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Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten"

  1. Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten" Beitrag #1
    Gast12952

    Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten"

    Dieses wirklich fette Heft aus dem Karfunkel-Verlag (immerhin über 170 Seiten durchgehend farbig für € 6,90) hat es in sich - wer sich für eine kleine "Tour de Force" durch die Geschichte und Lebenswelt der Kelten interessiert, Museen sucht, eventuell einmal eine eigene keltische Joppe schneidern oder gar am Re-enactment teilnehmen will ... ja, der kann mit dem Heft nicht fehlgehen.

    Was mir besonders gefallen hat - der Mythos von Irland (oder den britischen Inseln allgemein) als Hort des Keltentums wird nicht übernommen, der Schwerpunkt liegt auf den Kelten in Mitteleuropa. Und das ist ja auch korrekt ... die Karte in der Mitte macht dies doch sehr deutlich. Und auch Anmerkungen wie (zu Schottland) "wenn auch nicht alles auf die Kelten zurückgeht, was man heute dazu rechnet" machen klar, dass hier ein doch etwas kritischerer Blick über das Thema geworfen wurde, als es in vielen anderen Werken der Fall ist.

    Keine Angst ... Irland ist mit drin im Heft ... aber eben nicht als der "Heilige Gral"!

    Wie, Rosine hat nix zu meckern? Doch, doch ... über die germanischen Moorleichen habe ich mich schon etwas geärgert (konnte man keine Bilder aus England oder Irland bekommen oder was?) und die Re-enactment-Gruppen sind für mich zu sauber und zu reich in ihrem Auftreten (und manches "Schottenmuster" suspekt modern) ... und zumindest für gestellte Fotos für eine solche Publikation sollte man doch bitte Brillen abnehmen. Und: Die Museen und Sammlungen in Irland nur mit Tara und Kells abzufeiern und in Kells zu sagen "die Klosteranlage selbst ist natürlich auch zu besichtigen" (... sie existiert nicht mehr ... es sind wenige Rste zu besichtigen und weitaus weniger als etwa in Glendalaough oder Clonmacnoise), das British Museum zu erwähnen aber nicht das National Museum of Ireland ... hmmm, die Auswahl hätte ich anders gestaltet (und pema vielleicht auch ...).

    Andererseits sind die zwei Seiten "Keltisch oder nicht?" wirklich "essential reading" und die Besprechung zu "Ogham - Das Keltenorakel" das Beste, was ich seit langem zu diesem Thema gelesen habe ... in ihrer Direktheit (.. und das, obwohl der Urania-Verlag drei Seiten weiter eine dicke Anzeige eben für dieses Machwerk geschaltet hat! Kenner dürften schon über die Verwendung des Begriffs "keltisches Alphabet" lachen ... wo sind denn alpha und beta?).

    Leute und Hobby-Kelten, holt es Euch - ich habe es im Bahnhofskiosk von Itzehoe erstanden, folglich einfach im Zeitschriftenladen fragen oder neben dem monatlichen "Karfunkel" suchen.

    So, und morgen baue ich mir einen Schild ... and then we will sit at the campfire and swap manly stories and I'll bake waffles ...

  2. Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten" Beitrag #2
    Adieu

    Re: Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten"

    Zitat Zitat von rosinen-im-kopf
    So, und morgen baue ich mir einen Schild ... and then we will sit at the campfire and swap manly stories and I'll bake waffles ...
    Und dann kommt coilin pema im Selbstgewebten samt selbstgemachten damson jam (gerade frisch gemacht) zu den waffles und gibt womanly gossip zum Besten ...

    Bin ja in ein paar Wochen nach langer Zeit selbst mal wieder in Deutschland (wie sagt man hier Forum so schön? *excited, excited* oder so ).
    Und da ich Deinem Urteil in Sachen Büchern und anderem Schriftgut, jedenfalls was Historie angeht, soweit ich das beurteilen kann, vertraue, sehe ich mal zu, daß ich einen Blick in das Heft werfe.
    Einen Blick zunächst nur deswegen, weil all meine bislang gelesene Keltenliteratur dann doch immer etwas enttäuschend war. Aber für den Preis von 6.90 und rosinigem Tipp kann man ja eigentlich nicht meckern.

  3. Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten" Beitrag #3
    Damien
    Avatar von Damien
    Hidiho!

    Wehe das taugt nix!!!

    Hab es gerad bestellt und aus selbigem Verlag gleich das Buch "Irland" dazu!!!

    8)

  4. Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten" Beitrag #4
    Gast12952
    Damien, das Buch kenne ich nicht ... aber bei 5 Euro ... das Teil klingt aber etwas anders als das Heft ist, nämlich "HeydiedeidieirischenKeltenkommen", wobei das Heft wirklich stark Deutschland-zentriert ist.

    Pema: Es ist eine gute Übersicht, aber wenn Du Sachen von Miranda Green oder so schon hast, wird Dir einiges bekannt vorkommen ...

    Ach ja, wenn Du mit der Marmalade kommst, darf ich Dich dann Prinzessin Fiona nennen ... wegen dem Waffle-Zitat ...?

  5. Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten" Beitrag #5
    mona nicleoid
    habe in dieses heft letztens im bahnhofsbuchhandel mal reingeschaut. es sind ja auch zwei seiten über keltische sprachen drin, und da steckten schon in den einleitungssätzen ein paar seltsame fehler... (von wegen "goidelisch war die sprache der iren und briten" usw.)
    also, zum rest des heftes kann ich nix sagen, aber wenn das alles so ungenau recherchiert ist... eine bekannte von mir, die archäologin ist, hatte auch an einigen artikeln etwas auszusetzen, ich weiß aber nicht mehr, an welchen. würde jedenfalls das heft mit skepsis genießen.
    mona

  6. Karfunkel Codex Nr. 2, "Die Kelten" Beitrag #6
    Gast12952
    Moin,

    so verkürzt steht es nun aber nicht darin - sorry! Genaues Zitat:

    Zitat Zitat von Karfunkel
    Es gibt zwei Gruppen innerhalb der von keltischen Völkern gesprochenen Sprachen: Das Irische, das Gälische Schottlands und das Manx werden Goidelische Dialekte genannt; das Kymrische in Wales, das Cornish und das Bretonische zählen zu den Gallo-Britannischen Dialekten. Beide Dialektgruppen lassen sich bis in die Antike verfolgen. Das Goidelische war ursprünglich die Sprache der alten Iren und Briten, also der Inselkelten, das Gallo-Britannische dagegen wurde auf dem Festland gesprochen.
    Ausgehend von der Vermutung, dass es bereits um 900 v.Chr. in "England" (den Begriff gab es damals noch nicht) eine Goidelisch sprechende Bevölkerung gegeben hat und erst etwa 500 v.Vhr. Brythonisch sprechende Kelten "England" erreichten, stimmt die Darstellung durchaus (auch wenn sie etwas "holprig" rüberkommt). Es wird ja auf das Bestehen beider Dialektgruppen schon in der Antike hingewiesen und lediglich erwähnt (wenn auch nicht genau definiert), dass die "alten Iren und Briten" (die Briten waren damals, weil noch nicht Brythonisch beeinflusst, noch gar keine Briten, also besser: "die Inselkelten") Goidelisch angehaucht waren.

    Die hemmungslose Begriffsverwirrung heute mit den Worten Briten (von Britoni/Brythoni ... also garantiert nicht Goidelisch sprechenden Kelten) oder England (das Land der Angeln ... gar keine Kelten) macht es nicht leichter.

    Ein Heft wie dieses kann nur in der Verkürzung gelingen, und auch nur in der Darstellung einer oder zweier Theorien - ich habe auch einige Dinge, die ich vielleicht anders interpretieren würde. Und wir reden hier von "Interpretation", nicht von absolut gesicherten Erkenntnissen, sei es in der Anthropologie, in der Linguistik oder in der Archäologie.

    Jede Darstellung einer Kultur, die selber kaum Zeugnisse hinterlasssen hat und die wir nur aus archäologischen Funden und der Beschreibung durch Dritte kennen, muss zwangsläufig angreifbar bleiben und "mit Skepsis genossen werden".

    Wie die Interpretationen von Zeugnissen alter Kulturen auseinandergehen können, beweisen etwa die Bücher Erich von Dänikens ... auch wenn ich den Schweizer Hotelier für etwas abgedreht halte, konnte ihm noch niemand das Gegenteil seiner Interpretationen beweisen. Weil es schlichtweg ohne Zeitmaschine unmöglich ist.

    Noch einmal zu dem Karfunkel-Heft:

    Es ist allenfalls ein Einstieg in das Thema, eine "Tour de Force" wie schon gesagt. Dass es nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Publikation erfüllen kann, liegt in der Natur der Sache. Aber: Es kann durchaus als Einstieg dienen und wer sich wirklich für die Themen interessiert, wird sicherlich reichlich Literatur finden, um weiterzulesen. Mainstream-Literatur und Aussenseitermeinungen. Und es wird immer Punkte geben, an denen die Lehrmeinungen auseinandergehen ...

    Churchill hat einmal gesagt, er traue keiner Statistik, die er nicht selbst gefälscht habe. Ich traue keinem Geschichtsbuch, dass ich nicht selbst verfasst habe ... einmal übertrieben gesagt. Über die Interpretation der Moorleichen in Schleswig etwa könnte ich stundenlang reden und anschliessend wahrscheinlich mich im nahen Landeskrankenhaus wiederfinden, weil ich eine forensiche Untersuchung möchte ... ich schweife ab!

    Ich selbst habe das "Karfunkel" in typischer Rosinen-Art gekauft "Kostet wenig, also sehen wir einmal in Ruhe, was da wieder für Blödsinn drinsteht!" Und dann in Ruhe festgestellt: Durchaus solide für die Zielgruppe (die man immer im Auge behalten sollte ... auch als Rezensent/Kritiker) und vor allem im Vergleich zu der ganzen New-Age-Kelterei, die einen sonst übermüllt. Dass es nicht die ultimative wissenschaftliche Darstellung zu den Kelten sien kann, dürfte von Vornherein klar sein. Das ist auch "Horrible Histories" nicht ... aber ein Einstieg. Für den Feld-, Wald- und Wiesen-Keltenfan.

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