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Gibt es ein Leben nach Irland?

  1. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #1
    kleckser

    Gibt es ein Leben nach Irland?

    Ich würde gern mal wissen ob auch andere ein Problem mit dem Wiedereinleben in Deutschland haben.

    Ich selbst habe zuerst 18 Monate in Dublin )Süd) gelebt und gearbeitet, hab dann meine Zelte in Irland abgebrochen und bin zurück nach Deutschland gegangen. Nach 3 Monaten Arbeitslosigkeit in Deutschland gings wieder auf die Insel. Irgendwie hatte ich doch eine Sehnsucht nach Irland.
    Der zweite Versuch in Dublin (Nord) zu wohnen und zu arbeiten endete nach ca 16 Monaten. Irgendwie fehlte mir mein Freundeskreis in Deutschland.

    Nun bin ich seit Februar wieder in Germany und hab nach 6 Monaten endlich auch n recht geilen Job gefunden - und das hier im Niemandsland bei Hoyerswerda. Soviel Glück möchte man meinen aber irgendwie fehlt was.
    Die Freiheit? Das unbeschwerte Leben jenseits von deutschen Behörden und deutscher Gründlichkeit?
    Was ist der Grund warum die Rückkehr ins deutsche Leben so schwer ist???

    Kleckser

  2. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #2
    Adieu
    Meine Einschätzung:

    Es ist nicht das deutsche Leben, es ist die Rückkehr.
    Wenn man den Schritt gewagt hat, das alte Leben zurückzulassen, etwas Neues zu beginnen und dann ins alte Leben zurückkehrt, bleibt immer ein Gefühl des Scheiterns.
    Zurückkehren ist kein Fortschritt, es ist Aufgeben, selbst dann, wenn man zutiefst unglücklich war.

    Es ist auch so, daß man im Ausland andere Erfahrungen macht und dann aus der Distanz die Heimat mit anderen Augen sieht. Da erkennt man dann Dinge, die man vorher für selbstverständlich hielt oder gar nicht erst wahrnahm. Das Zuhause wird nie mehr das gleiche sein.

    Es ist vielleicht so, als wenn man sein ganzes Leben lang Hering gegessen hat und dann erstmals einen Lachs zu kosten bekommt. Ißt man dann wieder Hering, bleibt die Sehnsucht nach Lachs.

  3. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #3
    Dearbhaile
    Avatar von Dearbhaile
    Hm, mir gings zwar ähnlich, als ich zurückkehrte, ich habe auch erst nach einem halben Jahr einen Job gefunden, aber der hat mich zumindest finanziell wieder auf die Beine gebracht... was Irland angeht, so wollte ich einerseits sofort wieder zurück, aber irgendwann setzte der Verstand ein...
    Derzeit begnüge ich mich mit ein paar Urlauben, will wohl wieder mal für längere Zeit auf die Insel, aber ich glaube, ich bin immer noch zu unstet, so dass ich es im Idealfall so treffen würde, dass ich mal hier mal da leben könnte.... nun ja, das allerdings ist so eine Sache...
    Das mit dem Hering... nun ja, den Lachs kann man ja hüben wie drüben kaufen... aber er schmeckt halt anders, nicht wahr? Oder das Guinness oder das Brot... für mich macht die Sprache seltsamerweise immer noch einen großen Teil aus, seltsam, aber .... mich hat es in den ersten Wochen fast deprimiert, dass ich im Alltag kein Englisch mehr gehört habe...
    Aber insgesamt: klar, es ist eine Art Kulturschock, wenn man nicht so vorbereitet auf die Rückkehr ist wie auf die Hinfahrt - da bereitet man sich doch meist anders vor, wenn man denn zum ersten Mal für länger nach Irland geht, wobei ich das auch schon für ein halbes Jahr probiert hatte...
    Und den Entschluss zu fassen, wieder nach Deutschland zu gehen, um hier nach einem Job zu suchen (wenn ich daran denke, wie viele Leute kaum ein halbwegs vernünftiges Englisch sprechen, die in gehobenen Positionen sitzen), dann ist man trotzdem vielleicht "seelisch" nicht auf die Veränderungen, die auch in Deutschland vor sich gehen, vorbereitet...
    Nun denn, vielleicht sollten sich alle gegenseitig wünschen, dort glücklich zu sein, wo es ihnen gerade gut geht - auch wenn man das oft nicht selbst einschätzen kann.... In diesem Sinne:
    Cheers,
    Barbara

  4. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #4
    Father Dougal
    Avatar von Father Dougal
    Bei mir ist das ja schon eine Weile her (ich bin im zweiten Anlauf hier) und ich hatte damls andere Voraussetzungen. (ich hatte von IRL aus einen job in D bekommen)

    Die Arbeitslosen-Depri fiel also schon mal voll weg, und ausserdem war Anfang der 90-er der Lebensstandard in D echt noch einiges hoeher als in IRL ..ich hatte also keinerlei Grund zur Klage und mir ging es sehr gut.

    Ich bin auch mit Absicht nicht "heim zu Mami" sondern in eine mir fremde Ecke, so dass ich auch dort als unbeschriebenes Blatt anfangen konnte.

    Und trotzdem ...ich hab's nicht fast nicht ertragen ...die Enge, das permanente Gejammer, die selbsternannten Hilfspolizisten, etc pp. Frueher hatte mich das nur leicht irritiert ...da allerdings hat es echt genervt.

    Nur das etwas bessere Wetter und die umliegenden Baggerseen haben mir die Wartezeit ertraeglich gemacht. Auch von der zentralen Lage (und dem vielen Urlaub) habe ich ausgiebig fuer Urlaubsreisen Gebrauch gemacht (Fahr mal von IRL aus fuer ein WE an den Gardasee ) ...sonst haette ich es wohl nicht ausgehalten.

    Aber das ist meine Erfahrung ...anderen ging es sicherlich anders.

  5. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #5
    Adieu
    Vom Generellen zum Persönlichen:

    Ich bin eigentlich auch aus keinem Zwang nach Irland gegangen. In meinem Beruf kann ich von überall her arbeiten, wo es Internet-Anschluß gibt. Jobmäßig ist es also wurscht, ob ich in Irland oder Deutschland lebe und arbeite. Von daher ist meine Entscheidung, hier zu leben völlig losgelöst von wirtschaftlichen Zwängen.

    Ich wollte nur für ein Jahr nach Irland, einfach mal woanders leben. Daraus wurden zunächst anderthalb Jahre, weil mir die Vorstellung nach D'land zurückzukehren, irgendwie, naja, falsch vorkam. Umgezogen bin ich dann von Nordirland in die Republik, einfach weil mir Belfast auf die Nerven ging.

    Die ersten Jahre fuhr ich dann noch einmal jährlich nach Hause. Aber nach und nach kam mir das eher umgekehrt vor: Nach Hause wurde für mich Irland.
    Irgendwann gab es mal einen Moment, Frust/Sackgasse/genug von Irland, da ich dachte, jetzt gehe ich zurück, genug Erfahrung gemacht und blabla. Ich stellte mir dann vor, wie ich wieder in Berlin hocke und das gleiche Leben wie zuvor lebe - und Sehnsucht nach Irland habe. Nicht weil Irland so schön grün ist, sondern weil ich es mir hier ganz allein so eingerichtet habe, wie ich wollte und konnte. Mein eigenes Zuhause, frei von allen Verhaltenszwängen, die ein Leben in der gleichen Soße mit sich brachte. Mein eigenes achievement.

    Somit war die Entscheidung gefallen: Hier in Irland ist mein Lebensmittelpunkt. Sollte ich Irland dennoch jemals wieder verlassen wollen, würde es ein anderes Land sein, nicht Deutschland.

    Meine Besuche in Deutschland werden auch immer seltener. Ich komme mir dort fremd vor, habe auch das Gefühl, daß das Leben dort stagniert, zumindest die Leute, die ich kannte. Mir ist auch die Mentalität dort fremd geworden. Es gibt dort für mich auch nichts mehr zu lernen, im Sinne von neuen Lebenserfahrungen machen. In Irland aber ist der Horizont in der Hinsicht noch offen. Für mich jedenfalls.

    Müßte ich aus welchen Gründen auch immer nach Deutschland zurück, käme ich mir entwurzelt vor.

    Das mag bei anderen, vornehmlich ganz jungen Leuten anders sein, die in erster Linie nur wegen Job hierher kommen.

  6. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #6
    Jackeen
    Avatar von Jackeen
    Hering und Lachs konsequent vom Speiseplan streichen? Auch keine Lösung.

    Nirgendwo steht geschrieben, dass das Zurücklassen des alten Lebens von unbegrenzter Dauer zu sein hat. Ist ja keine Zwangsdeportation, die man sich selbst auferlegt. Deswegen würde ich nicht von Aufgeben sprechen wollen - und wenn, dann scheint mir diese Aufgabe immer noch ehrenvoller, als ein weiterer, sinnloser Kampf.

    Wer z.B. aus Deutschland nach z.B. Irland geht, hat ganz individuelle Gründe dafür. Sei es, dass er glaubt, er finde hier einzigartig-optimale Lebensbedingungen für sich, die berühmte Nische, den Traumjob - und wenn schon nicht den Traumjob, dann doch zumindest irgendeinen, was auch immer. In jedem Fall geschieht es aus Opportunismus, da kann mir einer erzählen was er will! Auf Dauer reicht das aber nicht. Und jetzt kommt das wichtigste: Man muss (im besten Sinne des Wortes) ein Spinner sein, einen Vogel, eine Mordsmeise haben! Wer über dieses Attribut nicht ausreichend verfügt, muss irgendwann einsehen, dass er nicht mehr weiter kann.

    Alles Chemie. Ist wie mit der Liebe. Kann man am besten im Englischen ausdrücken 'to fall in love' und dann anschliessend 'to fall out of love', hin zum Neuen oder zurück zum Alten. So war's schon zu allen Zeiten. Nur wer bescheuert genug ist, bleibt auf ewig verliebt! Und ich mein' das ganz im Ernst.

    Kleckser, du bist einfach zu normal...

  7. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #7
    Lena_1

    Re: Gibt es ein Leben nach Irland?

    Zitat Zitat von kleckser
    ..........aber irgendwie fehlt was.
    Die Freiheit? Das unbeschwerte Leben jenseits von deutschen Behörden und deutscher Gründlichkeit?
    Was ist der Grund warum die Rückkehr ins deutsche Leben so schwer ist???
    Kleckser
    Ich wohne zwar in D und habe nirgends woanders gewohnt, aber
    ich glaube dass es damit zusammenhängt, dass du in Irland
    (aúch nach 18 Monaten noch) doch täglich neues entdeckt hast.
    Das hast du in Deutschland nicht.
    Dort bist du hineingeboren. Das ist ist dir in Fleisch und Blut übergegangen.
    Der deutsche Lebensstil ist dir so geläufig wie es deine Muttersprache
    ist. Es gibt hier (fast) nichts neues mehr zu entdecken.
    Und vielleicht macht sich dann schnell ein Gefühl von Langeweile
    in dir breit.
    Ich glaube nicht dass es was mit dem Gefühl von aufgeben
    zu tun hat. Auch nicht des Scheiterns. Etwas neu angefangenes wieder
    aufzugeben kann ja auch heissen, dass das Neue einfach nicht
    das richtige für dich war.

    Vielleicht ist es ein bisschen wie mit dem Mann der sich in zwei Frauen
    verliebt.
    Jede hat etwas, was die andere nicht hat, und beide zusammen wären
    die perfekte Partnerin
    Da man aber (meistens ) nicht beide haben kann, solltest du vielleicht überlegen was du denn genau für dich und dein Leben willst, und wo du das evtl. am besten erreichst. Alles wirst du nicht planen können,
    aber zumindest eine gesunde Überlegung und Abwägung kann helfen.

    Einen Freundeskreis kannst du dir auch woanders suchen.
    Vielleicht hat dir ja aber auch nicht nur der Freundeskreis gefehlt, sondern
    doch auch ein bisschen das "Deutsche".
    Man weiss es nicht.

  8. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #8
    TAFKAD
    Hoyerswerda und Umgegebung ist zwar sehr nett, aber nicht gerade der Gegend wo es nur von Arbeitsplätzte wimmelt (liegt sogar über dem Landesdurchschnitt für Sachsen) also dass du so lange Arbeitssuchend bist ist (leider) irgendwie zu erwarten.


    Nachdem ich Irland verlassen habe, habe ich in Berlin fast ein Jahr lang nach Arbeit gesucht und habe dann eine Berufsvorbereitendemaßnahme gbekommen (die bekam ich auch nur weil es eine Maßnahme für ausländische Frauen war.) danach (aufgrund dieser Maßnahme) habe ich eine Ausbildung bekommen, also diese doch sonst bescheuerte "Beschäftigungstherapie" hatte insofern Sinn gemacht, dass es mir zu einer Ausbildung verholfen hat. Die Ausbildung habe erfolgreich und mit guter Note geschafft und dann - Arbeitslos - 8 Monate lang - hunderte von Berwerbungen abgeschickt - meist kam keine Antwort. Nach 8 Monate habe ich dann endlich ein Job bekommen (Ausbildung was sofern umsonst, in dem es gar keine Arbeit in Berlin gab für den Bereich, höchsents in München (umziehen ging nicht wegen Kinder und Ehenmann), jetzt habe ich ein Job wo ich alle 6 Monate darauf warten muss un zu sehen ob mein Vertrag verlängert wird (sie geben nur befristete Verträge ), in März ist es wieder so weit, entweder müssen sie mir einen festen Vertrag geben, oder mich entlassen...

    ...Wieder Arbeitssuchend in Berlin/Brandenburg? Eine Vorstellung aus der Albträume gemacht sind...

    Dass dir den Rückkehr nach Deutschland schwierig ist, wird noch schlimmer gemacht weil du keine Arbeit hast, wenn man erstmal eine Beschäftigung hast, dann sieht die Welt etwas besser aus.


    Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg, Kopf hoch, das wird schon wieder...

    Dianne

  9. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #9
    Lena_1
    Zitat Zitat von Dianne
    Dass dir den Rückkehr nach Deutschland schwierig ist, wird noch schlimmer gemacht weil du keine Arbeit hast, wenn man erstmal eine Beschäftigung hast, dann sieht die Welt etwas besser aus.
    Dianne
    Ich glaube Arbeit ist ja jetzt gefunden. Zumindest
    hab ich das so aus dem Bericht verstanden.


  10. Gibt es ein Leben nach Irland? Beitrag #10
    TAFKAD
    Zitat Zitat von Lena_1
    Ich glaube Arbeit ist ja jetzt gefunden. Zumindest
    hab ich das so aus dem Bericht verstanden.

    Stimmt, na denn, vielleicht gestaltet sich die Umstellung etwas leichter wenn man sich etwas Arbeitsmäßig "eingelebt" hat.

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