger) zu treten – damit konnte keiner der drei deutschen Golfprofis rechnen. Dass der Weltcup-Spieler Marcel Siem den Cut nicht schaffte wird ihn selbst wohl am meisten ärgern. Sven Strüver wird mit seiner Gesamtschlagzahl von 300 (12 über Par) auch nicht zufrieden sein. Für viele überraschend wird der 34te Platz des 22jährigen Tourneulings Martin Kaymer aus Mettmann anmuten, der mit 296 Schlägen 8 über Par abschloss. Darunter war eine bemerkenswerte 68er Runde am Abschlusstag, ein Score, der umso bemerkenswerter ist, als dass ausser Kaymer und dem Sieger Padraig Harrington (am zweiten Turniertag) nur 5 weitere Profis es schafften, eine solch starke Runde zu spielen. So aber sicherte sich Martin Kaymer einen Scheck von € 18,500 und wer weiss wo er gelandet wäre wenn er am zweiten Tag nicht das Wasser an der 18 gefunden hätte und am dritten Tag nicht eine katastrophale Quadruple-Bogey 8 auf der 10ten Bahn gespielt hätte.

Wer ist dieser Martin Kaymer? Der 22jährige Jungprofi aus Mettmann qualifizierte sich über die Challenge-Tour für die European Tour und liess zum ersten Mal richtig aufhorchen als er vor kurzem bei den Estoril Open in Portugal gemeinsam mit drei weiteren Profis den dritten Platz belegte. Da sich Kaymer einen guten Profi-Caddie noch nicht leisten kann hilft in den Semester-Ferien schon mal sein Bruder aus. In Adare wurde ihm ein ortskundiger irischer Caddie zur Seite gestellt. Die Partnerschaft erwies sich als sehr fruchtbar und von Anfang an peitschte der Deutsche seine
Abschläge meist zielgenau aufs Fairway.

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So auch am ersten Turniertag, als er mit seinem weiten, genauen Drive um 7:20 Uhr die Irish Open – so früh fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit - eröffnete. Das gefestigte, zielgenaue Spiel des Tourneulings war überzeugend und wenn Kaymer an seinem Putting feilt wird dieser Reporter im nächsten Jahr beim Buchmacher in Adare eine nette Summe darauf setzen, dass der Deutsche unter die Top Ten der Irish Open 2008 kommt.

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Zwischen zwei Runden stand uns Martin Kaymer noch für ein paar Fragen zur Verfügung:

Irish-Net: Wie gefällt Ihnen der Kurs?
Martin Kaymer: Der Kurs ist sehr anspruchsvoll. Die Abschläge müssen sitzen. Dann hat man Birdie-Chancen. Die Grüns haben viele trickreiche Wellen. Bei der Annäherung aufs Grün macht es einem das Leben schwer, dass die Fahnen immer in der letzten Ecke sind. Ich bin zwar nicht so der “Insel-Typ” und spiele lieber in Spanien oder Portugal, aber wenn man hier besteht, dann weiss man wo man steht.

Irish-Net: Haben Sie vorher schon einmal in Irland gespielt?
Martin Kaymer: Ja – 2004 bei der Team-EM.

Irish-Net: Werden Sie nach den Irish Open noch etwas hierbleiben?
Martin Kaymer: Leider nicht. Ich reise direkt weiter nach England.

Irish-Net: Viel Erfolg dort und in Ihrer weiteren Karriere.
Martin Kaymer: Herzlichen Dank.


“Home at last” – nach 25 Jahren wieder ein Ire die Irish Open

Padraig Harrington siegt im Stechen gegen Bradley Dredge

Er hatte es ja quasi vorhergesehen. “Das 18te Loch wird wohl der Schlüssel zum Gewinn der Irish Open werden”, meinte Padraig Harrington im Interview vor dem Turnier. Man könnte zwar meinen, dass das letzte Loch immer entscheidend ist, doch genau das wäre nicht der Fall gewesen wenn der Ire den Vorsprung, den er auf den ersten 9 Löchern am Finaltag auf Bradley Dredge herausgespielt hatte, nicht verspielt hätte.

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So aber kam es zum finalen Showdown am 18ten, Harrington und Dredge jeweils auf 5 unter Par nach 71 Löchern, beide setzen ihren Abschlag ins Rough, beide spielen eher mässige Annäherungen aufs Grün, wo dann beide ihre Putts im Loch unterbringen. Stechen. Und wieder zum Abschlag am 18ten, jedoch nicht ohne vorher die Scorecard abgegeben zu haben. Die Spannung steigt ins Unermessliche. Für die Zuschauer auf der Haupttribüne am 18ten, vor der Grossbildwand neben dem Leaderboard oder am TV-Schirm und für Bradley Dredge. Wie schwer muss jedoch in diesem Moment die Last auf den Schultern von Padraig Harrington sein? Als er und Dredge im Golfkart zurück zum 18ten Tee gefahren werden – vorbei an Tausenden irischer Golffans, die am Fairway entlang in 10er-Reihen ihrem Helden zujubeln – müssen ihm weitere Worte aus besagtem Interview in den Ohren geklungen haben: “Ich will dieses Turnier unbedingt gewinnen. Es ist für mich genau so wichtig wie eines der 4 Majors.” Zudem war es genau 25 Jahre her, als mit John O’Leary zuletzt ein Ire das Heimturnier gewinnen konnte.

Die unendliche Last war förmlich spürbar. Erneut folgte Harrington Dredge mit dem Abschlag ins Rough, beide setzen einen zweiten Schlag, der eigentlich eine einfache Annäherung über den Maigue-Fluss hinweg sichern soll, gefährlich nah ans Wasser. Doch dann – man könnte meinen der Waliser und nicht der Ire hätte ein Heimspiel mit dem Druck der Erwartung seiner Landsleute – macht Bradley Dredge den entscheidenden Fehler. Sein dritter Schlag ist zu kurz und landet im Schlamm unterhalb des Grüns. Nach langer schmerzvoller Suche des Balls und der umso schmerzvolleren Erkenntnis, dass das Turnier wohl verloren ist, kann Dredge den Ball nur minimal aus dem Schlamm heraus den Hang hochschaufeln. Es folgt ein Chip an den Rand des Grüns und zwei Putts zur 2 über Par 7. Harringtons Schlag übers Wasser ging zwar übers Grün hinaus, aber mit zwei Putts findet der Ire das Loch und die Erlösung und sich selbst in den Armen jenes John O’Leary wieder, der ihm vor 25 Jahren vorgemacht hatte wie man sein Heimspiel gewinnt.

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Sieger Padraig Harrington mit Tom & Judy Kane von Adare Manor

Padraig Harrington, seine Fans und die Organisatoren der Irish Open werden nunmehr hoffen, daß es nicht wieder 25 Jahre dauern wird bis ein Ire auf heimischem Boden gewinnt. Viele glauben auch, dass Adare Manor das neue “richtige Heim” des Turniers werden wird.

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Lange Zeit war es der Links von Portmarnock, wo auch ein gewisser Bernhard Langer 1987 seine zweiten Irish Open gewinnen konnte. 1984 war ihm auf dem Royal Dublin Links das Kunststück zum ersten Mal gelungen und 1994 liess der Deutsche den dritten Irish Open Erfolg auf dem Parkland-Kurs von Mount Juliet folgen.

Ausser Langer konnten nur Seve Ballesteros und Ian Woosnam die Irish Open dreimal gewinnen. Zumindest in den kommenden beiden Jahren wird das Turnier in Adare Manor stattfinden – wobei viele davon ausgehen, dass der Vertrag mit der European Tour verlängert werden wird. Noch einmal zurück zu John O’Leary: “Europa’s bester Golfkurs ist zur Zeit Valderrama, aber Adare Manor hat alle Chancen, zumindest auf gleiche Höhe zu kommen.” Auch sein würdiger Nachfolger Padraig Harrington hat mit Adare eine neue Liebe gefunden, aber zunächst muss alle Konzentration der BMW-Championship im englischen Wentworth gelten. Aus gutem Grund oder besser gesagt aus einer Million guter Gründe, hat doch Tom Kane, der Besitzer von Adare Manor, einen Bonus von € 1,000,000 für denjenigen ausgelobt, dem es gelingt, beide aufeinander folgenden Turniere zu gewinnen.

Ausblick auf das nächste Irish-Net Golfspecial

Nach all der Spannung rund um die Irish Open werden wir es in der nächsten Ausgabe unsere Golfspecials etwas ruhiger angehen lassen. Hierin wird sich unter anderem ein Rückblick auf die Irish Seniors Open finden sowie ein Ausblick auf die European Open, mit denen Spitzengolf in den Ryder-Cup erprobten K-Club zurückkehrt.

Wir werden zudem Luttrellstown Castle in Dublin vorstellen. Dies wird unter anderem mittels einer neuen Kolumne namens “A round with the Pro” geschehen. Rainer Kiebat, unser Mann auf den Fairways, wird sich von Eddie Doyle, dem Pro von Luttrellstown, ein paar Tipps geben lassen.

Handicap-Golfer werden die Möglichkeit haben, ihre Meinung zu einem von uns angedachten “Irish-Net Golfclub” zu äussern und Neulingen werden wir die Möglichkeit bieten, Golf-Schnupperkurse zu belegen und auch auf öffentlichen Plätzen zu spielen.

Herzliche Grüße, Ihr
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Rainer Kiebat

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(Fotos und Text: Rainer Kiebat)