Harry Harrison ist Amerikaner, lebt in Irland, hat viel Science Fiction geschrieben und uns "Soylent Green" beschert. Mit "Stars & Stripes in Peril" legt er einen Roman zum Thema "Alternative History" vor, der auf den Ereignissen von "Stars & Stripes Forever" aufbaut.

Wie allgemein bekannt ist, wurde der Krieg zwischen den USA und den CSA abgeblasen, als die Briten versehentlich Biloxi niederbrannten. Und auch die Errichting des mexikanischen Kaiserreiches macht einige Kopfschmerzen ... also muss man jetzt endlich der britischen Agression Einhalt gebieten und einen Präventivschlag führen. Lincoln ruft seine besten Militärs zusammen, also Sherman, Grant, Lee und Jackson ... gemeinsam beschliesst man dann, dass der dereinst aus Irland deportierte General Thomas Francis Meagher einen Angriff auf Irland leiten soll. Amerikanische Landungsschiffe in Kingstown, Bold Fenian Men, böse Briten ... was mehr will man!

Das Buch ist sehr gut recherchiert und enthält durchaus glaubwürdige "Fakten", wie sie in einer alternativen Historie sich hätten entwickeln können. Leider liest es sich teilweise aber auch wie eine Historie, also wie ein Geschichtsbuch mit etwas Rahmenhandlung. Nicht unbedingt schlecht, aber auch nicht unbedingt fesselnd für den "Durchschnittsleser".

Wo Harrison seine Stärken hat, ist das "open end" - Lincoln ist am Liffey, aber werden die Briten das dulden? Was wird bei den Friedenskonferenzen passieren? Was macht Benito Juarez? Material für Fortsetzungen, gewiss, aber eben durch das offene Ende auch die Andeutung, dass sich selbst "alternative history" jederzeit ändern kann, wahrscheinlich sogar wird. Am Ende steht kein sentimental-grünes Utopia auf "Erin's Green Isle", sondern ein Land, dessen Probleme gerade erst anfangen ... können.

Wer SF mag und mit "alternative history" umgehen kann (... was seit Norman Spinrads "Der Stählerne Traum" und Philip K. Dicks Visionen gerade in Deutschland oftmals ein Problem ist ...) ... lesen!