arte, Freitag, 04.02., Magazin/Infomagazin 14:45 - 15:15 Uhr (VPS 14:45)
Erstausstrahlung
ARTE Europa
Vor der Schule Deutschland


(1): Italien: Versuch's noch einmal!
Das Projekt 'Versuch's noch einmal' in Turin gehört zu den wichtigsten Anlaufstellen für jugendliche Schulabbrecher in Italien. In der Industriestadt gibt es erhebliche soziale Probleme, viele arbeitslose Eltern schicken ihre Kinder nicht mehr in den Unterricht. Die jugendlichen Dropouts, viele kommen aus afrikanischen Einwandererfamilien, geraten sehr früh mit Drogen in Kontakt. Manche jobben illegal in Bars und Cafés - und sind doch noch keine 16 Jahre alt. Der Unterricht für sie findet nicht mehr in normalen Schulen sondern in Treffpunkten der Kirche und anderen Einrichtungen statt. Durch die intensive Betreuung der Pädagogen schafft ein großer Teil der jungen Turiner doch noch den Schulabschluss.
(2): Nordirland: Toleranz-Lernen für die Kleinsten
Wer seinen Nachwuchs möglichst früh auf ein friedliches Zusammenleben von Katholiken und Protestanten vorbereiten will, schickt die Kleinsten - zwischen 3- und 5 Jahren - in integrative Vorschulen. Ziel ist es, Familien aus beiden christlichen Konfessionen in gleichem Umfang anzusprechen und kein Ungleichgewicht entstehen zu lassen. Eine praktische Form der Friedenserziehung, die auch den Eltern von beiden Seiten Engagement und Kooperation abverlangt. ARTE-Europa besucht die Oakwood Integrated Primary School (IPS) in Belfast, und begleitet Lehrer und Eltern durch ihren Alltag, mit allen Schwierigkeiten, Bedenken - und Erfolgen.
(3): Niederlande: Erwachsene lernen Lesen und Schreiben
Laut Schätzungen der UNESCO gibt es rund eine Milliarde Menschen die nicht lesen und schreiben können, die Mehrheit davon lebt in Entwicklungsländern. Doch auch im hoch entwickelten Europa existiert das Phänomen, gehen Menschen durch ihr Erwachsenen-Leben mit einem Bildungsstand von Kindern. In den Niederlanden schätzt man, dass etwa eine Million Menschen kaum korrekt einen Text buchstabieren können. Denen hilft als erste Anlaufstelle die Stifting Lezen en Schrijven, gegründet von der Königin-Tochter Princess Laurentien. Gut ausgebildete Pädagogen helfen den Betroffenen in speziellen Zentren ihre Defizite aufzuholen. Wir begleiten zwei Teilnehmerinnen und zeigen die Probleme von Analphabeten im Alltag, und den Mut und die Energie die nötig sind, um aus der jahrelangen Scham auszubrechen.
(4): Großbritannien: Bildung und Soziales unter einem Dach
Das 'Thomas Coram Children's Centre' im armen Londoner Stadtteil Kings's Cross ist ein Vorzeigeprojekt britischer Bildungspolitik. Kindergarten, frühkindliche Bildungsanstalt, Servicestelle für Familien mit English- und Computerkursen, mit Gesundheitsberatung, Arbeits- und Sozialamt unter einem Dach. Das Ziel der Projekte dieser Art ist, die Bildungschancen von Kindern aus Migranten- und sozial benachteiligten Familien radikal zu verbessern. Im 'Thomas Coram Children's Centre' werden die Lernfortschritte der einzelnen Kinder individuell geplant. Die enge Zusammenarbeit mit den Eltern, darunter auch viele allein erziehende Müttern, hat das Zentrum zu einem Elterntreffpunkt und zu einer besonderen Servicestelle für den ganzen Stadtteil gemacht.