Thema geschlossen
Ergebnis 1 bis 9 von 9
-
12.08.2004 12:58 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #1Gast12952
Gareth O'Callaghan, "The Keeper"
Ein irischer Kriminalroman ... wie schön!
Dachte ich! Was für ein Mist, war mein abschliessendes Urteil, denn die Geschichte mit der vermissten Person in West Cork war ja noch nett, aber die andere Hälfte des Buches ist schlichtweg grottenschlecht. Warum musste der Autor die Nazis hereinbringen, eine Art Simon-Wiesenthal-Clone, die IRA (in Kooperation mit Baader-Meinhof und arabischen Terroristen) und die irische Regierung? Hätten nicht ein Gardai und ein echter Plot gereicht?
Nicht nur, dass der Autor nicht unbedingt die glaubwürdigste Geschichte schreibt und offensichtlich keine Ahnung von Geschichte hat, nein, er kann nicht einmal rechnen ...
Beispiel: Freundin Maggie ist 34, das Buch spielt 1998. OK - da mag man ja noch schlucken, dass Maggie seit 22 Jahren mit ihrem Lover zusammenlebt (Paedophile gibt es weltweit ...), aber dass Maggie's Vater 1942 an der Ostfront fiel und ihre Mutter von den Nazis hingerichtet wurde ... wielange halten sich eigentlich eingefrorene Embryos?
Beispiel: Josefs Vater ist jüdischer Schneider im Warschauer Ghetto, reist geschäftlich nach Berlin, wird dort verhaftet und sofort in einem Vernichtungslager vergast. Wahrscheinlich zusammen mit demjenigen Beamten, der ihme die Reise ermöglicht hat, denn "Reisefreiheit" und "Warschauer Ghetto" sind irgendwie nicht ganz kosher zusammen.
Beispiel: Die Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe klopfen Neonazi-Sprüche - Braune Armee-Fraktion?
Beispiel: Die deutsche Frau eines deutschen Bösewichts heisst Ethel (wieviele Ethels kennt Ihr?) und fragt ihren Mann, wass den Nationalsozialisten seien - wie naiv sollen wir uns Ethel denn nun genau vorstellen?
Das Buch ist schlecht, schlecht, schlecht ... und nicht einmal spannend, wenn man die geschichtlichen Hintergründe ignoriert. Am Ende war es mir, ehrlich gesagt, Wurscht wer lebte und starb.
-
12.08.2004 13:23 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #2
Naja..als Comedy scheint es ja nicht schlecht zu sein...deine Beschreibungen haben mir nämlich mehr als nur ein Lächeln entlockt
-
12.08.2004 13:25 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #3Adieu
Oooch, ich finde solche Bücher gut. Aus dem einfachen Grund, daß es mein Selbstvertrauen hebt: Wenn jemand solchen Schwachsinn veröffentlichen und auch noch verkaufen kann, brauche ich mich nicht zu fürchten (beim Laborieren an meinem Roman, wobei die Hauptarbeit darin besteht, die historischen Fakten korrekt zu recherchieren - und sowas nennen die Leute dann "kreativ arbeiten"
).
O'Callaghan hat noch zwei weitere geschrieben: The Limbo Vigil und Dare to Die. Offenbar war da ein Vertrag über drei Bücher. Mehr kam von ihm nicht. Wahrscheinlich hat da ein beherzter Lektor den Schlußstrich gezogen.
Gute Krimis schreibt Julie Parson, schön ausgeleuchtete Charaktere und plausible Storys im modernen Dublin.
Ken Bruen ist alte Schule: hart trinkender, einsamer und reichlich abge****ter Ex-Guarda wurschelt sich als Privatdetektiv durch Galways Unterwelt. Schräge Geschichten, aber klasse Galway-Porträts.
Ich sammel irische Krimis. Aber da ist noch unheimlich viel Murks dabei.
Da geht doch nichts über eine Ruth Rendell oder Minette Walters....
-
12.08.2004 13:26 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #4TAFKAD
Da soll er es vielleich bei Radio Moderation belassen...
-
12.08.2004 13:39 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #5Gast12952
Tja, pema, vielleicht sollte ich dann Deinen werten Blick einmal auf eine Entdeckung aus Vermont lenken - Archer Mayor und seine "Joe Gunther Mysteries".
Nix Irland, aber schön "film noir" (naja, manchmal) mit etwas Skurrilität und dem typischen Vermont-"WirsindandersalsderRestvonAmerika"-Tendenzen sowie provinzieller Realität ("Ich fuhr nach Chicago und besuchte die Polzei. Die hatten viermal so viele Streifenwagen wie wir im ganzen Staat!"). Tipp: "The Dark Root" (Ergänzungstipp: Über die vietnamesischen Namen Buch führen, sonst wird es sehr verwirrend ... was es aber auch wohl sein soll!)
Etwas off topic:
Pema, wenn Du Dir die Realität in Irland ansiehst, kannst Du bestimmt einen Krimi schreiben, ohne allzu grosse Schnitzer zu begehen. Siehe Mord diese Woche in Louth - Leiche am frühen Morgen gefunden, Mittags lag sie immer noch vor dem Haus ... man hatte noch keinen Pathologen herangeschafft und war sich über die Todesursache unklar. Festgestellt wurde letztlich ein noch im Nacken steckendes Teppichmesser ... Wie haben die eigentlich den Tod festgestellt? Das Opfer gefragt: "Leben Sie noch?"
-
12.08.2004 14:36 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #6
gc
Bei diesem Werk kann ich mich im Gegensatz zu Connolly's nur anschliessen, ich habs vor gut zwei Jahren gelesen, habs dann abgegeben und wußte hinterher auch nur noch, dass mich die Nazi-Thematik darin insofern gestört hat, als sie zu dick aufgetragen war.... wäre ohne die diversen Schnitzer siche r nicht uninteressant, aber so? Zuviele Themen reingequetscht?
@pema: ja, Recherche ist was Feines, aber auch anstrengend... ich kenne das.. und wenn es Leute gibt, die aufgrund ihres Namens mal eben so nen Vertrag untergeschoben kriegen, brauchen die sich um Recherche wohl kaum zu kümmern... siehe PS.....
Aber der Spass, den man manchmal allein schon mit der Recherche haben kann.....!
Ich frage derzeit meine diversen Kollegen im Labor zu diversen Chemikalien und der tödlichen Wirkung und so aus, und das verwirrt die völlig....
Schönen Gruss,
Barbara
-
12.08.2004 18:27 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #7Gast12952
Mensch, Barbara, dabei gibt es doch in schön kompakter Form Brian Lane's "Encyclopaedia of Forensic Science" ... fällt weniger auf!
Mein Geheimtipp ist übrigens Oleander: Nur nachweisbar im Blut, wenn der Pathologe danach gezielt sucht ... und wer macht das schon? Der Tod tritt durch Kreislaufversagen nach Fieber und Erbrechen ein und erfüllt fast genau das Bild einer Herzerkrankung (was bei "Vorbelasteten" kaum einen Verdacht aufkommen lässt ...) oder ähnelt einer heftigen Grippeinfektion ...
-
12.08.2004 21:10 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #8Adieu
@Dearbhaile
Ja, manche Recherchen machen schon Spaß. Mördersachen und so.
Nur leider recherchiere ich wirklich historisch, 18. Jahrhundert. Derzeit die Zeit von 1760 bis 1763 in London (das geht dann weiter durch halb Europa bis 1833 - sone Art Krieg und Frieden mit Musik). Das ist manchmal sehr, sehr spannend, aber manchmal so öde, weil es eben nur über endlose Literatur geht, Kopien aus Uni-Bibliotheken etc. Ebay ist auch eine Fundgrube.
(Zur Erläuterung: Das sollte mal eine Biografie werden, aber Madame Agentin meinte, mach einen Roman draus).
Wenn das Teil fertig ist, werde ich mit Lust und Wonne einen wunderbaren Thriller mit wahrem Hintergrund schreiben. Da wird Blut fließen... yamm, yamm... Und ich werde mich in die Waffenkunde stürzen! Da werden Flugzeuge vom Himmel fallen, Strände explodieren, die Kugeln werden einem um die Ohren fliegen! Das ist doch mal was.
Du tötest also mit Gift? Meerzwiebel (Urginea maritima) ist auch gut. Nach schon kleiner Dosis ca. 14 Stunden Agonie mit Lähmung und Kreislaufkollaps dann der Tod, dessen Ursache chemisch nicht nachweisbar ist. Prima für Leute, die man nicht ausstehen kann.
Wäre doch mal ein Plot (Titel: P.S. Ich töte Dich): Zwei arme, aber begabte Autorinnen, die nur Mickerverträge kriegen, machen sich auf, um all jene Autoren aus dem Weg zu schaffen, die für belanglose bis schlechte Mansukripte ein Vermögen in den Hintern geschoben bekommen. Die Welt wird errettet von miserablen Büchern, aufgeblasenen Autoren und die beiden Mädels kommen glücklich davon, siehe Meerzwiebel, und werden reich.
Eine meiner Lieblingsautorinnen war Patricia Highsmith, besonders ihr Mr. Ripley. Ich finds gut und weitaus glaubwürdiger, wenn jene, die gemeinhin als Bösewichter betrachtet werden, letztendlich ein Happy End haben, wenn auch ein gebrochenes.
@R-i-K
re. die Leiche in Co Louth. Manchmal denke ich, realistische Krimi-Backgrounds in Irland tendieren eher zur Sitcom... Deswegen gefällt mir Ken Bruen auch so gut, weil da die Guards immer so schön dämlich sind - wie im richtigen Leben.
-
13.08.2004 09:26 Gareth O'Callaghan, "The Keeper" Beitrag #9
a gift...
@ Raisin Bernd (hört sich auch gut an, oder? Hab den Kopf weggelassen, weil dann liest es sich funnier than I wanted it to) Unauffälliger mag s per Buch sein (danke für den Tip, kannte ich noch nicht), aber es macht auch Spass, die Kollegen zu foppen.... die nicht drauf kommen, wozu ich dieses Wissen brauchen könnte...
Stechapfel wäre auch nett... aber irgendwie hat's mir Hexene angetan, bin irgendwann über die Hexen auf Deutsch gestolpert... und jetzt kreist es als Idee herum... ist allerdings schwierig, unauffällig verabreicht zu werden, nix mit Tee oder so... höchstens, sollte jemand gerne Benzin riechen....
@ pema: so was in der Richtung hört sich gut an, vielleicht gibt's irgendwann mal eine Gelegenheit, doch ein Projekt zu starten, bei dem mehrere hier zusammen was hervorbringen, ausser dem, was die wenigen selbst erschreiben? Aber... wichtiger ist natürlich das eigene Werk und die Zeit dafür...! Und gerade mit day job... (ohne den ich das hier wohl nicht so in Ruhe tippen würde...)
In diesem Sinne, danke auch für weitere Austausch-Tips,
write on, guys and gals,
Barbara
Ähnliche Themen zu Gareth O'Callaghan, "The Keeper"
-
Gareth O'Callaghan, "The Keeper"
Von Gast12952 im Forum Gedrucktes aus oder über IrlandAntworten: 8Letzter Beitrag: 13.08.2004, 09:26 -
"Frauen unter sich" ("Agnes Brown") - Sp
Von Harry im Forum Kino, Radio, Fernsehen und DVDAntworten: 12Letzter Beitrag: 23.04.2004, 19:46
Weitere Themen von Gast12952
-
Enzyklopädie/Lexikon irischer Autoren u.Werke
Von Gast12952 im Forum Gedrucktes aus oder über IrlandAntworten: 4Letzter Beitrag: 10.08.2008, 18:32 -
Evelyn
Von Gast12952 im Forum Kino, Radio, Fernsehen und DVDAntworten: 0Letzter Beitrag: 09.08.2008, 22:27 -
schell "Das Vierte" einschalten
Von Gast12952 im Forum Kino, Radio, Fernsehen und DVDAntworten: 3Letzter Beitrag: 08.08.2008, 22:16 -
3-Sat einschalten
Von Gast12952 im Forum Bilder & Fotos von MitgliedernAntworten: 1Letzter Beitrag: 07.08.2008, 13:06 -
UMTS
Von Gast12952 im Forum Leben, Arbeiten, Studieren in IrlandAntworten: 6Letzter Beitrag: 03.08.2008, 14:57
Andere Themen im Forum Gedrucktes aus oder über Irland
-
Irland Kalender 2011
von Nene177Antworten: 3Letzter Beitrag: 31.03.2011, 21:43 -
Webseitentipp zum Osteraufstand
von Gast12952Antworten: 0Letzter Beitrag: 03.04.2006, 13:16 -
Suche Irlandkarte als Poster
von richyAntworten: 4Letzter Beitrag: 20.11.2005, 12:20 -
Bono über Bono
von KnubbelAntworten: 1Letzter Beitrag: 12.04.2005, 10:59 -
Crap English and how to use it
von AdieuAntworten: 1Letzter Beitrag: 07.11.2004, 09:07







