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22.05.2004 13:17 King Arthur Beitrag #1Caillean
King Arthur
Hiya!
Ich weiß, dass dieses Thema nicht wirklich was mit Irland sondern was mit England zu tun hat. Aber der neue KingArthur Film ist ja wenigstens in Irland (teilweise) gedreht worden.
Hab das Kino Plakat im Cineplexx gesehen und hab mir sofort gedacht: ******e schon wieder ein Film wo der eigentliche Inhalt total gekürzt wurde und dafür nur mehr gekämpft und abgeschlachtet wird (so wie bei Troja). Tja also meine Vermutung hat sich bewahrheitet. Gwenwhyfar (im Film von Keira Knightely gespielt) ist, statt einer Frömmlerin, eine Kriegerprinzessin, König Artus trägt die Rüstung eines römischen Centurios, und überhaupt nirgends Frauen als Hauptdarstellerinnen. Bin schon gespannt, was nicht noch alles an Wahrheiten verdreht wurde. Mir ist natürlich klar, dass es sich hier um eine Legende handelt und Wahrheiten hier relativ sind, aber die Produzenten hätten sich wenigstens an Literarische Quellen halten können (z.B Geoffrey of Monmouth oder le Morte d´Arthur).
Anschauen werd ich mir den Film trotzdem, aber nur am Kinotag, da kostets nämlich nur € 6.
Mich würde es interessieren, was ihr von dem Film haltet!
Slan, Caillean
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22.05.2004 14:48 King Arthur Beitrag #2Gast12952
Moin,
also von einem Kinoplakat auf den Inhalt zu schliessen halte ich ja grundsätzlich schon für ziemlich gewagt ... und dass man die gesamte Artusepik des europäischen Mittelalters nicht in einen Film bringen kann, erscheint logisch. "Excalibur" (am gleichen Ort gedreht) hat es versucht und musste trotzdem reine "Highlights" herauspicken.
Ich glaube, eine Verfilmung der Buchvorlagen Morte d'Arthur oder der Monmouth'schen Version wollte auch niemand abliefern. Stattdessen eben eine Art Fantasy-Spektakel mit quasihistorischem Hintergrund. Wo nämlich der neue Film durchaus von der Masse der Artus-Epen abweicht, ist die Rückbesinnung auf den wahrscheinlichen historischen Hintergrund zu Beginn der "Dark Ages", im Moment des Auseinanderbrechens des Römischen Reiches. So etwa 450 a.d. ...
... und daher kommt letztlich auch der römische Einfluss etwa bei Artus Rüstung. Dürfte zumindest teilweise korrekt sein, wenn man der Theorie anhängt, dass Arthur ein Romano-Brite war, der sich gegen die zunehmende Verbarbarisierung auflehnte und die letzten Reste des Imperiums retten wollte (nicht ganz uneigennützig). Eine Art Warlord wie historisch weltweit bekannt ... von den japanischen Shogunen über die chinesischen Generäle um 1920 bis hin zu Somalias führenden "Politikern".
OK, Keira Knightley als Piktin kann ich noch verknusern, aber ihre Kostüm ist nun wirklich nicht mit Xena zu vergleichen ... dagegen war Xena ja hochgeschlossen:

Aber ... warum muss denn Guinevere immer die schüchterne sein? Julia Ormond in "First Knight" war ja ganz nett, aber das kann es ja nun auch nicht immer sein ...
Überhaupt: Keine weiblichen Hauptrollen? Ja, nun ... gab es auch in der Artusepik eher weniger. Abgesehen von Guinevere eigentlich nur Morgaine la Fey, sowohl Artus' Mutter als auch Merlins Verführerin sind fast austauschbare Nebenrollen und können ruhig eingespart werden. Und selbst Morgaine hat eigentlich nur den Daseinszweck, als halbinzestöse Mutter Mordreds einen Teil des Verderbens einzubringen (der andere Teil sind die Untreue Guineveres und die Verführung Merlins - alle Frauenrollen sind daher mit am Sturz der patriarchalischen Herrschaftsstruktur Artus' Schuld!).
Ich plädiere dafür, wir sehen uns den Film erstmal an und diskutieren dann weiter.
Anyway - bei "Gladiator" hatte auch niemand eine historische genaue Analyse erwartet und die Geschichtsklitterungen (... von der Reihenfolge der Caesaren bis zum korrekten Helm ...) sind immens. Dennoch gehören die Schlachtszenen in Germanien mit zu dem realistischsten, was man bisher gesehen hat. Und sogar der total durchgeknallte Commodus war einigermassen realistisch. Wie auch der exzessive Caligula im gleichnamigen Film ...
Und, wenn ich noch einmal den Bogen zu Artus-Verfilmungen schlagen darf - eine der interessantesten Verfilmungen (neben "Excalibur" natürlich) ist für mich "Camelot" mit Richard Harris. Nicht nur weil es total OTT ist, sondern auch weil die Rolle des Mordred (David Hemmings) und seine Nazi-gleichen Schergen sehr der Interpretation von T.H.White nahekommt (der sein Buch letztendlich als Antikriegsbuch verstanden hat).
Auch nicht zu übersehen (wenn auch heute meist unbekannt) ist "Knightriders", in dem Morgan ein Mann ist ...
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22.05.2004 19:49 King Arthur Beitrag #3Caillean
Hi Rosine!
Also erstens: ich hab mich natürlich (infolge der Begutachtung des Plakats) erstmal im Internet schlau gemacht und mir den Trailer angekuckt, bevor ich diesen Beitrag geschrieben habe.
Ich bin auch der Meinung, dass man nicht die ganze Legende in einen Film packen kann, aber das man so übertreiben muss.
Zweitens: typisch Mann, sach ich da! es ist ja eher so, dass Artus und seine Gefährten am Sturz der matriachalischen Herrschaftsstruktur (die nunmal bei den Kelten so üblich war) schuld ist. Und gibs zu, das Kostümchen, dass hier Keira Knighteleys Körper umschmeichelt gefällt dir doch sicher eh ganz gut.
Ich finds halt einfach nur Schade, diese sagenumwobene (wirklich tolle) Story so zu verpacken. Man hätte mehr draus machen können. Aber wir werden in den nächsten Jahrzehnten sicher nochmal in den Genuss einer neueren Verfilmung kommen.
Du hast recht, schaun wir uns den Film erstmal an und diskutieren dann weiter.
Slan, Caillean
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22.05.2004 19:54 King Arthur Beitrag #4Adieu
R-i-K's Beitrag:
wow!!!
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23.05.2004 08:57 King Arthur Beitrag #5Gast12952
Moin Mädels!
Mensch, ich habe noch nicht einmal "Troy" gesehen und diskutiere schon über "King Arthur" (... bei dem ich wenigstens die Dreharbeiten gesehen habe!). Aber es muss sein ...
Plakat, Trailer, Werbung - alles ist Häppchenkost und man wird letztlich nicht über den Film urteilen können, bevor man ihn nicht in ganzer Länge gesehen hat.
Zitat von Caillean
Ja nun ... was heisst denn "übertreiben"? Die Filmemacher haben die Artuslegende genommen, sie mit ein wenig plausiblem historischem Hintergrund aufgefüllt (... der immer von der Legende abweicht!) und eine Neuinterpretation geschaffen. Dass diese eben nicht in spätmittelalterlichen Rüstungen, mit wallenden Gewändern und Hoher Minne daherkommt, ist natürlich für den durch die Präraphaeliten geprägten Artus-Fan erstmal umgewöhnungsbedürftig. Für den Historiker jedoch eher zu schlucken ...
Zitat von Caillean
Oh ja ... Du hast also "Die Nebel von Avalon" gelesen? Auch das ist eine sehr gewagte Auslegung der ganzen Geschichte. Und, so pauschal dahingestellt, doch eher Blödsinn - denn dazu müsstest Du ja einen historischen Artus samt Gefährten ausmachen, der plötzlich das Matriarchat abschaffte.
Zitat von Caillean
Ist aber nicht gegeben ...
Das letzte Aufbäumen eines Matriarchats auf den britischen Inseln war wohl am ehesten der Aufstand der Iceni unter Boudica (und das auch nur, weil Boudica die Witwe des Königs war, nicht weil die Iceni traditionell Königinnen hatten). Die Zeit des vermuteten historischen Artus oder der mindestens drei möglichen "Arti") liegt jedoch etwa 400 Jahre später. Zu der Zeit war zumindest der Handlungsort (England) in Sachen "Kelten" schon ziemlich ethnisch gesäubert oder assimiliert.
Die "Kelten" (welche eigentlich - die in Irland oder die in Anatolien versprengten?) kannten zwar sehr mächtige Göttinnen, aber ebenso mächtige Götter. Die Herrschaftsstrukturen scheinen aber nicht unbedingt matriarchalisch gewesen zu sein ... eher patriarchalisch.
OK - die Meinungen gehen dazu auseinander, aber die Mehrheit der HistorikerInnen hängt dann doch eher der Idee vom Patriarchat an, viele vermeiden diese Diskussion auch ganz (weil sie zu spekulativ ist).
Das gelegentliche Auftreten von starken Frauen wie Boudica (oder die Veleda in Germanien) sollte niemanden dazu hinreissen, gleich von einem "Matríarchat" zu sprechen. Dann könnte man auch das Papsttum als Matriarchat bezeichnen, weil ja Johanna ...
Ja.
Zitat von Caillean
Und?
Oder (sehr wahrscheinlich) weniger - siehe "First Knight", die diversen Hollywood-Verfilmungen mit Alan Ladd, "Merlin und Mim" ...
Zitat von Caillean
Letzten Endes wird dies doch schon wieder ein Thread zum Thema "Erwartungshaltung" ... wenn ich ins Kino gehe mit der Erwartung, eine idealisierte keltisch-matriarchalische Gesellschaft mit Artus als Lichtgestalt des Patriarchats und in Turnierrüstung von 1400 daherreitend vorgesetzt zu bekommen, dann werde ich von "King Arthur" garantiert enttäuscht. Und auch von den etwa 18.000 anderen Artusverfilmungen.
Wenn ich ins Kino gehe, um unterhalten zu werden und eine Interpretation eines bekanntes Stoffes zu sehen, dann lasse ich mich eben überraschen.
Aber es gab ja auch bei "Lord of the Rings" die Puristen, die die Abwesenheit von Tom Bombadil und Radagast dem Braunen zum Anlass nahmen, die gesamte Trilogie zu verdammen ...
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23.05.2004 11:42 King Arthur Beitrag #6Caillean
Also, wie ich sehe, kennst du dich mit der Materie ja ganz gut aus.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass man Artus in eine mittelalterliche Rüstung steckt (die ja erst um 1300 also in der Romanik aufkam). Deshalb find ich (auch wegen dem ganzen Kitsch) die "Excalibur"Verfilmung schrecklich, weil die Produzenten Artus und seine Mannen einfach mitten ins Hochmittelalter katapultierten.
Es war aber bei den Kelten nicht so unüblich, dass Königinnen regierten. Und es kommt noch dazu, dass bei vielen keltischen Stämmen, die Erbfolge über die Frauen erfolgte.
Erst mit der Ausbreitung des Christentums, wurden diese Gesellschaftstrukturen abgeschafft. Weil ja "durch die Frau, die Sünde in die Welt kam" blablabla.
Wie du drauf kommst, vom Papstum als Matriachat zu sprechen verstehe ich nicht ganz. Schließlich wusste vor ihrem Tod niemand, das Papst Johannes Anglicus, eine Frau war...
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23.05.2004 11:46 King Arthur Beitrag #7helenNe, das ist ein Roman aus der KAT.: Feministische phantastische-historische(nicht utopische) Literatur.Oh ja ... Du hast also "Die Nebel von Avalon" gelesen? Auch das ist eine sehr gewagte Auslegung der ganzen Geschichte.
Die Gefahr, sich in der Phantasie zu verlieren, ist zu vernachlässigen, da immer mal maskuline Äusserungen auf den Boden der historischen Tatsachen zurückholen.
Wobei der Trend zum geschlechtsneutralen Film beim "Herr der Ringe" verstärkt zu beobachten ist
MfG
Man hat nie die falschen Bücher gelesen, eher die Richtigen übersehen.
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23.05.2004 11:49 King Arthur Beitrag #8Caillean
P.S
P.S. Hier könnt ihr euch den Trailer angucken!
http://kingarthur.movies.go.com/trailers.html
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23.05.2004 13:15 King Arthur Beitrag #9Gast12952
Ja, Caillean, Artusepik gehörte zu meinem Studium und ich hatte einen Prof, der mich freundlicherweise auch über die Artusfilme die Prüfung machen liess ... deswegen immer noch ein gewisses Interesse!
Davon abgesehen stehst Du mit Deinen Äusserungen zum Thema Matriarchat und Kelten einfach etwas auf dem Kriegsfuss mit der vorherrschenden Lehrmeinung, die kein durchgängiges Matriarchat bei den Kelten feststellen kann, sondern nur Teilaspekte und Ausnahmeerscheinungen - und die gab es immer 'mal wieder in aller Welt (Shaka etwa verblasste vor einer kontemporären Kriegerkönigin in der Nachbarschaft!).
Aber lassen wir das ... denn auch unter Historikern wird das schnell zum eher ideologischen denn faktischen Streitthema.
Ach ja, Papst Johanna (... müsste eigentlich Mamst heissen, oder?) war eher ein satirischer Seitenhieb, denn das Geschlecht ist definitiv nicht geklärt ... es gibt da nur Geschichten und Geschichtchen, die aber durch die Wiederholung (und einen "grossen historischen Roman") mittlerweile in das "Volkswissen" eingegangen sind.
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23.05.2004 19:09 King Arthur Beitrag #10Caillean
Hiya!
Hi Rosine!
Du hast recht, ich bin bei solchen Themen eben eine arge Emanze.
Wegen Mamst Johanna, da hab ich nur den Roman und die dazugehörigen Quellen gelesen, deswegen bin ich sozusagen nur über Thesen gestoßen, die für die Existenz einer Päpstin sprechen.
Sach mal, was haste denn eigentlich studiert? Germanistik, Keltologie? Mich würde ja Keltologie, neben Anglizistik brennend interessieren. Das blöde ist nur, dass es diesen Studienzweig (in Österreich) nur in Wien gibt, und ich kanns mir als arme zukünftige Studentin nicht leisten, von meinem Hometown wegzuziehen.
Naja, (apropros, was heißt eigentlich NAJA auf englisch? well?) In den Worten unseres lieben Herrn Kafka (von MTV): Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit, auf Wiedersehen!
Slan, Caillean
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